FI: Forgestellt & Inspiration

FORGESTELLT: Clara Creitz, Co-Founder von Finelles und Programme Manager bei Julius Baer

10. August 2020

FIELFALT.CH: Clara Creitz möchte mit Finelles Frauen die Angst vor dem Investieren nehmen und informieren. Wie sie nebenher gegründet hat, warum sie auch mal „5 gerade sein lässt“ und warum Finelles ihr Herzensprojekt ist, berichtet sie uns in diesem Portrait.

Liebe Clara, wann ist ein Tag (beruflich wie privat) für dich gelungen?

Für mich ist ein Tag gelungen, wenn ich mir die drei Haupt-Dinge, die ich mir vorgenommen habe, tatsächlich umsetzen kann. Auch ist es für mich ein super Tag, wenn es Freuden-Momente gab, z.B. jemanden helfen zu können oder eine gute Unterhaltung.

Was war der beste Ratschlag, den du bisher in deinem Leben bekommen hast?

“Einfach mal alle 5 gerade sein lassen” sagte ein Chef mal zu mir. Ich investiere in viele Dinge sehr viel Zeit, aber auch Leidenschaft und manchmal fällt es mir schwer, entspannter mit der Situation umzugehen. Ich habe mir das sehr zu Herzen genommen und versuche nach dem Pareto Prinzip (80/20) zu handeln.

Du hast das Unternehmen Finelles mitgegründet. Was ist Finelles und was ist eure Vision?

Die Idee hinter Finelles war, einen Ort zu schaffen, an dem Frauen über Geld reden und sich auch austauschen können. Geld geht Frauen wie Männer an, doch braucht es einen Rahmen, in dem Frau sich austauschen kann und offen Fragen stellen kann. Mit Finelles sprechen wir Themen wie z.B. Altersvorsorge und auch Investieren an, Themen die auch mal komplex sind. Ziel ist es, dass es völlig normal ist, dass Frauen sich über Aktien, Konto und Börse austauschen können.

Wie kam es zu der Gründung und wie sahen deine beruflichen Schritte davor aus?

Ich habe bei der Bank einige Jahre in verschiedenen Funktionen gearbeitet, unter anderem auch im Ausbildungsbereich der Bankberater. Dort bin ich selbst dem Thema Geld und Investieren näher gekommen und habe mich damit auseinander gesetzt. Als letztes habe ich im Projektmanagement gearbeitet, wo ich letztendlich meine Mitgründerin Caroline getroffen habe. Wir haben uns in der Mittagspause darüber unterhalten, warum Frauen, die bei der Bank arbeite,n auch nicht so viel mehr mit ihrem Geld machen. Das hat uns beschäftigt, hier wollten wir mehr wissen, wo genau das Problem ist. Fehlendes Interesse? Zu wenig Wissen? Was ist es genau.

 

Die zwei Gründerinnen von Finelles Caroline und Clara

Warum tun sich gerade Frauen mit Finanzthemen so schwer?

Das hat verschiedene Gründe. Zum einen wird uns schon zu Schulzeiten vermittelt, dass Frauen nicht gut in Mathe sind. Dies führt dazu, dass viele Frauen Zahlen aus dem Weg gehen. Tatsächlich kümmern sich Frauen um 80% der Kaufentscheidungen. Nur da Thema Investieren und Altersvorsorge – also Finanzentscheidungen, die schwerwiegender und langfristiger sind, – überlassen sie häufig den Männern. Dabei merke ich, dass hier sehr viele Mythen leben: “Investieren ist wie Casino” oder “Geld ist was für Reiche”. Tatsächlich ist das Thema weder Casino – wenn man weiß, was man macht -, noch ist es für Reiche. Denn man kann schon mit kleineren Beträgen wie 100€ anfangen zu investieren.

Was würdest du Frauen als erste Schritte raten, die ihre Finanzthemen endlich selbst angehen möchten?

Zum einen würde ich raten, sich als erstes einen Überblick zu verschaffen. Z.B. wie hoch sind meine Ausgaben, wie viel von meinem Einkommen spare ich, wie viele Konten habe ich und welche Versicherungen. Wenn man mal alles zusammengetragen hat und analysiert hat, findet man häufig Sparpotential (z.B. Versicherungen, Abos), aber auch Lücken (z.B. Altersvorsorge). Im zweiten Schritt ist es wichtig, sich einen Plan zu machen; d.h., sich Ziele aufzustellen, z.B. Hauskauf in 10 Jahren oder eben eine gute Rente. Dann kann man zurückrechnen, um herauszufinden, wie viel gespart werden muss. Investieren bedeutet, das Ersparte gewinnbringend anzulegen. Wer bei 0% Zinsen das Geld auf dem Konto liegen lässt, vernichtet Jahr um Jahr aufgrund der Inflation das Geld.

Daher sollte sich jede mit dem Thema Investieren auseinandersetzen. Dies kann man durch Blogs, Videos oder auch Bücher. Auf unserer Seite haben wir Artikel und Links zu den Themen.

Du hast praktisch „nebenbei“ gegründet und bist nach wie vor Unternehmerin und Angestellte. Wie lebst du mit dieser Doppelbelastung?

Es ist nicht ganz einfach, insbesondere wenn auf der Arbeit viel zu tun ist. Ich versuche mir wöchentliche Ziele zu setzen, die ich mit Finelles umsetzen will. Auch konzentriere ich mich auf das Wesentliche. Wenn etwas zu viel Aufwand für den Ertrag bedeutet, muss ich einfach auch “Nein” sagen. Da ich aber mit Finelles ein Herzensprojekt mache, fällt es mir häufig einfach, zusätzliche Energie aufzubringen.

Was für Ziele habt ihr für Finelles für die kommenden Monate?

Wir hatten in der Vergangenheit zwei Online Kurse, die überarbeite ich gerade und möchte se bald live stellen. Auch arbeite ich an einem interaktiven Webinar-Kurs Format, da ich merke, wie viele Fragen immer in den Kursen kommen. Und letztlich erarbeite ich einen Plan für individuelle Coachings, da ich manchmal Anfragen habe von speziellen Situationen, die nicht im Online Kurs abgedeckt sind.

Hast du einen Tipp für Frauen, die neben ihrer Anstellung gründen möchten?

Keep it simple. Überlege dir, was ist der einfachste Weg, dein Produkt oder Dienstleistung anzubieten. Es benötigt noch keinen Porsche, wenn es am Anfang mit einem Fahrrad reicht. Denn am Anfang geht es darum, herauszufinden, wo genau das Problem beim Kunden ist und dann im Prozess zu lernen. Deswegen ist flexibel bleiben wichtig. Auch würde ich jeder Gründerin raten, sich mit dem Thema Vermarktung auseinanderzusetzen. Denn das Produkt kann super sein, wenn keiner davon weiß, bringt es auch keinem etwas.

Wie lädst du deine Batterien auf, wenn auch dein Energielevel mal am Limit ist?

Ich liebe die Natur, deswegen gehe ich gerne wandern. Das beruhigt mich. Musik und Tanzen hilft mir auch, positiv zu bleiben und die Energie rauszulassen. Außerdem reise ich gerne und versuche immer wieder, mir eine Auszeit zu nehmen und mal was ganz Anderes zu machen (z.B. Kitesurfen zu lernen).

Zu guter Letzt: Was möchtest du in den kommenden Monaten privat wagen?

Ich habe derzeit das Projekt “Immobilie”, dort hoffe ich in den nächsten Monaten ein paar Schritte weiterzukommen. Außerdem habe ich mit einer Weiterbildung begonnen, hier ist mein Ziel, diese gute abzuschließen und die nächsten Schritte anzugehen. Man lernt nie aus.

 

Weiterführende Links:

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Bilder: ©Finelles

 

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