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FORGESTELLT: Constanze von Kettler, PR Spezialistin und Gründerin von TEAM CODE ZERO

16. November 2020

Constanze von Kettler engagiert sich liebend gerne. Nicht nur beruflich, sondern auch ehrenamtlich. Weil sie so viele Interessen hat, aber auch weil sie der Gesellschaft etwas (zurück)geben möchte. Was sie alles (in Teams) auf die Beine stellt, wie sie als Journalistin zu PR kam und was das Segeln für sie bedeutet, lest ihr in diesem Portrait.

Liebe Constanze, was machst du morgens als Erstes, wenn du deine Augen öffnest?

Als allererstes strecke und räkle ich mich, um dem Körper zu signalisieren, dass er jetzt bitte auf ON schalten möge. Er gehorcht leider nicht immer. Damit ich nicht wieder einschlafe, switche ich das Radio an. Danach überprüfe ich auf dem Handy, ob sich über Nacht was Wichtiges getan hat. Ich weiß, das soll man nicht tun, aber ich glaube, die meisten Menschen schauen als erstes aufs Mobiltelefon. Oder?

Auf welches Nachrichtenmedium könntest du a) privat und b) beruflich nur sehr schwer verzichten?

Privat läuft bei mir eigentlich fast durchgehend Radioeins. Überhaupt bin ich ein sehr auditiver Typ und höre die ARD Audiothek mit ihren tollen Features Info-Beiträgen, Comedy, Hörspielen und Hörbüchern rauf und runter. Beruflich informiere ich mich punktuell, wenn ich was brauche. Da habe ich kein spezielles Medium, es ist mir wichtig, mich aus verschiedenen Quellen zu informieren.

Du hast 2013 das Unternehmen TEAM CODE ZERO gegründet. Wie kam es dazu?

Ich wollte mich immer schon gern selbständig machen. Dann hat sich 2013 die Situation ergeben. Ich hatte zu dem Zeitpunkt genügend Erfahrungen als Freie Journalistin bei verschiedenen Medien bzw. als Angestellte in der Pressestelle gesammelt und habe einfach den Schritt gewagt. Und bis heute nicht bereut. Die Selbständigkeit verleiht mir viel Freiheit, aber auch jede Menge an Verantwortung und Aufgaben, auf die ich null vorbereitet war. Aber mit etwas Geschick, Glück und Gottvertrauen klappt dann meist alles. Und Fleiß natürlich. Und vor allem: niemals allein. Deshalb habe ich auch den Begriff Team gleich im Firmennamen aufgenommen, damit sich alle ständig daran erinnern.

Welche Mission verfolgst du mit deinem Unternehmen und wer sind deine Kunden?

Unsere Mission ist, eine ausgelagerte Pressestelle zu sein für Unternehmen, die sich keine eigene Pressestelle leisten können oder wollen. Wir regen Journalisten an, über unsere Kunden zu berichten, indem wir gutes Pressematerial und spannende Geschichten liefern. Wir sind nicht auf eine Branche festgelegt, weil wir mit journalistischer Herangehensweise die Infos suchen, die für die Öffentlichkeit interessant sind. Das klappt ziemlich gut. Wir haben im Moment vornehmlich Kunden aus dem Tech-Bereich. Aber wir haben auch schon Retailer oder Künstler vertreten.

In deinem Team arbeiten nur Journalisten. Was ist der Grund dafür?

Wir sind im stetigen Dialog mit Journalisten und ich finde es wichtig, dass wir eine gemeinsame Sprache sprechen, um das Optimum aus Geschichten herauszuholen. Gerade in Zeiten des Personalabbaus und von Zeitmangel empfinden wir es als wichtig, interessante, gut recherchierte Geschichten zu bieten und nicht Marketing-Themen in die Medien drücken zu wollen. Das sagen wir unseren Kunden auch ganz klar im Vorfeld. Nur so klappt Pressearbeit aus unserer Sicht. Es soll ja für alle Seiten ein Gewinn sein.

Wie bist du überhaupt in den Bereich PR geraten?

Schon auf der Journalistenschule wurden wir auch auf den Bereich Pressearbeit vorbereitet. Natürlich wollten wir alle investigative Journalisten werden und ich habe das eher als netten Vorschlag denn als Möglichkeit begriffen, mit der ich später meine Brötchen verdienen würde. Ernsthaft darüber nachgedacht habe ich nach Abschluss meines Studiums, das ich erst nach der Journalistenschule absolviert habe. Ich hatte Erfahrung bei ganz verschiedenen Medien gesammelt und war immer dankbar, wenn ich eine schnelle und verständige Pressestelle als Gegenüber hatte. So ist der Gedanke gereift. Und ist letztlich für mich zum Beruf geworden.

Was ist gute PR für dich?

Natürlich gibt es gute PR-Gags, die die mediale Runde machen, diese können aber auch ganz schön nach hinten losgehen. Ich empfinde eine langfristig angelegte Pressearbeit als gute PR. Manchmal muss man tatsächlich Jahre arbeiten, um eine Geschichte in einem Medium unterzubringen. Wir arbeiten am liebsten sehr lange mit unseren Kunden zusammen. Für unseren ersten Kunden, die VivoSensMedical GmbH aus Leipzig, arbeiten wir von Anfang an, also mittlerweile seit über sieben Jahren.

Gute PR funktioniert aus meiner Sicht durch ein gesundes Miteinander, indem man gemeinsam mit den Kunden gute Geschichten findet, die in die Zeit passen. Diese werden dann auch gern von Journalisten aufgegriffen. Wichtig ist natürlich, dass hier ein Dialog stattfindet. Manchmal passt das Thema nicht so ganz, das findet man aber nur im Gespräch raus.

Deine große Leidenschaft ist das Segeln. Was bedeutet dir das Segeln und wie würdest du einer Landratte das Segeln schmackhaft machen?

Segeln macht einfach gute Laune. Schon wenn ich an Bord gehe, sind alle Alltagssorgen weg. Dann sind andere Sachen wichtig. Wie verhält sich das Wetter, wie entwickelt sich der Wind? Wie stehen die Segel, sind sie optimal eingestellt? Dazu gibt es immer traumhafte Sonnenauf- und Untergänge, sogar Regenschauer sehen toll aus. Am liebsten in weiter Ferne. Aber das Wichtigste ist ein gutes Zusammenspiel der Crew. Segeln ist auch immer ein Teamsport. Wer sich zu wichtig nimmt, ist Gift für die Crew. Dasselbe versuche ich auch immer bei Team Code Zero zu leben. Nur im gut abgestimmten Team geht es voran. Und bei Manövern muss halt einer das Sagen haben. Kritik kann es später geben.

Wie hat Euch die Corona-Krise erwischt?

Uns sind schon Kunden abgesprungen. Einer, der hauptsächlich Messen ausstattet, hat erstmal ganz pausiert, ein anderer hat unseren Retainer gekürzt. Aber ganz ohne Pressearbeit – das war ihm zu heikel. Auf der anderen Seite haben wir auch viel darüber geschrieben, wie unsere Kunden durch die Krise kommen, wie sie sie beeinflusst hat. Technisch war das Ganze für uns überhaupt kein Problem, da ich von Anfang an alles so eingerichtet habe, dass jeder Mitarbeiter im Homeoffice arbeiten kann. Das hat sich jetzt extrem ausgezahlt. Auch mit unseren Kunden haben wir seit Jahr und Tag zum Teil per Video kommuniziert. Ich hoffe aber, dass sich die Wirtschaft jetzt nachhaltig erholt.

Du bist auch ehrenamtlich sehr aktiv. In welchen Bereichen engagierst du dich?

Ich engagiere mich in meiner Kirchengemeinde, dort schreibe ich an einem Gemeindemagazin namens Brückenschlag mit. Das Magazin erscheint viermal im Jahr, und wir arbeiten dort mit Laien und Profis. Das ist sehr spaßig und eine nette Gruppe. In meinem Segelclub arbeite ich daran mit, dass das Haus belebt ist und dass Veranstaltungen stattfinden. Wenn nicht gerade Corona einen Strich durch die Rechnung macht. Wir organisieren Feste, Abende, Lesungen, Konzerte – so ein Segelclub ist eben mehr als eine Marina. Das Gesellige am Segelsport ist auch sehr wichtig. Zudem bin ich die sogenannte Medienbeauftragte der Vereinigung des Adels in Berlin und Brandenburg und betreue deren Website. Auch hier geht es um ein Miteinander.

Hast du ein Geheimrezept, wie du das alles unter einen Hut bekommst?

Ich bin so ein Klassensprecher-Typ, und ich werde hier und da angehauen, ob ich mich engagieren möchte. Wichtig ist leider, auch mal ‚Nein‘ zu sagen. Dieser Lernprozess hat bei mir länger gedauert. Aber ohne ‚Nein‘ verzettelt man sich leider sehr schnell. Unsere Gesellschaft funktioniert halt zum Teil nur mit Ehrenamtlichen, und es macht ja auch Spaß, sich mit anderen auszutauschen und Dinge voranzubringen.

Mal Hand aufs Herz: Sind deine Batterien nicht auch mal leer? Wie erkennst du das und wie füllst du deine Energiespeicher wieder auf?

Klar sind die Batterien auch mal leer. Immer nur von morgens bis abends von Termin zu Termin zu hetzen, das hält ja keiner aus. Dann rauscht das Leben nur so an einem vorbei. Ich ziehe mich regelmäßig ins Homeoffice nach Schleswig-Holstein zurück. Dort lade ich meine Batterien wieder auf. In Zeiten von Corona ist jedoch alles sowieso viel entspannter, da sind ja die meisten Veranstaltungen abgesagt, viel wurde ins Netz verlegt. So bleibt mehr Zeit für Freunde und Familie, was ich sehr genieße.

Zu guter Letzt: Was machst du, kurz bevor du deine Augen schließt?

Mein Tag endet fast, wie er begonnen hatte. Mit dem Handy. Häufig verwende ich totmüde viel Zeit darauf, mir ein schönes Hörbuch, ein Hörspiel oder einen interessanten Podcast rauszusuchen, um dann nur noch den Anfang mitzukriegen. Oder ich setze ein Hörbuch fort und weiß dann am nächsten Tag nicht mehr, an welcher Stelle ich eingeschlafen bin. Manchmal schaue ich auch noch einen Film aus einer Mediathek, der Effekt ist derselbe. Aber was soll’s? Man liest ja schließlich auch Kindern Gutenacht-Geschichten vor, damit sie vom Alltag abschalten und besser einschlafen können.

 

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Titelbild: ©Tucfoto

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