FI: Forgestellt & Inspiration

FORGESTELLT: Danuta Florczyk, Founder und Managing Director von tectumedia GmbH sowie Mitglied von Mission Female

15. September 2020

Danuta Florczyk berichtet in diesem Portrait, warum wir alle manchmal ein Quäntchen Mut brauchen, wie sie mit den Ansprüchen als Working Mom umgeht und was sie anderen Frauen rät, die auch gründen möchten. Realistisch, positiv und vorausschauend. Eine spannende Frau mit einer beeindruckenden Karriere und interessanten Ansichten!

Liebe Danuta, welche drei Eigenschaften haben dich in deinem Leben bisher am meisten weitergebracht?

Ich könnte hier verschiedene Dinge anbringen, die sicherlich hilfreich waren, zum Beispiel, dass ich gern Verantwortung übernehme und das gewisse Quäntchen Mut mitbringe, aber in meiner Erfahrung sind es nicht nur diese Eigenschaften, die wir von Haus aus mitbringen, die uns weiterbringen. Vielmehr sind wir angehalten, konsequent weiter an uns zu arbeiten und Eigenschaften anzunehmen, die wir vielleicht nicht ohne Weiteres als in die Wiege gelegt ansehen. Mir fallen Eigenschaften wie Authentizität, positives Denken und Offenheit ein. All diese Eigenschaften würde ich für mich in Anspruch nehmen, aber sie sind gewachsen, daran habe ich gearbeitet und in dieser Message liegt eine Menge Vertrauen und Freiheit. Wir können uns gestalten und über den Tellerrand sehen, wir können die Person werden, die wir sein wollen und diese Offenheit, diese Bereitschaft, aus unserer Komfortzone auszubrechen und zu wachsen, ist, glaube ich, die wichtigste Eigenschaft.

Du bist Gründerin und Geschäftsführerin von tectumedia GmbH. Wie ist es zu der Gründung gekommen und wie sahen deine beruflichen Meilensteine vor deiner jetzigen Position aus?

Genau, ich bin eine von drei Gründern und Geschäftsführerin von tectumedia. Die Agentur mit Sitz in Berlin richtet ihren Fokus auf die Beratung und Umsetzung digitaler Marketingstrategien. Mein spezifisches Interesse liegt in der Umsetzung von Digitalkonzepten, spezialisiert auf das Online Marketing und deren operativen Tätigkeiten, und ich erarbeite mit meinem Team Digitalstrategien für Unternehmen aus allen Branchen. Vor der Gründung von tectumedia war ich in zahlreichen renommierten Unternehmen in führenden Positionen tätig. Nach fünf Jahren bei Yahoo! baute ich unter anderem das internationale Display-Geschäft für Zalando auf und war anschließend Director Display Marketing und Kooperationen bei Project-A-Ventures. Irgendwann stellte sich auch für mich die Frage, ob ich den Sprung ins kalte Wasser der Unternehmensgründung wagen sollte. Zusammen mit meinen Gründerpartnern Marie-Claire Raden und Pablo Moto Rodriguez wagten wir den Schritt und haben es nie bereut. Manchmal muss man im Leben eben dieses Quäntchen Mut und Glück vereinen, um weiter zu kommen und persönlich zu wachsen.

Ihr seid bei tectumedia auf die Beratung und Umsetzung von Online-Marketing Initiativen spezialisiert. Was bietet ihr genau an und wer sind eure Kunden?

Wir haben alle zusammen wertvolle Erfahrungen in großen Unternehmen sammeln können und dieses Know-How hilft tectumedia heute dabei, die verschiedensten Kunden adäquat zu beraten und operativ zu unterstützen. Unsere Agentur erarbeitet Online Marketing Strategien für Unternehmen in jeder Phase ihrer Entwicklung – ob neu am Markt oder gestandene Institutionen. Ist die optimale Strategie gefunden, so helfen wir bei der Entwicklung der Kampagnen durch Workshops und Coachings oder wir übernehmen gerne die operative Umsetzung. Unser erfahrenes Team besteht aus Media Experten, Marketing Managern, BI Analysten und Grafik Designern. Wir sind absolute Professionals in der Realisierung und Optimierung von Online Marketing Kampagnen. Von dem technischen Kampagnensetup über die Erstellung von Online Werbemitteln bis zur täglichen Kampagnen-Optimierung beherrschen wir die Kunst aller Online Marketing Kanäle.

Wie sieht dein Führungsstil aus und was ist dir in diesem Bereich besonders wichtig?

Ein Führungsstil ist immer etwas Gewachsenes. Das ist eine Erkenntnis, die man nicht hoch genug bewerten kann. Da ist wie bei vielen Dingen wohl noch kein Meister vom Himmel gefallen. Ich erlebe Mitarbeiterführung immer als dynamisch. Natürlich verfolge auch ich gewisse Prinzipien und achte darauf, gewisse Grundsätze wie das Fördern von eigenverantwortlichem Verhalten zu verinnerlichen. Ich versuche, individual auf Mitarbeiter einzugehen und wenn Fehler passieren, versuche ich langfristig zu denken. Aber jede Führungskraft weiß, dass auch der Führungsstil mit der Zeit gehen muss, was gestern noch angemessen erschien, gilt heute schon als unzeitgemäß. Und die Flexibilität, die ich von meinen Mitarbeitern verlange, fordere ich auch von mir selbst ein.

Du bist Working Mom. Wie schaffst du die Balance zwischen Beruf und Familie?

Durch Organisation. Ich bin im Laufe der Zeit ein Organisationstalent geworden, um alle Bereiche meines Lebens so aufzustellen, dass ich nicht ständig das Gefühl habe, etwas kommt zu kurz. Ich bin mir bewusst darüber, in einer privilegierten Situation zu sein, ich habe die Freiheit, mir alles einzuteilen, wie ich es brauche. Das war nicht immer so; es gab Zeiten, in denen ich Angst hatte, mir wächst alles über den Kopf und ich hatte Momente, in denen ich an mir zweifelte. Als berufstätige Mutter hat man wirklich zu tun, allen Erwartungen zu entsprechen und muss manchmal regelrecht übermenschliche Fähigkeiten an den Tag legen, um alle Bereiche abzudecken. Was mir geholfen hat ist die Einsicht, dass ich auch Zeit für mich brauche, um die Energie aufbringen zu können, eine Balance zu schaffen. All diese Erwartungen von außen und auch die verinnerlichten gesellschaftlichen Vorgaben können eine arbeitende Mutter überrollen und am Ende ist man nie genug. Diese gedankliche Falle gilt es zu überwinden. Nobody is perfect, auch ich nicht, aber ich gebe mein Bestes und mein Bestes ist eben gut genug.

Welchen Tipp würdest du Frauen geben, die auch gründen möchten?

Bereitet euch gut vor, wägt alle Punkte sorgsam ab und trefft eine Entscheidung. Ist diese getroffen, sollte man sehr schnell ans Netzwerken denken. Sucht euch eine Mentorin, einen Mentor, der euch die Richtung weisen und viele brauchbare Tipps geben kann. Habt Mut und Vertrauen in eure Fähigkeiten und kommuniziert sie an jeder denkbaren Stelle. Organisiert euren Alltag euren Bedürfnissen entsprechend und beutet euch nicht selbst bis zum Burn-Out aus. Nehmt von Zeit zu Zeit etwas Abstand und hört in euch hinein, was fehlt, was kann besser werden? Self Care ist immer auch Care für andere. Lasst euch nicht hineinreden, ihr wisst am besten, was gut für euch ist, hört auf eure Intuition.

Du bist in dem Netzwerk Mission Female aktiv. Was ist das Besondere für dich an diesem Netzwerk?

Ich bin Frederike Probert, der Gründerin des Netzwerkes sehr dankbar, dass sie sich aufmachte, unsere Kräfte zu bündeln und einen Austausch zu schaffen zwischen Frauen in leitenden Positionen. Und ich gebe ihr uneingeschränkt Recht wenn sie sagt, “Führungsfrauen aus Wirtschaft, Kultur und Politik sollten sich regelmäßig persönlich treffen, um sich aktiv auszutauschen. So können sie sich gegenseitig voranbringen.” Genau das ist das Besondere, diese Platform gibt uns die Möglichkeit, ein Gegengewicht zu schaffen zu allen anderen gesellschaftlichen Kräften, die sich unternehmerisch engagieren.

Wenn du dein Leben nochmal neu angehen könntest: Was würdest du anders machen?

Alles und nichts. Es ist müßig darüber nachzudenken, was wir vielleicht anders gemacht hätten und ob gewisse Entscheidungen richtig waren. Fakt ist, dass ich heute eine selbstständige und erfahrene Frau bin, die ich nicht geworden wäre, hätte ich nicht genau das Leben gelebt, welches meine Biografie ausweist. Sicher fragt man sich im Nachhinein, ob das ein oder andere Wort so gesagt werden musste oder ob manche Entscheidungen ohne eine bestimmte Emotionalität nicht auch anders hätten getroffen werden können. Und am Ende des Lebens bereut man bekannterweise immer die Dinge mehr, die man nicht gemacht hat, als die, die man erlebte.

Welche Herausforderungen stehen bei dir in den nächsten Monaten beruflich wie privat an?

Wir befinden uns zum Zeitpunkt des Interviews noch mitten in der Auseinandersetzung mit den substanziellen Veränderungen, die uns in 2020 beschert wurden. Es ist schwierig, in diesen Zeiten Ausblicke zu formulieren. Im Unternehmen sind wir alle daran zu erarbeiten, wie wir die kommenden Herausforderungen meistern können und ich bin leise zuversichtlich, dass wir uns behaupten können.

Zu guter Letzt: Hast du ein Motto, nach welchem du dein Leben gestaltest?

Nicht wirklich. Ich versuche einfach, flexibel zu bleiben im Geist. Ich lese gern und könnte sicher eine ganze Sammlung an Zitaten aufführen, die mich begleiten. Am Anfang meiner Karriere allerdings hatte ich oft den Spruch im Kopf: “Aus den Steinen, die dir in den Weg gelegt werden, kannst du etwas Schönes bauen.”

 

Weiterführende Links:

www.tectumedia.com

https://www.linkedin.com/in/danuta-florczyk-3615a219/

https://www.missionfemale.com/#mission

 

Titelbild: ©tectumedia GmbH

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