FI: Forgestellt & Inspiration

FORGESTELLT: Dorit Posdorf, Operating Partner bei NUCOM GROUP

9. Februar 2021

Dorit ist eine Frau, mit der man stundenlang über Gott und die Welt quatschen kann und bei lebhaftem Austausch die Zeit vergisst. Dabei ist man danach so inspiriert und voller Tatendrang, dass man sich am liebsten gleich wieder mit ihr verabreden möchte. Eine unheimlich positive, offene, ehrliche und authentische Person, die ihren Weg geht und dabei Frauen unterstützt. Warum ihr V/Fielfalt so wichtig ist und was es mit dem Almanach auf sich hat, lest ihr in diesem Interview. Großartig!

 

Liebe Dorit, womit startest du am liebsten deinen Tag?

Ich stehe gerne früh auf, so gegen 5:30 Uhr bin ich meistens wach. Morgens bin ich am produktivsten und daher ist das für mich die wichtigste Zeit des Tages. Ich hasse nichts mehr, als gehetzt in den Tag zu starten. Daher habe eine festgelegte Morgenroutine. Zuerst checke ich eine halbe Stunde Nachrichten online, und gehe dann meine To-Do Listen durch. Das sortiert und fokussiert meine Gedanken. Außerdem trage ich jeden Morgen etwas in meinen Almanach ein. Dieses Buch habe ich vor einigen Jahren geschenkt bekommen. Es zeigt auf zehn Jahre jeweils die gleichen Tage untereinander, sodass man auf einen Blick sieht, was habe ich heute vor einem Jahr, vor zwei Jahren etc. gemacht. Im Anschluss erledige die wichtigsten Tagesgeschäft-Fragen und starte dann ab ca. 9:30 mit Calls und Meetings. Ein, zwei, drei große Tassen Kaffee dürfen natürlich auch morgens nicht fehlen.

Was ist dir besonders wichtig im Leben?

Das Gefühl zu haben, meine Energie, Erfahrung und Wissen für Bewegung und Wandel einzusetzen. Mich beschäftigt, dass wir in Deutschland immer noch beim Thema Digitalisierung mit angezogener Handbremse fahren – das muss aufhören und dafür nutze ich den Gestaltungsraum, den ich habe und fokussiere mich auf digitale Business Modelle und setze mich für das Thema Datenkompetenz ein.

Zudem liegt mir das Thema Vielfalt am Herzen. Ich habe gerade in den vergangenen zwei Jahren gesehen, wie wichtig Vielfältigkeit und Selbständigkeit für Innovation und letztendlich Wachstum sind. In puncto Vielfalt sind wir in der Wirtschaft und in vielen Teilen der Gesellschaft noch nicht da, wo wir meiner Meinung nach sein sollten. Und so versuche ich in dem Bereich, in dem ich Dinge ansprechen, anpacken und anpassen kann, das auch zu tun.

Du bist aktuell Operating Partner Marketing bei der NUCOM GROUP. Was machst du dort?

Als Teil von ProSiebenSat.1 Media bündelt die NUCOM GROUP eine Vielzahl von Investmentbeteiligungen, zu denen u.a. Amorelie, Flaconi, Verivox, MyDays und Stylight gehören. Als Operating Partner Marketing bin ich Sparringspartner für die Management Teams der Beteiligungsgesellschaften, wenn es um strategische sowie operative Themen im Bereich Marketing geht.

Wie bist du zu deiner heutigen Position gekommen und wie sahen deine beruflichen Schritte davor aus?

Von Hause aus bin ich Strategieberaterin. Nach dem BWL Studium bin ich zu Roland Berger gegangen und war dort über eine Dekade tätig, zuletzt als Principal im Bereich Marketing & Sales MENA. Diese Jahre haben den Grundstein meiner Ausbildung gelegt und ich profitiere noch heute von Erfahrungen wie Strategieplanung, Projekt & Stakeholder-Management und analytischem Denken, die ich aus dieser Zeit mitgenommen habe.

Aus privaten Gründen bin ich 2014 nach NRW in meine Heimat zurückgekehrt. Und habe vier Jahre bei C&A, einem Big Player der deutschen Bekleidungsindustrie, als Head of Consumer Insights & Analytics gearbeitet. Projekte und Themen drehten sich dort um die datengestützte Transformation des Unternehmens wie beispielsweise Digital Analytics und Marketing Mix Modelling.

2018 wollte ich in ein Unternehmen, das sein Geschäftsmodell auf E-Commerce und KI aufbaut und so bin ich mit Outfittery ins Gespräch gekommen. Dort war ich die vergangenen zwei Jahre Chief Marketing & Sales Officer und habe mich um die Operations sowie die Weiterentwicklung von Customer Experience und Plattform gekümmert. Die Themen Direct-to-Consumer Business sowie Marketing haben mich dann zur NUCOM Group geführt.

Hast du einen bestimmten Leitsatz in puncto Führung?

Nein, den einen Leitsatz habe ich nicht. Stattdessen? Aber was ist dir wichtig?

Aus unseren bisherigen Gesprächen weiß ich, dass dir Haltung und Sichtbarkeit wichtig sind, warum ist das so?

Im Moment fühlt es sich manchmal so an, dass vor allem extreme Stimmen sehr laut werden und entsprechend viel Gehör bzw. Air Time bekommen. Für mich bedeutet Demokratie der Diskurs aller und nicht die Polemik weniger. Daher finde ich es wichtig, sich eine Meinung zu bilden, in den Dialog zu treten und damit einen Beitrag zu leisten. Viele Leute sind, glaube ich, heute von der Komplexität und der Größe der Themen abgeschreckt und machen lieber nichts, als etwas falsch zu machen. Das führt leider zu Stillstand und Bestandswahrung und nicht zu dem Wandel, den wir brauchen. Daher folge ich dem Motto: Machen ist wie Wollen nur krasser!

Auch Kulturarbeit und Arbeit mit verschiedenen Generationen ist ein Thema für dich. Wie gehst du dies an?

Kultur ist ein sehr großes Wort. Ich lege für mich Kultur als einen Kodex für den „Umgang miteinander“ aus. Dieser ist gesellschaftlich genauso zentral wie unternehmerisch. Die Unternehmenskultur in den Mittelpunkt zu rücken und sie zu gestalten, zu kommunizieren und zu leben ist aus meiner Sicht zunehmend wichtig für den Erfolg eines Unternehmens. Und damit meine ich nicht 3, 4, 5 Unternehmenswerte auf Plakate zu schreiben, sie im Unternehmen auf die Flure zu hängen und die Mitarbeiter „Werte Workshops“ machen zu lassen! Gerade in einer Zeit, wo wir zunehmend von unseren Teams, unseren Mitarbeitern und Vorgesetzten getrennt sind, ist es wichtig, die Unternehmenskultur als integrale Verhaltensbausteine zu leben.

Und ja, wir alle werden jeden Tag einen Tag älter und nichts wird das stoppen. Es betrübt mich zutiefst, wenn ich Leute vom Generationenkonflikt reden höre. Wenn Kollegen, die Mitte 40 sind die Jungen nicht mehr verstehen und alle über 49 keine offizielle Zielgruppe mehr sind. Auch hier glaube ich fest an ein Mehr an „Miteinander Füreinander“. Da kann wirklich jeder was machen!

Wo trifft man dich am ehesten in deiner Freizeit an?

Aktuell eine schwierige Frage. In der momentanen Situation mit Corona bin ich meistens daheim und weniger aktiv als in der Vergangenheit. Wir haben mittlerweile eine „Walkers Group Berlin“, wo wir uns abends oder am Wochenende zum Spazierengehen und Quatschen verabreden. Sonst fällt einem ja auch irgendwann die Decke auf den Kopf. Vor Corona hätte ich gesagt: du triffst mich am Wochenende in einem der vielen netten Cafés in Berlin mit einem Podcast auf den Ohren oder einem Buch in der Hand.

Was würdest du Frauen raten, die auch so eine tolle Karriere wie du sie hast anstreben?

Ich würde jedem raten, sich genau zu überlegen, was sie beitragen wollen und in welchem Umfeld sie sich wirklich wohl fühlen. Es bringt nichts zu sagen, ich will zu Unternehmen XY, wenn die Kultur dort nicht passt. Man sollte ehrlich zu sich sein und nicht denken: ALLE finden dieses oder jenes toll, daher muss es ja auch etwas für mich sein. Man ist nur gut, wenn man mit Herzblut bei der Sache ist.

Zudem ist es wichtig, mutig zu sein, aus seiner Komfortzone herauszugehen und sich Zeit für Reflektion zu nehmen. Und ich habe super Erfahrungen mit Mentoren-Mentee-Beziehungen gemacht. Man nimmt immer etwas mit und gemeinsam schafft man die meisten Sachen im Leben leichter!

 

 

Weiterführende Links:

https://www.linkedin.com/in/dorit-posdorf/

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