FI: Forgestellt & Inspiration

FORGESTELLT: Dr. Catharina Retzke-Heinzelmann, Head of HR Freelance Management / Senior Legal Counsel bei ProSiebenSat.1 Media SE und Mitglied von Mission Female

10. Mai 2021

Ich finde es immer wieder beeindruckend, wie manche Frauen ihren Weg gehen, berufliche und private Passionen unter einen Hut bekommen und so bei viel Stärke auch ganz viel Authentizität ausstrahlen. Catharina ist in diesem Kontext meines Erachtens ein Paradebeispiel. Was ihr an Jura und an ihrem Job gefällt, wieso sie als arbeitende Mutter natürlich zurückstecken muss und warum sie nicht nur ein Buch für den beruflichen Kontext empfiehlt, lest ihr in diesem Portrait.

 

Liebe Catharina, ohne welche fünf Gegenstände verlässt du niemals das Haus?

Schlüssel, Handy, Geldbeutel, Schal/Tuch und Halsbonbons (mich frierts immer am Hals und dann kratzt es ganz schnell im Hals…)

Welche deiner Charaktereigenschaften hat dich bisher beruflich wie privat am meisten weitergebracht?

Gelassenheit und Humor. Oder als Kurz-Lebensweisheit zusammengefasst: Wer weiß, wofür es gut ist (eigentlich alles, insbesondere aber auch Niederlagen oder Sachen, die nicht so laufen, wie man es sich gewünscht hat) – und es kommt ohnehin immer anders als man denkt (wie wir im letzten Jahr ja sehr krass gelernt haben).

Du bist Head of HR Freelance Management / Senior Legal Counsel bei ProSiebenSat.1 Media SE. Mit welchen Aufgaben und Verantwortungsbereichen hast du in deinem Job zu tun?

Mein Job ist derzeit zweigeteilt: Als Head of HR Freelance Management kümmere ich mich mit meinem Team um die freien Mitarbeiter (Freelancer) in der ProSiebenSat.1 Group, wir beraten die Fachbereiche und verhandeln die entsprechenden Verträge. Darüber hinaus bin ich in der Rechtsabteilung noch im Bereich Entertainment (insbesondere im Hinblick auf Vermarktungsthemen) tätig. Insgesamt also extrem vielfältig und spannend.

Wie bist du zu dieser Position gekommen und wie sah deine Karriere davor aus?

Während meiner Promotion in Berlin habe ich nebenher in einer Kanzlei und einer Stiftung gearbeitet – danach den Einstieg als Unternehmensjuristin bekommen. Das ist für mich ideal: Als Juristin im Unternehmen ist man sehr nah am Business, berät die Fachbereiche und kann im Idealfall viel mitgestalten. Ich habe in einem kleineren Medienkonzern begonnen, war dort zuletzt stellvertretende Leiterin der Rechtsabteilung. Seit knapp sieben Jahren bin ich bei ProSiebenSat.1, dort als Senior Legal Counsel. Als mich Anfang letzten Jahres eine Kollegin fragte, ob ich sie während ihrer Elternzeit als Head of HR Freelance Management vertrete, habe ich gerne zugesagt. Ich lerne gerne dazu und entwickle mich fort – dass das vom Unternehmen unterstützt wurde, fand ich auch sehr positiv.

Würdest du deinen Werdegang erneut so angehen, wenn du nochmal ganz von vorne starten könntest?

Ich schaue lieber nach vorne – im Nachhinein zu sagen, dass man etwas anders gemacht hätte, entspricht nicht meinem Lebensmotto (siehe oben). Man trifft ja Entscheidungen in der Regel in dem Moment durchdacht und überlegt – dass das Leben sein eigenes Drehbuch schreibt, gehört dazu. Und im Zweifel ist es so, wie es gekommen ist, dann auch gut.

Jura wird generell als sehr trocken angesehen. Was begeistert dich daran?

Jura und ich: Das war eher Liebe auf den dritten oder vierten Blick. Ich war nie ein echter Jura-Nerd, habe im Laufe des Studiums über diverse Praktika versucht herauszufinden, was mir liegt und da bin ich schließlich beim Medienrecht gelandet. Generell glaube ich, dass man in jedem Studienfach oder bei jeder Ausbildung Bereiche finden, die einem Spaß machen. An Jura gefällt mir, dass man strukturiert arbeitet und viel mit Sprache zu tun hat: Man muss sich in einem Vertrag klar ausdrücken, damit man wirklich das regelt, was beide Parteien wollen. Außerdem verhandele ich wahnsinnig gerne: Verschiedene Positionen auf einen Nenner zu bringen, dass alle Beteiligten zufrieden sind, ist immer wieder spannend und neu und jede Konstellation ist anders.

Was glaubst du schätzt dein Team besonders an deinem Führungsstil?

Das letzte Jahr war ja für alle eine Herausforderung, das Team von Beginn an aus dem Homeoffice zu führen eine komplett neue Erfahrung. Kommunikation ist für mich das Wichtigste, ich bin immer ansprechbar und habe ein offenes Ohr. Ich entscheide klar und meine MitarbeiterInnen können sich immer darauf verlassen, dass ich zu meinem Wort stehe. Das haben die KollegInnen jetzt in dieser schwierigen Zeit, in der wir uns fast nicht persönlich getroffen haben, gespürt und wir arbeiten sehr vertrauensvoll und auch weiterhin effektiv zusammen.

Wie findest du eine gute Balance zwischen Beruflichem und Privatem?

Ich könnte jetzt was von Yoga und Achtsamkeitstraining erzählen – die Wahrheit ist viel profaner: Als in Vollzeit arbeitende Mutter mit zwei Schulkindern muss man immer schauen, wo eine Lücke für einen selbst bleibt. Ich habe das große Glück, einen Mann zu haben, der ein echter Partner ist – wir schauen immer, dass wir uns unsere Freiräume gegenseitig möglich machen und auch Zeit für uns als Paar rausschlagen. Ich versuche Sport zu machen, versuche mich mit meinen Freundinnen zu treffen, versuche Bücher zu lesen  – klappt halt leider nicht immer.

Welche beruflichen und / oder privaten Ziele möchtest du in den kommenden Monaten angehen?

Derzeit habe ich das Gefühl, dass alle (und auch ich!) im Durchhaltemodus sind, ich hoffe, dass sich das in den nächsten Wochen und Monaten immer mehr bessert und dass ich dann Freiheit im Kopf habe, um mir weiterhin meine Herausforderungen zu suchen.

Du bist Mitglied bei Mission Female. Was macht für dich dieses Netzwerk besonders?

Als ich zu Mission Female kam, hatte ich gerade das Gefühl, dass viele tolle Führungsfrauen die Unternehmen verlassen und die Debatten (insbesondere im Business-Kontext) von alten weißen Männern bestimmt werden – ich habe mir gedacht, es muss doch da draußen irgendwo erfolgreiche Frauen geben, mit denen man sich austauschen kann – Netzwerke wie die mir sehr bekannten Old Boys Networks, bei denen sich die Herren der Schöpfung permanent die coolen Jobs gegenseitig zuschieben. Sowas in der Art habe ich jetzt bei Mission Female gefunden: Wir teilen Erfahrungen und Wissen, helfen und unterstützen uns, es ist ein absolut vertrauensvolles Miteinander, was mir sehr gut gefällt.

Zu guter Letzt: Hast du (eine) Buchempfehlung(en) für unsere LeserInnen?

Für Business Frauen: Natürlich Frederike Proberts: Mission Female. Frauen. Macht.Karriere.

Ansonsten: Ich koche seit letztem Frühjahr so viel wie nie zuvor, zu Weihnachten habe ich ein wunderbares indisches Kochbuch bekommen, das ich sehr empfehlen kann: Meera Sodha: Original indisch. Das indische Festmahl, das ich daraus an Silvester gekocht habe, ist sehr gut angekommen.

 

Weiterführende Links:

https://www.linkedin.com/in/dr-catharina-retzke-heinzelmann-314a286b/

https://www.missionfemale.com/#mission

 

Titelbild: ©privat

 

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