FI: Forgestellt & Inspiration

FORGESTELLT: Dr. Simone Burel, Gründerin der LUB GmbH, Autorin, Beirätin & Business Angel

27. Oktober 2020

Was haben eine promovierte Linguistin, Female Leadership, Diversity und Unternehmertum gemeinsam?! Alle sind mit Dr. Simone Burel verknüpft, die ihr Wissen und ihre Ideen in grandiosen Projekten umsetzt. Sie spricht meine Herzensthemen an, weswegen ich ihre Arbeit einfach klasse finde. Bitte mehr davon!

 

Liebe Simone, wann ist ein Tag für dich beruflich wie privat gelungen?

Ein gelungener beruflicher Tag beginnt mit einem starken Espresso und einem motivierenden Morgen-Austausch im Team und endet natürlich mit viel geschaffter Arbeit. Vor allem ist so ein Tag dann gelungen, wenn wir für unsere Kund*innen persönlich und beruflich Mehrwert schaffen können.

Dementsprechend habe ich mich sehr gefreut, als vor einer Woche die ersten Teilnehmerinnen unser FATALE University mit Bravour das Micro Master FATALE-Programm abgeschlossen haben. Es macht einfach Freude zu sehen, dass unsere Arbeit einen Impact hat und dass wir Frauen und Männer darin ermutigen können, selbstbewusst ihre beruflichen Ziele zu verfolgen.

Eine tolle Wanderroute und ein paar Katzen am Wegesrand sind auch nie verkehrt.

Welche drei Eigenschaften haben dich zu dem Menschen gemacht, der du heute bist?

Die wichtigsten Eigenschaften sind wahrscheinlich mein Ehrgeiz, meine Resilienz und meine «einfach-machen»-Einstellung. Mein Ehrgeiz und meine «einfach-machen»-Einstellung sind, das was mich antreibt und was mir unter anderem den Mut gegeben hat, LUB zu gründen, die erste linguistische Unternehmensberatung in Deutschland! Was einerseits wie ein Werbeslogan klingen mag, ist zugleich ein echtes Statement für Veränderung gewesen und ich habe zu Beginn nicht gerade wenig Gegenwind bekommen! Und hier greift dann die Resilienz: Eine linguistische Unternehmensberatung – das ist unkonventionell. Unkonventionell für die klassische Beratungswelt und wiederum auch nicht klassisch wissenschaftlich-universitär. Ohne eine gute Portion Ehrgeiz, Resilienz und den Drang «einfach zu machen» hätte das nicht funktioniert.

Du bist promovierte Linguistin, Gründerin, daneben auch noch Podcasterin. Was ist deine liebste Rolle und wieso?

Das hängt tatsächlich sehr stark von der Situation ab. Ich schätze die Abwechslung eigentlich sehr – ich liebe es mein wissenschaftliches Know-How praktisch anzuwenden oder im Austausch mit Jan Roskosch in unserem Podcast Entrepreneur Infernale über die Welt der Beratung und Unternehmensführung mit einem Augenzwinkern zu philosophieren. Zugleich ist es manchmal ganz schön, sich einfach eine Weile zurückziehen zu können und an einem Buch zu arbeiten. Ihr mögt es kaum glauben, aber ich bin eigentlich eine eher introvertierte Person und die Ruhe mit meinen eigenen Gedanken schätze ich deshalb auch sehr.

Du hast 2015 die LUB GmbH gegründet. Wie kam es dazu und was steckt hinter LUB?

Die Themen Sprache und Gleichstellung haben mich schon seit meiner Schulzeit interessiert. Nach meinem Germanistik- und Anglistik-Studium und der nachfolgenden Promotion über die Sprache der DAX-30-Unternehmen, wollte ich der Welt zeigen, dass Linguistinnen auch in traditionell männlichen Domänen erfolgreich sein können und fing deshalb bei einem klassischen Finanzdienstleister als Kommunikateurin an. Ich merkte ganz schnell, dass das überhaupt nicht meine Welt war und völlig meinem Naturell und meiner Arbeitsethik entsprach. Ich befand mich damals in einem sehr konservativen, hierarchischen und eher toxischen Arbeitsumfeld und das ganze endete für mich letztlich in einem Burnout.

Für mich bedeutete diese Situation nicht nur das Ende des Arbeitsverhältnisses, sondern zugleich, dass ich in der Suche nach einem neuen Job wieder ganz von vorne anfangen musste. In dieser Zeit überlegte ich mir, was und vor allem wie ich eigentlich arbeiten wollte, was dazu führte, dass ich mein eigenes Unternehmen gründete. Ich habe LUB GmbH – Linguistische Unternehmensberatung als wissenschaftliches Spin-Off auf Basis meiner Dissertation über die Sprache der DAX-Unternehmen gegründet. LUBs Mission ist es, wissenschaftliche Erkenntnisse aus der Linguistik freizulegen, um das gegenseitige Verstehen von Menschen in Organisationen nachhaltig zu verbessern. Das heißt hinter LUB steckt letztlich die angewandte Verknüpfung von Wirtschaft und linguistischer Praxis.

Damit dir nicht langweilig wird, hast du 2017 dr.fem.FATALE gegründet. Was genau steckt dahinter?

Genau, 2017 gründeten wir dr.fem.FATALE als Submarke der LUB für den Bereich Personal Gender Equality, Female Empowerment & Diversity. Als Unternehmerin möchte ich vor allem für jetzige und zukünftige weibliche Generationen ein gutes Vorbild sein. Die Submarke dr.fem.FATALE soll vor allem ambitionierte Frauen in der Arbeitswelt erreichen. Female Leadership muss bedeuten, dass Frauen genauso selbstbewusst und selbstverständlich wie Männer ihr Potenzial und ihre beruflichen Erfolge in Unternehmen einbringen. Daher bin ich auch Beirätin bei Baden-Württemberg International und bei Spenoki, Business Angel für Spin-Offs sowie Mentorin an verschiednen Universitäten. Gute Führung braucht kein Ego – diese Sichtweise fällt Frauen leichter. Alle Menschen in einem und um ein Unternehmen sind wertvolle Sprachteilnehmende, mit denen Beziehungen entwickelt und gepflegt werden müssen, um nachhaltig Erfolg, Nähe und Leistungsmotivation zu erzielen.

Aus diesem Ansatz ist mittlerweile eine starke Eigenmarke erwachsen, die neben gezielten Workshops, Vorträgen und Coachings auch eine breitere Masse für die Themen Gender und Diversity sensibilisieren soll. Hierfür haben wir beispielsweise Anfang dieses Jahres kurze Videoclips gedreht und auf YouTube frei verfügbar hochgeladen, die unter anderem die Frage danach, weshalb gendergerechte Sprache wichtig ist und wieso Diversity auch ökonomisch sinnvoll ist, aufgreifen.

 

Ein Projekt von dr.fem.FATALE ist die FATALE University. Was hat es damit auf sich?

Im Mai diesen Jahres haben wir dann unsere FATALE University «gelauncht», unsere digitale Akademie für Female Leadership und Empowerment, die unsere Erfahrungen aus Beratung, Coachings und Workshops mit psychologischen und linguistischen Erkenntnissen verbindet. In gewisser Weise der ideale Mix aus fundierter Wissenschaft und praktisch erprobten Erfahrungen.

Die FATALE University ist ein digitales Karrierecoaching für Einsteigerinnen (im Micro Bachelor FATALE) sowie für bereits Karriere-erfahrene Frauen (im Micro Master FATALE), die sich beruflich noch weiter entwickeln wollen. Es gibt derzeit noch zu viele Frauen, die beruflich hinter ihren Möglichkeiten zurückbleiben – das wollen wir ändern! Gerade bei Frauen, die im Hochschul- und Wissenschaftskontext arbeiten, sind wir hier sehr gefragt.

Viele Frauen landen aufgrund ungerechter Behandlung und geschlechtsbezogener Vorurteile in Karrieresackgassen. Darüber hinaus fühlen sich viele mit geschlechtsbezogenen Vorurteilen konfrontiert oder begegnen neben strukturellen auch persönlichen Karrierehürden, die mit der eigenen Sichtbarkeit, dem eigenen Mindset oder dem eigenen Auftreten zusammenhängen.

Die FATALE University setzt an den limitierenden Sprach-, Denk- und Handlungsmustern an, die Frauen bei einer gleichberechtigten Karriere im Weg stehen und nutzt ein multimediales Lernkonzept, bestehend aus Lernvideos, Life-Calls und einem Peer-Mentoring-Netzwerk, um gemeinsam Karrierehürden und Sackgassen zu überwinden.

Was sind deine wichtigsten Learnings als Unternehmerin?

Eines der wichtigsten Dinge, dich ich als Unternehmerin gelernt habe, habe ich in meiner Rolle als Führungskraft und vor allem im Kontrast zu meinem eigenen vorhergehenden Angestelltenverhältnis gelernt. Partizipative Führung ist zentral, um als Unternehmen nachhaltig und langfristig erfolgreich zu agieren. Führung bedeutet immer, zugleich ein gemeinsamer Austausch, gemeinsam Lösungen und Ideen entwickeln und ein sich gegenseitig Feedback geben und ermutigen. Das kreiert ein motiviertes Team und spiegelt sich letztlich auch ökonomisch wider, da es Freiraum schafft, innovative und kreative Lösungen anzubringen. Ich halte sehr wenig von autoritärer „Ein-Mann-Leadership“ und sehe den Mehrwert in der Zusammenarbeit zwischen Expertinnen und Experten jeder Altersgruppe und jedes Geschlechts.

Unternehmen müssen sich transformieren und ihre digitalen Chancen nutzen. Wo siehst du hier die wichtigsten Anknüpfungspunkte?

Die Digitalisierung bietet die Chance, Führung und die Verteilung von (Lebens-)Arbeit neu zu organisieren. Fast alle Unternehmen haben seit Jahrzehnten unverändert auf die immer gleiche Führungsriege aus Männern ähnlichen Alters, Herkunft und Ausbildung gesetzt. Digitalisierung als Symptom von Arbeit 4.0 ermöglicht mehr soziale Mobilität, wodurch Frauen in Führungspositionen kommen oder Unternehmen gründen.

Digitale Technologien bieten die Möglichkeit, Geschlechterverhältnisse neu zu verhandeln. Mithilfe unserer KI-Software analysieren wir beispielsweise in Stellenanzeigen, welche Wörter, Strukturen und Bilder Frauen in Stellenausschreibungen anziehen oder abschrecken. Ein Großteil der Wörter und Bilder innerhalb der HR-Kommunikation ist männlich und sorgt für einen enormen Gender Bias. In einer modernen Arbeitsgesellschaft können nicht weiterhin 50% der Talente benachteiligt werden.

Unser Arbeitsmodus funktioniert übrigens auch nur digital – die Hälfte des zehnköpfigen Teams arbeitet virtuell oder von zu Hause aus; auch unsere No-Print-Policy aus Umweltgründen können wir außerdem digital fabelhaft umsetzen.

Female Leadership ist dir ein besonderes Anliegen. Was müssen Unternehmen in diesem Zusammenhang im Zuge der vorherigen angesprochenen Transformation angehen?

Obwohl DAX-notierte Unternehmen seit 2015 gesetzlich dazu verpflichtet sind, Zielgrößen zur Steigerung des Frauenanteils festzulegen, geben viele Unternehmen weiterhin die Zielgröße Null an, also null Frauen im Vorstand. Dieser Zustand ist allerdings weder auf eine mangelnde Ausbildung noch auf fehlende Qualifikationen der Frauen zurückzuführen, die international gesehen sogar besser in ihrer Ausbildung abschneiden, sondern auf eine systematische Unterschätzung bzw. Fehleinschätzung weiblicher Führungsqualitäten: aus struktureller Sicht, aber auch aus individueller Sicht. Sprich: Frauen werden vom System ausgeschlossen, unterschätzen ihre Führungsqualitäten jedoch auch selbst. Dies ist ein reziproker Prozess, bei dem sich beide Seiten gegenseitig beeinflussen.

Wir brauchen dringend Anreize, mehr Frauen in Führungspositionen zu bewegen, was die KPMG Women’s Leadership Study unterstreicht: Leadership muss als greifbarer Skill behandelt und möglichst früh ins Leben von jungen Frauen sozialisiert werden. Es braucht Zugang zu IT, Bildung & männerdominierten Berufen und eine Kombination von „soft rewards“ (z.B. persönliches Feedback) und „hard rewards“ (z.B. Beförderungen). Neben dem Gerechtigkeitsargument hat dies auch volkswirtschaftliche Vorteile: Aktienkurse von Firmen in Relation zum Frauenanteil im Vorstand sind steigend und die weiblich geführten Unternehmen wirtschaften nachhaltiger. Beteiligung von Frauen und diverse Teams verschieben Machtverhältnisse und fördern dadurch die Produktivität.

Wo haben in Bezug auf Female Leadership wir Frauen Nachholbedarf?

Frauen treten zudem im Vergleich zu ihren männlichen Kollegen in der Regel defensiver auf. Das spiegelt sich in gedanklichen Mustern, ihrer Sprache und letztlich in ihrem Handeln wider. Symptomatisch zeigt sich dies darin, dass Frauen weniger Gehalt verlangen, defensiver verhandeln, weniger nach Aufstiegschancen fragen, weniger in Präsentationen oder Meetings das Wort ergreifen, auch weniger Sprechzeit insgesamt haben oder sich unterbrechen lassen – das sehen wir nicht nur in Studien, sondern auch in der Beratung.

Schauen wir ins Private zeigt sich auch hier, dass weibliche Führungskräfte beispielsweise immer noch mehr Hausarbeit übernehmen als männliche. Klassische Rollenbilder sind weiterhin nicht aus den Köpfen verschwunden und für 56% der befragten Führungskräfte ein Hindernis für Frauen in Führungspositionen, zeigte der HR-Report 2016 – das war vor vier Jahren. Viele Frauen neigen aber auch dazu, sich aufgrund eines späteren Kinderwunsches früher als nötig aus dem Beruf zurückzuziehen, als es eigentlich nötig wäre. Dies sind jedoch vorauseilende Annahmen, die hinterfragt und offen angesprochen werden müssen. Nur weil ich ein Kind habe, heißt das nicht, dass ich einen Job nicht machen kann; möglicherweise muss ich besseres Bereichsmanagement betreiben, also die Aufteilung verschiedener Lebensbereiche und meiner Arbeitsgeschwindigkeit. Chaos-Kompetenz und eine hohe Arbeitsgeschwindigkeit sind übrigens wichtige Skills, die das Kieler Institut für Weltwirtschaft Müttern bescheinigt und vom Arbeitsmarkt dringend anerkannt werden sollten.

Wenn du nicht deine Ideen umsetzt: Wo können wir dich privat antreffen?

Privat könnt ihr mich wohl am ehesten in unserer Wohnung mit einer guten Lektüre und einem besonders starken Espresso in der Hand auf unserem Balkon antreffen. Mich selbst weiterzubilden und Sprache und gedankliches Gut mitzunehmen fasziniert mich immer noch – nicht umsonst habe ich mich der Linguistik verschrieben.

Zu guter Letzt: Hast du ein Motto, nach dem du lebst?

«Sprache ist ein Instrument, manchmal sogar eine Waffe». Sprache schafft letztlich Realität. Die Begeisterung für menschliche Sprache und deren Einfluss auf unser Denken, Fühlen, Handeln und somit auf unsere Lebensrealität ist nicht nur, was mich in meinem Linguistik-Studium, der nachfolgenden Promotion und der Gründung von LUB und dr.fem.FATALE angetrieben hat. Und es ist diese sprachliche «Waffe» deren Nutzung gesellschaftlich Veränderungen anstößt.

 

Weiterführende Links:

Website: https://drfemfatale.de/

Mehr Infos zur FATALE University: http://drfemfatale.de/university/

YouTube: https://www.youtube.com/user/mone2656

LinkedIn: https://gh.linkedin.com/company/dr-fem-fatale

Instagram: https://www.instagram.com/drfemfatale/?hl=de

Facebook: https://www.facebook.com/drfemfatale/

Podcast: https://podcasts.apple.com/us/podcast/entrepreneur-infernale-podcast/id1505093852

 

Bilder: ©LUB GmbH

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