FI: Forgestellt & Inspiration

FORGESTELLT: Eva Reitenbach, Managing Director bei oddity und Mitglied bei Mission Female

7. Juli 2020

Unsere Kooperation mit dem Netzwerk Mission Female geht weiter: Diesmal mit Eva Reitenbach von oddity. Wieso sie für Ehrlichkeit in der Werbung ist, warum sie zu den 100 Köpfen ihrer Branche gehört und weshalb sie auch manchmal gerne Besserwisserin ist, verrät sie uns in diesem Gespräch.

 

Liebe Eva, welche deiner Eigenschaften haben dich bisher im Leben (privat wie beruflich) am meisten weitergebracht?

Meine Hartnäckigkeit, nicht so schnell aufzugeben. Ich liebe es, Neues zu entdecken und in manchen Bereichen liebe ich Veränderung geradezu. Das war aber nicht immer so und musste ich erst lernen. Es hilft mir aber heute enorm, in einer Welt, die immer schneller und digitaler wird und in der unerwartete Krisen alles in Frage stellen können.

Und welche Eigenschaften schätzt du besonders an anderen?

Geduld mit sich selbst und anderen. Ehrlichkeit und den Mut zu sagen, wie die Welt wirklich aussieht. Ich glaube nicht an starre Rollenbilder, sondern an proaktive Kreativität und Eigenverantwortung.

Du bist seit mehr als sieben Jahren bei oddity, seit etwas mehr als fünf Jahren in der Geschäftsführung. Wie ist es dazu gekommen und wie sahen deine beruflichen Meilensteine davor aus?

Ich war schon immer im Zwiespalt zwischen Kreation und Strategie. Deshalb habe ich mich vor 16 Jahren kurzfristig für ein klassischeres Studium (Marketingkommunikation), statt für Kunst entschieden. So ging es auch erstmal weiter, ich startete als Texter und Kreativkonzepter bei Jung von Matt, war erstmal in klassischen Umfeldern unterwegs, bis mir bewusst wurde, wie wichtig Digitalität werden wird. Zeitgleich habe ich auch angefangen, mich mit der strategischen Seite der Dinge zu befassen. Den letzten Schritt in die digitale Welt habe ich zu oddity gemacht, die eine rein digitale DNA haben. oddity ist schon damals unglaublich schnell gewachsen, damit auch das Angebot von oddity und so war mein Job eigentlich jeden Tag ein neuer. Seit Dezember 2013 habe ich mich also keinen Tag gelangweilt und spiele immer wieder außerhalb meiner Komfortzone. Das ist übrigens auch mein „Geheimtipp“ für schnelles Wachstum.

Hast du darauf hingearbeitet, in die Geschäftsführung zu kommen oder war dies eher Zufall?

Nein, und auch ein Sprung ins eiskalte Wasser. Trotzdem will ich diese Zeit nicht missen, denn ich habe unglaublich viel gelernt, was ich, hoffentlich, heute weitergeben kann, um neue Führungskräfte und Talente zu entwickeln. Ich weiß heute auf jeden Fall, wie viel Weisheit in dem Satz „Be water, my friend“ steckt.

Was ist dir in Bezug auf Führung wichtig?

Ich möchte Freiraum geben, aber fordere dafür auch Eigenverantwortung und Ehrlichkeit ein. Denn nur so kann ich darauf reagieren und notwendige Rahmenbedingungen bauen. Wenn jemand mehr zu einem Thema weiß als ich, dann freue ich mich, denn dann habe ich mein Ziel erreicht. Denn wir kommen nur mit Menschen weiter, die nach Weiterentwicklung streben.

Was bietet ihr bei oddity genau an und was hebt euch von euren Wettbewerbern ab?

Vor allem beschäftigen wir uns in meinen Teams mit Kommunikation und Markenführung, die aus einer digitalen Sichtweise heraus gedacht sind. Außerdem sind wir aber auch sehr gut darin, E-Commerce-Ökosysteme und Consumer Engagement aufzubauen und zu optimieren. Das machen wir vor allem für Consumer Brands wie zum Beispiel Disney, Ritter Sport, Kärcher und Krombacher.

Wir haben keine pauschalen Modelle, die wir auf unsere Kunden münzen, sondern wir entwickeln uns mit jedem Kunden neu und weiter. Diese Agilität zusammen mit stark kollaborativen Prozessen zwischen uns und dem Unternehmen, von der Strategie bis hin zur Umsetzung, machen eine besondere Mischung aus. So habe ich mir zumindest sagen lassen. Und: Wir haben ein wirklich tolles Team mit außergewöhnlichen Talenten.

Du plädierst für Ehrlichkeit in der Werbung. Warum ist dies so wichtig?

Weil Werbung so viel lügt und abschaut und vor allem: wenig zuhört. Und damit ist sie oft selbstgefällig, statt wirklich ansprechend. Deshalb verwende ich dieses Wort auch nur ungern, sondern sage lieber Kommunikation. Kommunikation bezieht immer das Gegenüber mit ein und versucht die richtige Brücke zwischen dem eigenen Angebot und den tatsächlichen Bedürfnissen von Menschen zu finden. Hier müssen wir sehr genau betrachten, was gerade geschieht. Wenn ich als Zwanzigjähriger mich viele Stunden täglich auf Social Media aufhalte, wo ich ungefiltert und hässlich real mit echten Inhalten in Berührung komme, ändert das unweigerlich mein Bild von Kommunikation. Und gerade in Zeiten von Corona merkt man eine noch stärkere Verlagerung hin zu dem Wunsch nach Transparenz und Ehrlichkeit.

In der Werbebranche herrscht ein unheimlich kompetitives Umfeld. Wie erlebst du dies und wie gehst du damit um?

Im Umfeld der Kommunikation und der Digitalisierung gibt es inzwischen für alles Spezialanbieter und sowieso ganz viele Generalisten. Wir laufen nicht jedem Trend hinterher oder versuchen auch nicht Felder zu erobern, die andere viel besser beherrschen als wir, sondern versuchen vor allem, das Angebot von oddity mit den Menschen, die wir haben und ihren spezifischen Stärken, sowie den Bedürfnissen unserer Kunden weiterzuentwickeln. Selten ist es so, dass ein Kunde nur mit einem Partner arbeitet und ich freue mich, wenn die anderen Dienstleister keine Energie auf Wettbewerb verschwenden, sondern auf die Entwicklung eines guten Endprodukts. Dafür bieten wir spezielle Prozesse an, die diese Kollaboration fördern können.

Du wurdest von dem Magazin W&V unter die 100 Köpfe deiner Branche gewählt. Wie schaffst du es, nach all den Jahren immer noch so kreativ zu sein?

Ich wurde nicht als Kreative ausgezeichnet, sondern man hat mir vor allem das Wort disruptiv angehangen. Und diesen Preis nehme ich sehr gerne an, wurde ich doch Zeit meines Lebens als Besserwisser bezeichnet :). Und wie bleibe ich disruptiv? Ich konsumiere sehr viel Wissen, das uns an so vielen Stellen zur Verfügung steht und hinterfrage so gut wie alles, das mir vorgesetzt wird. Neuerdings bin ich Fan von Podcasts geworden und schließe mich damit vielen Menschen an, die das Medium auch erst jetzt entdecken.

Was würdest du Frauen raten, die auch in der Werbebranche Karriere machen möchten?

Berufs- oder Quereinsteigern würde ich raten, so früh und breitgefächert wie möglich Erfahrung zu sammeln. Sei es als Werkstudent, Praktikant oder Trainee. In unterschiedlichen Gewerken und Agenturen. Manchmal ist nämlich nicht eindeutig klar, wo die eigenen Talente am besten ihre Wirkung entfalten. Wir hatten hier schon interessante Entwicklungen, zum Beispiel eine Werkstudentin, die in der Strategie gestartet hat und sich irgendwann als Textalent entpuppt hat. Heute ist sie festangestellte Kreative bei uns. Ich würde den Einstieg über Agenturen immer bevorzugen, da mein Eindruck ist, dass hier die Aufgabenvielfalt größer und die Lernkurve steiler ist. Aber vielleicht fehlt mir hier einfach die Erfahrung auf Unternehmensseite. 🙂

Und generell gilt: Wer Digital nicht verstanden hat, wird es zukünftig schwerer haben.

Du bist aktives Mitglied bei dem Netzwerk Mission Female. Warum ausgerechnet dieses Netzwerk?

Mission Female vereint großartige Frauen mit sehr unterschiedlichen Perspektiven miteinander und legt auch den Schwerpunkt auf das Netzwerken untereinander und die Synergien, die aus dieser Vielfalt entstehen können. Was sie aber alle vereint ist: Sie sind in Führungspositionen und tragen viel Verantwortung. Das gibt viel Raum für Austausch.

Mal ganz abseits vom Beruf: Wo und bei was kann man dich in deiner Freizeit antreffen?

Ich liebe es zu reisen und neue Ecken unseres Planeten zu entdecken, was gerade leider im Hintertreffen ist. Ansonsten stecke ich meine Nase sehr gerne in dystopische Bücher, Dramen oder humorvolle Fantasy wie Walter Moers, das geht auch von zuhause aus. Und unregelmäßig lege ich mir neue Hobbys zu, weil ich einfach neugierig auf ungewöhnliche Erfahrungen bin. Neuerdings überlege ich mir einen Bonsai anzuschaffen, aber dafür bin ich vielleicht noch nicht alt genug. Mal sehen, was das Leben morgen bringt.

 

Weiterführende Links:

https://www.linkedin.com/in/eva-reitenbach-162b7018/

https://www.odt.net/

https://www.missionfemale.com/#mission

 

Titelbild: ©Nick Denecke

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