FI: Forgestellt & Inspiration

FORGESTELLT: Franziska Rizzolli von Klocke, Senior Manager Microsoft News, Shine Leader sowie Mitglied von Mission Female

4. Mai 2020

Wir setzen unsere Reihe in Kooperation mit Mission Female fort und portraitieren heute eine Frau, die Lebensfreude, Authentizität und das Machergen so sehr ins ich trägt, dass sie auch für mich persönlich eine große Inspiration ist. Was Franziska, genannt Tita, bei Microsoft und Shine bewegt, was sie von Rabenmüttern hält und was ihr in Bezug auf Führung wichtig ist, lest ihr in diesem Portrait.

 

Liebe Tita, hast du eine gewisse Morgenroutine? Und wenn ja, wie sieht diese aus?

Ich habe immer eine Morgenroutine – und probiere dabei regelmäßig neue Routinen aus (7-Minute Workout, 6-Minute Tagebuch…). Zur Zeit stelle ich meinen Wecker auf 6.10 – und drücke dann auf Schlummern bis 6.20 Uhr. Die 10 Minuten nutze ich für mein derzeitiges Morgenritual; ich gehe gedanklich den Vortag durch, überlege, was gut gelaufen ist und schließe mit ihm ab. Dann überlege ich mir, wie ich den neuen Tag beginnen möchte, was/wen ich an dem Tag brauche, welche Energien ich benötige usw. Für mich sind diese 10min unglaublich wertvoll und sehr kreativ.

Welche drei Eigenschaften schätzt du besonders an deinen Mitmenschen?

Loyalität, Authentizität und Lebensfreude; je älter ich werde, je weniger kann ich Negativität und Stillstand ertragen.

Was war der beste Ratschlag, den du jemals erhalten hast?

Um Hilfe bitten! Wenn Du etwas brauchst oder möchtest, frage danach! Warte nicht darauf, dass Dein Umfeld erkennt, was Du benötigst. Wir sind alle oft zu sehr mit uns selbst beschäftigt und können keine Gedanken lesen. Was ist das Schlimmste, was passieren kann?

Berichte uns doch bitte von deinen beruflichen (und privaten) Meilensteinen und wie daraus die Tita von heute geworden ist.

Ich habe direkt nach dem Abitur eine Hotelfachlehre absolviert, die mich sehr geprägt hat und mir beigebracht hat, Dinge durchzuziehen, und wirklich hart zu arbeiten – davon profitiere ich noch heute. Mein Studium brachte mich nach London und lehrte mich unter anderem eine Neugier an Menschen, Weltoffenheit und Toleranz. Ich habe 1996 als Studentenjob bei einem Internet Start-Up von Bertelsmann gearbeitet und die fazinierenden ersten Jahre des World Wide Web hautnah miterlebt. Damals eröffnetet Google seine Büros in London; ich war zu einem Gespräch dort und absolut sicher, dass aus dem Modell nichts werden konnte. Meine Karriereweg führte mich dann zu Bertelsmann, der Bayrischen Landesbank und dann als Geschäftsführerin zu einem Mobile Entertainment Start-up nach Köln. Dort konnte ich dann alles anwenden, was ich in meinen 20gern gelernt hatte und lernte in Köln meinen zukünftigen Mann kennen. Meine ehemalige Chefin von Bertelsmann holte mich 2006 nach München zu Microsoft. Hier bin ich nun in den verschiedensten Rollen und Positionen tätig, habe währenddessen geheiratet, 3 Kinder bekommen, von München nach Köln und wieder nach München gezogen und mich immer weitergebildet. Seit fast 2 Jahren bin ich Leadership Coach und gebe Workshops für das Unternehmen Shine.

Du bist seit mehr als 13 Jahren bei Microsoft. Was begeistert dich an diesem Unternehmen und was für Themen behandelst du in deiner aktuellen Position?

Microsoft ist eine der Firmen, die sich immer wieder verändert, weiterentwickelt und grade in den letzten Jahren eine fantastische Transformation gezeigt hat. Bei Microsoft beschäftigt zu sein, heißt, dass man sich mit den technologischen Entwicklungen der Zukunft auseinandersetzt und die Entwicklung miterlebt. Grandios. Das heißt auch, dass sich unsere Rollen, Aufgaben und Projekte ständig ändern und weiterentwickeln – das gelebte Change Management. Derzeit arbeite ich bei Microsoft News an Business Development & Sales Projekten und beschäftige mich zusätzlich mit dem Thema Diversity & Inclusion.

Du bist Senior Shine Leader bei Shine. Berichte uns doch bitte, was hinter Shine steckt und was ein Shine Leader für eine Mission verfolgt.

Das Unternehmen Shine wurde von 2 Frauen gegründet, die mehr Frauen an die Unternehmensspitze bringen möchten. Shine hat die Mission: To make the corporate world a more human place. Daran arbeiten wir, indem wir transformative Coaching Workshops für Frauen (und auch Männer) leiten, die ihnen die nötigen Werkzeuge geben, ihr Potential zu erkennen, bewusst einzusetzen und auszuschöpfen. Frauen wirken am besten und bewirken am meisten, wenn sie authentisch sind und darin bestärken wir unsere Teilnehmerinnen und dies auch erfolgreich: Über 6000 Frauen weltweit haben an den Shine Seminaren bisher teilgenommen.

Du möchtest Frauen in unserer Wirtschaft stärken und diese allgemein frauenfreundlicher gestalten. Woran hapert es deiner Meinung nach am meisten in der Wirtschaft, aber auch bei den Frauen, dass hier so großer Nachholbedarf besteht?

Ich versuche, mich bei der Beantwortung der Frage kurz zu halten, obwohl ich eigentlich einen Roman darüber schreiben könnte und vielleicht auch mal werde. Woran hapert es in der Wirtschaft, woran hapert es in der Politik, in der Gesellschaft und bei den Frauen? Wir müssen an sehr vielen Stellschrauben drehen, um die Arbeitswelt für Frauen freundlicher zu gestalten. Mein persönliches Ziel ist es, mit den Frauen zu arbeiten und sie so zu bestärken, dass sie die Herausforderungen und Chancen, die sich ihnen bieten, erkennen können und annehmen. Ich pauschalisiere jetzt ein wenig: Frauen tendieren dazu, sich und ihre Fähigkeiten kritischer zu hinterfragen und mehr Hindernisse zu sehen; Kinder, Familie und die Meinung des sozialen Umfeldes werden dann oft als Hindernis gesehen. Wir müssen also nicht nur die Voraussetzungen in den Unternehmen, der Wirtschaft und der Gesellschaft verbessern, sondern auch die Frauen coachen, die vermeindlichen Hindernisse zu überwinden und ihre Karriere voranzutreiben.

Das Netzwerk Mission Female zählt dich zu den Mitgliedern. Was macht dieses Netzwerk für dich so besonders?

Ich bin ein sehr aktiver Mensch und möchte Dinge bewegen. Mission Female ist genau das – ein aktives Netzwerk, das Frauen zusammenbringt und etwas bewirkt. Frauen brauchen eine andere Art der Bestärkung als Männer und Mission Female bietet Frauen eine ideale Plattform, sich zu vernetzen, sich auszutauschen und wirklich zu unterstützen.

Das Thema Führung liegt dir ebenfalls sehr am Herzen. Was bedeutet für dich gute Führung?

Die Gesellschaft entwickelt sich und somit auch die Anforderungen für gute Führung. Gute Führung im Jahre 2020 beinhaltet für mich Authentizität, sich seiner eigenen Stärken und Schwächen bewusst zu sein, Flexibilität und Toleranz. Jeder Mensch funktioniert am besten, wenn er authentisch ist und damit glaubwürdig. Sich seinen Stärken und Schwächen bewusst zu sein, hat die Konsequenz, dass man Aufgaben abgeben kann, sich ein starkes Team aufbaut und sich auch ersetzbar macht. Die immense Entwicklungsgeschwindigkeit unserer Zeit fordert große Flexibilität und auch Toleranz von uns; für Themen, Produkte und auch Menschen. Glücklicherweise werden die Führungsetagen menschlicher – und das sollte meiner Meinung nach mit der Zunahme der KI Voraussetzung sein.

Sehr neugierig bin ich auf die weibliche/männliche Doppelspitze bei SAP – dies ist für mich ein Führungskonzept der neuen Dekade.+

Du hast einen fordernden Job, engagierst dich bei verschiedenen Initiativen und bist Mutter dreier Kinder. Wie schaffst du es, diese Rollen alle auszufüllen und hast du einen Geheimtipp, wie man so einen Alltag gut strukturiert und organisiert?

Ich fülle meine Rollen leider oder ein Glück nicht alle zu genüge aus. Meine 3 Tipps sind: 1) Sich Hilfe organisieren und sich helfen lassen 2)  weniger Perfektionismus 3) öfter mal ‚Nein‘ sagen.

Working Moms werden in Deutschland leider häufig als Rabenmütter bezeichnet. Hast/hattest du manchmal ein schlechtes Gewissen gegenüber deinen Kindern und wie gehst du damit um?

Über den Ausdruck Rabenmutter könnten wir länger diskutieren… Natürlich werde ich oft vom schlechten Gewissen eingeholt; wenn ich wieder nicht zu einer Aufführung des Chors gehen konnte, die am Vormittag stattfindet; oder ich nach einem anstrengenden Tag am Abend erschöpft und gereizt bin.

Ich habe mich ja nun lange Zeit mit dem Thema beschäftig und weiß von mir, dass ich unglücklich wäre, wenn ich nicht arbeiten könnte und somit keine bessere Mutter wäre, wenn ich nicht arbeiten würde. Diese Entscheidung muss jede Mutter irgendwann treffen. Glücklichweise zeigen ja einige Studien, dass die Kinder von arbeitenden Mütter nicht automatisch ‚in der Gosse landen‘.

Was rätst du Frauen, die Kinder haben und trotzdem (oder gerade deswegen!) Karriere machen möchten?

Es ist absolut möglich Kinder und Karriere zu vereinbaren – es ist nicht unbedingt der einfachste Weg, aber es ist machbar und es gibt genug Frauen, die uns dies vorleben (und hoffentlich nicht gleich als Rabenmutter tituliert werden).

Wichtig ist, dass man sich immer auf seinem eigenen Weg zum Glück, zur Erfüllung befindet. Die ganzen ‚New Work‘ Konzepte wie flexible Arbeitszeiten und HomeOffice Regelungen helfen natürlich ungemein, sich als Mutter den Tag besser einteilen zu können.

Meine 3 Tipps von oben wären auch mein Rat an Frauen mit Kindern, die Karriere machen wollen: Holt euch Hilfe, weniger Perfektionismus und grenzt euch ab.

Zu guter Letzt: Was möchtest du unseren Leserinnen (und Lesern) generell mit auf den Weg geben?

3 Adjektive: positiv, offen und achtsam

 

Link zu Titan LinkedIn Profil: https://www.linkedin.com/in/franziska-rizzolli-von-klocke-99b209141/

Link zu Mission Female: https://www.missionfemale.com/#mission

Mehr zu Shine:

Link zu Microsoft: https://www.microsoft.com/de-de/about

 

Bilder: ©MAIWOLF Photography

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