FI: Forgestellt & Inspiration

FORGESTELLT: Funda Yakin, Director Media & Market Development bei InnoGames

1. September 2020

Funda Yakin ist eine, die ihren Weg geht und voller Power den bisherigen bestritten hat. Auch nach einigen Jahren im Job strahlt sie nach wie vor eine wahnsinnige Energie und den von ihr oft genannten „Hunger“ aus, was ich phänomenal finde und mir noch viel öfter in unserer Welt wünschen würde. Weiterhin beschreibt Funda, was sie an der Games-Industrie so fasziniert und warum sie nicht müde wird, Frauen für die Tech-Branche zu begeistern.

 

Liebe Funda, welche drei Eigenschaften haben dich auf deinem bisherigen Weg (beruflich wie privat) am meisten weitergebracht?

Ich bin zielorientiert, sehr leidenschaftlich und immer dabei, mich weiterzuentwickeln. Ich habe immer Jobs angenommen, in denen ich gestalten konnte und habe mich auch durch äußere Einwirkungen von meinen Werten nicht abbringen lassen. Gerade als Frau mit türkischen Wurzeln in der Tech-Industrie gibt es einige zusätzliche Herausforderungen. Das Schöne bei InnoGames ist aber, dass hier Talent an erster Stelle steht.

Welche Eigenschaften schätzt du an anderen besonders?

Generell schätze ich Gradlinigkeit, Respekt, Demut und eine Begeisterung für das, was man tut. Wenn ich Bewerber in Interviews habe, achte ich darauf, ob jemand für den Job wirklich „brennt“. Denn das ist etwas, was man selber mitbringen muss. Weitere Skills und Inhalte kann man im Job erlernen.

Du bist seit 2016 Director Media & Market Development bei InnoGames. Wie kamst du zu deiner aktuellen Position und wie sahen deine beruflichen Meilensteine davor aus?

Alle Meilensteine meiner gut 20jährigen Karriere aufzuzählen würde sicherlich hier den Rahmen sprengen: Rückblickend kann ich sagen, dass ich immer Vollgas gegeben habe und dabei sehr viel Spaß hatte. Jede Station hat mir neue Facetten des Marketings gelehrt und ich habe darauf geachtet, das nächste Level, sowohl fachlich als auch charakterlich, zu erreichen. Das Marketing- Dreieck habe ich komplettiert: Agentur, Medium (Print/Online) und Unternehmensseite.

Sehr früh angefangen in der Agentur hatte ich schon mit 23 Jahren eine Budgetverantwortung von 30 Millionen €, so war die Agentur eine perfekte Schule für das Business: viel Verantwortung, harte Arbeit und sehr viel learning bei doing, also Media von der Pike auf. Auf diese Weise konnte ich das Studium getrost skippen. Durch die Jobs bei Bauer Media und Freenet habe ich zusätzlich große Erfahrung im BTL-Marketing erlangt. Bei Nokia und Microsoft das Brand Marketing professionalisiert, gelernt, wie man starke Strukturen aufbaut und größere Teams führt. Insbesondere bei Nokia habe ich am eigenen Leib erfahren, wie resilient ich sein kann, wenn es die Situation erfordert.

Als Tech-begeisterte Person, war ich bereits in meinen vorherigen Positionen bei Nokia und Microsoft häufig in Kontakt mit der Gamingbranche und hatte zum Beispiel mit den Kollegen von EA Sports oder XBox großartige Kampagnen realisiert. Kurz vor dem Absprung ins Microsoft Headquater nach Seattle unterbreitete mir InnoGames ein Angebot, das ich nicht ablehnen konnte.

Wie sieht dein Joballtag aktuell aus und wie können wir uns deinen Aufgabenbereich vorstellen?

Normalerweise arbeite ich um die 8 bis 10 Stunden pro Tag und fange damit an, dass ich direkt nach dem Aufstehen die täglichen Umsätze, meine Mails und Slack Nachrichten checke. Danach gehe ich durch meine Termine im Kalender, überprüfe, ob ich soweit gut vorbereitet bin. Tagsüber habe ich viele Abstimmungsmeetings mit meinen Teams oder auch mit Stakeholdern aus den anderen Bereichen wie Game Team, Analytics oder auch HR Themen. Im Schnitt habe ich 6-8 Meetings am Tag. Danach und dazwischen beantworte ich Nachrichten oder arbeite an Präsentationen (zB. Quartals-Updates).

In meinem Bereich habe ich die Verantwortung für drei Teams: Media, Direct Partnerships und Business Development. Als Beispiel: Über das Media Team laufen alle TV-Kampagnen für unsere Spiele, wie zum Beispiel Forge of Empires weltweit in über 40 Ländern. TV funktioniert durch den Second-Screen Effekt immer noch sehr gut. Dennoch denken wir weiter und testen zusätzlich die innovativen Formate wie digitale, TV- ähnliche Formate oder Programmatic und Addressable TV insbesondere in den USA, die einen Schritt weiter sind als wir in Europa. Mein Aufgabenbereich umfasst die strategische Führung dieser Bereiche mit dem Ziel, bei maximaler Skalierung das bestmögliche Ergebnis hinsichtlich des Return-on-Ad-Spends zu erzielen. Mein Team umfasst aktuell 20 wirklich talentierte und smarte Marketers.

Spannend ist, dass wir von Hamburg aus weltweit operieren und millionenschwere Marketing Kampagnen umsetzen. Dabei setzen wir hauptsächlich auf internes Know How und beschäftigen so wenig wie möglich externe Agenturen. Bei InnoGames gibt es keinen typischen Tag, das Arbeitstempo ist hochintensiv und das gefällt mir sehr.

Was fasziniert dich so an der Games-Industrie?

Es sprechen viele Gründe für die Games-Industrie: Die Branche verbucht höhere Umsätze als die Musik- und Filmindustrie und verwendet deutlich fortschrittlichere Tools und Techniken. Und sie wächst stetig weiter. Alles, was wir bei InnoGames machen, ist datengetrieben und auf Performance ausgelegt. Das reizt mich fachlich total. Selbst das große Massenmedium TV avanciert hier zum Performance Kanal. Sensationell! Ich hatte bei Nokia und Microsoft das Performance Marketing bereits stark forciert, jedoch war das Brand Marketing im Fokus.

Bei InnoGames arbeiten sehr viele junge und unglaublich smarte Kollegen, die für ihre Aufgabe brennen. Es liegt sicherlich mit am Gamer-Mindset, immer das nächste „Level“ zu erreichen, was absolut meinem Naturell entspricht. Diese Begeisterung und „den Hunger“ habe ich auf Konzernseite oft vermisst. Entscheidungen werden hier schnell getroffen, politische Diskussionen oder Grabenkämpfe zwischen Abteilungen finden nicht statt, was die Fokussierung auf das Wesentliche enorm steigert. Alle kämpfen für die eine Sache! Das ist toll! Außerdem kann ich hier dazu beitragen, dass Gaming als Branche noch ernster genommen wird. Viele Menschen unterschätzen Games immer noch als Wirtschaftsfaktor und ernstzunehmendes Business, insbesondere aus der Politik.

Woran glaubst du liegt es, dass so wenig Frauen in dieser Branche anzutreffen sind?

Rund ein Viertel der Beschäftigten bei InnoGames sind Frauen. Im Hinblick auf (leitende) Führungspositionen liegt der Anteil weiblicher Führungskräfte aktuell bei gut 16%. Damit ist InnoGames im Branchendurchschnitt ziemlich weit vorne. Trotzdem sind wir in der gesamten Tech-Branche noch nicht da, wo wir sein müssten. Das liegt zum Teil einfach auch an der Bewerberstruktur und den eingeschlagenen Ausbildungswegen. Zum Beispiel gibt es deutlich weniger weibliche als männliche Studenten in technischen Studiengängen an den Universitäten; unter den Absolventen in Deutschland machen Frauen lediglich einen Anteil von gut 20% aus.

Es wird bereits viel dafür getan, Frauen auf die vielen Jobs in der Tech- und Spielebranche aufmerksam zu machen und sie dafür zu gewinnen. Wann immer ich kann, gehe ich als Speaker zu Foren oder Podiumsdiskussionen, um ein gutes Beispiel und hoffentlich auch eine Inspiration für andere Frauen zu sein, ihr Talent in dieser Branche einzubringen. Ich jedenfalls kann es nur empfehlen!

Was würdest du Frauen raten, um in dem Tech-/Games-Umfeld Fuß zu fassen?

Die Branche verteilt sich auf zwei Ebenen: Erstens eine stark datengetriebene und analytische Ebene und zweitens eine kreative. Frauen, die sich in diesen Bereichen sehen, rate ich, immer gut vorbereitet zu sein. Es hilft ungemein, sich auf seine Talente und seine Stärken zu fokussieren, nicht an sich zu zweifeln und seiner Meinung eine Stimme zu geben.

Es gibt nichts umsonst und man muss jederzeit sein Bestes geben! Im Übrigen ist Letzteres allgemein gültig – natürlich auch für Männer. 😉

Du hast dich wirklich hochgekämpft. Würdest du deinen bisherigen Weg nochmal genauso gehen, wenn du von vorne starten könntest?

Ich habe meine Karriere nie so explizit geplant, sondern immer voller Power einen Schritt nach dem anderen getan, weil ich meinen Job und meine Aufgaben geliebt habe. Von all den Jobs, Vorgesetzten und Kollegen habe ich so viel gelernt und mein Jetziges Ich geformt, so dass ich diese Erfahrungen nicht missen möchte.

Das Fazit der letzten 20 Jahre: Ich glaube, dass – egal ob ich einen kleinen Blumenladen hätte oder CEO von BMW wäre – ich all meine Leidenschaft dafür aufbringen würde, den nächsten Schritt zu gehen, um nachhaltig mein Business mit innovativen Mitteln zu skalieren. Wichtig wäre mir nur, dass ich in diesem Job frei gestalten, entscheiden und führen kann.

War dein türkischer Migrationshintergrund jemals Thema? Und wenn ja: Wie bist du damit umgegangen?

Je internationaler ich gearbeitet habe, desto mehr wurde mein Background als Mehrwert für das Unternehmen wertgeschätzt.

Gerade zu Beginn habe ich mit den klassischen Managern mittleren Alters in lokal operierenden Unternehmen negative Erfahrungen gemacht und schnell realisiert, dass es an anderer Stelle für mich weiter gehen muss. Einer meiner Chefs hat mich zum Beispiel regelmäßig Aysche genannt, er fand es lustig. Ich nicht so. Daher rate ich allen Menschen, die Rassismus und Sexismus im Job ausgesetzt sind, dies auch direkt zu melden oder wie ich in letzter Konsequenz auch die Firma zu verlassen. Bei globalen Firmen wie Nokia, Microsoft und InnoGames wird Diversität sehr hoch angesehen und geschätzt, weil es im Business eindeutig neue Perspektiven eröffnet. Bei InnoGames arbeiten im Moment mehr als 400 Mitarbeiter aus insgesamt über 30 Nationen, was eine echte Bereicherung ist.

Dein Motto ist „The sky is the limit”. Was hast du dir in den kommenden Monaten vorgenommen?

Privat habe ich mir vorgenommen, unser Haus am See fertig zu renovieren und hoffentlich im September unsere Hochzeit an der Ägäis zu feiern, allerdings müssen wir schauen, ob es die aktuellen Reisebestimmungen so zulassen.

Beruflich geht es bei InnoGames mit Vollgas weiter. Die Corona-Krise hat der Gamingbranche nicht geschadet, vielmehr ist Gaming in solchen Situationen eine tolle Beschäftigung und auch eine willkommene Auszeit von schlechten News. Wir versuchen, unseren Playern gerecht zu werden und beliefern sie stets mit neuem Content und ingame-Aktionen.

Zu guter Letzt: Wo könnten wir dich privat am ehesten antreffen?

Ich bin in der schönsten Stadt der Welt, in Hamburg, zu Hause. Mich kann man öfter mit meinem betagten Jack Russel Paul am Elbstrand treffen. Ansonsten, wie schon oben erwähnt, zukünftig auf meinem Stand Up Paddle auf den Seen in der Holsteinischen Schweiz. Ich bin die mit dem kleinen Hund auf dem Board.

 

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Titelbild: ©InnoGames

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