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FORGESTELLT: Irene Kurka, Sopranistin und Podcasterin

24. August 2020

Irene Kurka ist wie ich finde ein sehr guter Beweis, dass man am meisten Erfolg hat, wenn man sich selbst treu bleibt. Auch wenn der Weg dorthin vielleicht nicht einfach ist. Die Sopranistin möchte den Menschen die Musik und die Menschen hinter der Musik näher bringen und tut dies als Pionierin in ihrem Podcast. Welche Projekte Irene in den kommenden Monaten sonst noch angehen möchte, lest ihr in diesem Portrait.

Liebe Irene, wann ist ein Tag für dich beruflich wie privat gelungen?

Ich starte fast alle Tage, außer ich muss sehr früh reisen, mit meiner Morgenroutine: Journaling, Trampolin Springen, Meditation, kalt duschen, Frühstücken und danach gehe ich ans Klavier und singe und übe. Wenn ich den Tag so starte, fühle ich mich in mir ruhend und bereit für Gespräche, Kommunikation und Organisation. Ich arbeite gerne sehr fokussiert, lege dann auch das Handy weg und schalte alle Pop-Ups aus. Mittags koche ich sehr gerne frisch, wenn ich nicht ein Lunch-Meeting habe. Anschließend liebe ich es, spazieren zu gehen, um dann wieder frisch wieder an die Arbeit zu gehen. Gerne nutze ich den Nachmittag, um Freundinnen zu treffen oder zu sprechen, oder aber in die Natur zu gehen.

Welche deiner Eigenschaften haben dich zu der Person gemacht, die du heute bist?

Neugierde, Qualitätsanspruch, Freiheit, Liebe zum Wachsen, Kreativität, Menschlichkeit und Herzlichkeit.

Wie sieht dein Alltag als Sopranistin aus?

Wenn ich Proben, Besprechungen oder Konzerte habe, läuft jeder Tag anders ab. Aber ich mag die Abwechslung – solange ich Zeit für meine Morgenroutine habe. Genau diese Abwechslung liebe ich an meiner Selbstständigkeit. Was ich wirklich jeden Tag mache, ist üben. Es ist mir extrem wichtig, meine Stimme zu hören und zu fühlen, wie auch meinen Körper. Singen ist wie eine geniale Mediation, wo alles zusammen kommt. Viele Gehirnareale sind aktiv, ich bin im Moment, ich achte auf die Atmung und lasse Emotionen zu. Gleichzeitig wachse und lerne ich jeden Tag mit meiner Stimme. Sie ist eine Gefährtin für mich, wir lernen voneinander. In den Proben und Konzerten liebe ich es, mit den KollegInnen zu musizieren und etwas Gemeinsames zu erschaffen und auch den Moment gemeinsam zu erleben.

Was ist das Schönste daran, Sopranistin und Darstellerin zu sein?

Ich kann meine große Neugier befriedigen und mich in so viele Emotionen und Musik-Stile einfühle und mich so auch immer wieder neu entdecken. Gerade in der Neuen Musik gibt es so viel verschiedene Richtungen, so daß mir nie langweilig wird. Ich liebe es, Menschen durch den Gesang und die Musik etwas mitzugeben und sie im besten Fall zu berühren.

Und worauf könntest du auch gerne verzichten?

Konkurrenz,  Machtgehabe und Ungerechtigkeit. Ich wünsche mir Kooperation und auch Ko-Kreation.

 

Du hast 2018 deinen Podcast lanciert. Wie ist es dazu gekommen?

2015 habe ich das Buch „Neue Musik macht meine Stimme nicht kaputt“ angefangen zu schreiben. Dies blieb dann eine Weile auf Eis. 2017 holte ich es wieder raus und im Gespräch mit einem Förderer, sagte er, ich sollte unbedingt etwas mit neuen Medien machen. Da wurde der Gedanke gesät. Anfang 2018 lernte ich das Podcast-Format kennen und lieben. Ich höre seitdem täglich Podcast (dafür habe ich keinen Fernseher oder Netflix) und so kam mir dann die Idee, einen Podcast zu starten. Im Bereich der Neuen Zeitgenössischen Musik war es ganz neu, da war ich zu sogar Pionierin.

Um was geht es konkret in deinem Podcast?

Ich zeige die Hintergründe der Musikwelt, was MusikerInnen wirklich motiviert, wie Musiker ihr Leben organisieren, wovon auch andere Berufssparten viel lernen können. Und ich bringe die Menschen aus der Neuen Musik Welt näher, um mehr Menschen neugierig für neue Musik Konzerte zu machen. Es gibt Interviews und Solofolgen und es geht auch um Themen wie Zeitmanagement, Erfolg, Scheitern, Eifersucht, Kreativität, Hochsensibilität etc.

Welche Mission verfolgst du mit deinem Podcast?

Ich zeige den Menschen hinter dem Musiker, gerade in der Klassikwelt sind wir den schönen Schein gewohnt. Dabei sind die Menschen so spannend und haben so viel Wissen und Erfahrung zu geben. Ich möchte inspirieren und eben auch zur Ko-Kreation einladen und alte Mechanismen wie Konkurrenz hinter uns lassen.

Was würdest du Frauen raten, die im Musikumfeld Karriere machen möchten?

Stark sein, an sich glauben, sich ein gutes Umfeld erschaffen, wo sie offen sein können und auch gefördert werden, ohne sich zu verbiegen, sich anzupassen oder „alte Spielregeln“ zu spielen. Sie brauchen Hartnäckigkeit, Kreativität und Durchhaltevermögen. Sie müssen es wirklich wollen. Es ist ein schönes Leben, aber es kann eine Weile dauern, bis du da bist, wo du sein möchtest.

Wenn du rückblickend in deinem Leben etwas anders machen könntest: Was wäre das?

Ich wünschte, ich hätte früher mehr an mich und eine Einmaligkeit geglaubt und mich früher getraut den Pfad, den alle gehen oder glauben gehen zu müssen, zu verlassen. Umso mehr ich wirklich meins mache, umso erfolgreicher bin ich und es wird immer leichter.

Was möchtest du in den kommenden Monaten beruflich wie privat wagen?

Neben meinen vielen Konzerten freue mich auf die Veröffentlichung meines Buches zum Podcast und auch auf mein Podcast Event „Play on Demand – Neue Musik und neue Medien“ welches am 7.11.2020 in Düsseldorf stattfinden wird.

Zu guter Letzt: Hast du ein Motto, nach dem du lebst?

„When they go low, we go high“ und „It‘s not over, until it is over“

 

 

Weiterführende Links:

https://www.irenekurka.de

https://www.facebook.com/ireneneuemusik

Irene Kurka: Gesangsstudium in München, Dallas und Vancouver. Über 240 Uraufführungen, Pionierarbeit im Repertoire für Stimme solo. Konzerte u.a. mit Hezarfen Ensemble Istanbul, e-mex, musikFabrik, notabu, Wandelweiser, Ensemble Garage und auf Podien wie Tonhalle Düsseldorf, Konzerthaus Berlin, IGNM Basel, Huddersfield Contemporary Music Festival, L’auditori Barcelona, Theater Dortmund, Arte Biennale Venedig, Musica Sacra Maastricht, Cité Internationale des Arts Paris, Acht Brücken – Musik für Köln, Cafe Oto London, Counterflow Festival Glasgow, Muziek Biennale Niederrhein, A.DEvantgarde-Festival München u.v.a. Seit 2018 Podcast neue musik leben, damit Kooperationspartnerin der nmz. Im Herbst 2020 erscheint das erste Buch zum Podcast beim Are Verlag.

 

Bilder: ©Thomas Götz

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