FI: Forgestellt & Inspiration

FORGESTELLT: Jasmin Huber, Gründerin von WeDress

23. Februar 2021

„Think big“: Das ist einer von Jasmins Leitsprüchen. Und sie beweist, dass viele Passionen miteinander vereinbart werden können: Nachhaltigkeit, Mode und Business. Wie sie das schafft, nebenbei gegründet hat und was es mit der 30 wears Regel auf sich hat, erfahrt ihr in diesem Interview.

Liebe Jasmin, was ist dein persönliches Lieblingskleidungsstück und warum?

Mein Lieblingskleidungsstück ist tatsächlich ein Kleid, welches ich sowohl schick, ausgefallen, als auch schlicht und casual kombinieren kann. Das klingt erstmal nach ziemlich „krassen“ Gegensätzen, aber genau solche Kleider liebe ich sehr. Ich bin bspw. ein großer Fan des Modelabels Mykke Hofmann, die meines Erachtens genau das schaffen. Die Stoffe sind oft schlicht und fließend, aber die Schnitte ausgefallen und gut vielseitig kombinierbar. Ein Kleidungsstück, dass oft zu Einsatz kommen kann und sowohl Winter als auch Sommer tragbar ist, finde ich großartig. Nachhaltigkeit fängt nämlich genau hier für mich an. Ich versuche daher seit ein paar Jahren die „30 wears“ Regel von Livia Firth (Fangirl-Moment 😊) anzuwenden und fahre damit ziemlich gut. Wenn ich mir nicht vorstellen kann ein Kleidungsstück zumindest 30 Mal zu tragen, dann lasse ich es mit dem Kauf 😊.

Was bedeutet Nachhaltigkeit für dich?

Gerecht mit mir selbst, der Umwelt und anderen Lebewesen umzugehen. Wir alle sind Teil eines Systems und sind (in)direkt miteinander verbunden. Diese (in)direkte Verbundenheit bringt für mich Verantwortung für das jeweils andere System“mitglied“ mit sich.

Du hast WeDress gegründet. Was genau ist WeDress?

WeDress ist eine digitale Peer-to-Peer Fashion Sharing Plattform für hochwertige Mode. Vereinfacht gesagt können sich Privatpersonen über WeDress untereinander entgeltlich Kleidung und Accessoires leihen und verleihen. Mit WeDress entsteht sozusagen ein digitaler endloser Kleiderschrank, der es uns ermöglicht, Nachhaltigkeit und Modekonsum miteinander zu vereinen.

Unsere Mission ist es, Menschen dazu zu bringen, ihren individuellen Stil mit einer größeren Auswahl an Kleidung auszudrücken und gleichzeitig ihren ökologischen Fußabdruck drastisch zu reduzieren. Unser Ziel: die Lebensdauer von Kleidung zu verlängern. Bei uns soll jede:r Zugang zum perfekten Kleidungsstück, für jeden Anlass, zu einem Bruchteil des Kaufpreises haben. Zudem kann ungetragene Kleidung monetarisiert werden, ohne dass sich die Mitglieder für immer von ihr trennen müssen.

Was ist deine Vision?

Eine Fashionwelt zu kreieren, die ALLEN Freude bereitet, Spaß macht, und Menschen zusammenbringt. Eine Fashionwelt, die Mensch und Umwelt im Einklang versteht und keiner:m Beteiligten schadet.

Dafür müssen wir die aktuelle Fashionwelt natürlich erst einmal positiv disrupieren 😊. „First things first“ & „Think big“ sind hierbei meine Leitsprüche.

Wie sahen deine bisherigen beruflichen Schritte aus?

Ich habe meine berufliche Laufbahn im Versicherungsbereich begonnen und eine Ausbildung zur Versicherungskauffrau absolviert. Nach einigen Jahren im Versicherungsbereich, habe ich dann entschlossen, dass ich gerne nebenberuflich studieren möchte und fand über das Studium meinen Weg in die Nachhaltigkeit und landete nach dem ein oder anderen Praktikum auf Corporate-Seite bei KPMG im Sustainability Services Bereich. Hier unterstütze ich Unternehmen seit ein paar Jahren rundum das Thema Nachhaltigkeit.

Du hast WeDress maßgeblich aufgrund eines Grundwertes von dir gegründet. Möchtest du uns darüber etwas erzählen?

Gerechtigkeit ist mein höchster Wert und für mich auch die Basis für Nachhaltigkeit. Seit ich ein kleines Kind war habe ich einen sehr starken Gerechtigkeitssinn, welcher mich mit 14 zur Vegetarierin, später zur Fair Fashion Konsumentin und seit 2015 auch zur Veganerin werden ließ. Wenn wir alle ein wenig gerechter zu uns selbst, anderen Erdlingen und der Umwelt wären, wäre die Welt heute (meines Erachtens) ein wesentlicher nachhaltigerer Ort.

Du hast nebenbei gegründet. Wie hast du das geschafft?

Das frage ich mich auch jeden Tag 😊. Spaß beiseite, es gehört Kraft, Mut und auch ein bisschen Wahnsinn dazu. Ich gehöre zu den Menschen, die Gedanken relativ schnell in Taten umsetzen und so habe ich es letztlich auch mit WeDress gehandhabt – nicht lange fackeln ist hier die Devise gewesen. Hätte ich zu viel darüber nachgedacht, wie viel Arbeit „das“ werden wird, hätte ich es am Ende nicht gemacht. Ich gehöre grundsätzlich zu den Menschen, die sehr streng zu sich selbst sind (hallo PERFEKTIONISMUS) und versuche jeden Tag, ein wenig mehr nach dem Motto „better done than perfect“ zu leben. Ich denke WeDress kam hier gerade richtig und lehrt mich jeden Tag neue Lektionen 😊.

Wie kann man schnell und einfach ein Stück Nachhaltigkeit in sein Leben integrieren?

  1. Weniger konsumieren: Wertschätzen und verstehen, was du schon besitzt und mit diesen Ressourcen auskommen lernen.
  2. Bei der nächsten Anschaffung überlegen, ob man den Artikel wirklich braucht (einmal drüber schlafen hilft oft schon 😊) und bei Kleidung z.B. die besagte 30 wears Regel anwenden;
  3. Gebraucht kaufen, wenn und wo möglich & verschenken, tauschen und teilen;
  4. Lebensmittel bio und regional einkaufen & weniger tierische Lebensmittel essen;
  5. Fliegen meiden und die Bahnfahrt als Teil des Urlaubs verstehen😉.

Was habt ihr in den kommenden Monaten konkret mit WeDress geplant?

Der Launch unserer ersten Website-Version erfolgte Mitte September. Wir arbeiten derzeit mit Hochdruck daran, den virtuellen Kleiderschrank zu füllen, um WeDress in ein großartiges Fashionerlebnis zu verwandeln und als nachhaltige Form des Modekonsums zu etablieren. Zudem entwickeln wir die jetzige Plattform mit unseren User:innen weiter und werden im nächsten halben Jahr einen Relaunch durchführen, der ein noch besseres Shoppingerlebnis verspricht 😊. Als junges Startup wollen wir möglichst „lean“ arbeiten und mit unserer Community wachsen.

Wenn du jeweils einen beruflichen und einen privaten Wunsch frei hättest: Wie würden diese lauten?

Ich wünsche mir mit WeDress und dem, wofür wir stehen, einen tatsächlichen Wandel in der (Fashion)Welt zu bewirken und (Ver)leihen in die Mitte der Gesellschaft zu bringen. Damit das funktioniert, wünsche ich mir eine schnell wachsende & loyale Community an Fashionliebhaber:innen, die diese neue und nachhaltige Shoppingmethode mit viel Freude annimmt und verbreitet.

Zu guter Letzt: Welchen Ratschlag möchtest du gerne teilen?

Sei milde & achtsam mit dir selbst.

Ein Satz, dessen Bedeutung so unfassbar wichtig ist und mir immer wieder hilft, vielleicht geht es euch ja auch so.

 

Weiterführende Links:
Bilder: ©Pia Winkler

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