FI: Forgestellt & Inspiration

FORGESTELLT: Judith Keufl, Yoga- Atem und Meditationstrainer

18. August 2020

FIELFALT.CH: Judith ist im Sommer 2019 nach Zürich gezogen. Am Anfang hat sie sich gesträubt, dann ging alles jedoch ganz schnell und sie bereut den Schritt ganz und gar nicht. Wieso sie ursprünglich nicht aus Berlin wegwollte, was sie an Zürich schätzt und wie Yoga, Meditation und Atmen sie nicht nur beruflich, sondern auch privat durchs Leben tragen, berichtet sie in diesem Portrait.

Liebe Judith, was ist deine Lieblingsyogapose und warum?

Ganz klar, die halbe Taube. Ich liebe Hüftöffner, sie haben eine so erdende und beruhigende Qualität auf meinen Körper und Geist. Die halbe Taube hat für mich etwas hingebungsvolles und erlaubt mir auf allen Ebenen loszulassen.

Welche drei Themen beschäftigen dich momentan am meisten?

  1. Breathwork: ich praktiziere und unterrichte gerade viele Atemübungen. Unser Atem ist das effizienteste Tool, das wir haben um unseren Geist in eine Richtung zu lenken.
  2. Das Selbst in der Selbstquarantäne: durch die Corona Situation verbringt man gerade viel Zeit zu Hause, mit sich selbst und nach einiger Zeit werden Charakterzüge und Dinge verstärkt, die man vorher nur so wage wahrgenommen hat – positiv und negativ. Für mich ist das gerade eine grosse Zeit des Loslassens und der Transformation. Nicht immer schön, aber wertvoll. Es steckt viel Wachstum in dieser Zeit.
  3. Aufbau von Online Yoga Klassen: Hätte mir jemand vor 6 Wochen gesagt, dass sich meine Arbeit in ein paar Wochen in die digitale Welt verlegt, hätte ich wohl gelacht. Ich habe gefühlt über Nacht meine Yoga, Breathwork und Meditationsklassen in die virtuelle Welt verlegt und arbeite nun täglich daran, das zu expandieren, da ich einen großen Gefallen daran finde. Ich kann mir tatsächlich vorstellen, nach dieser Zeit weiterhin ein paar Online Klassen/Workshops zu behalten.

Du bist im Sommer 2019 relativ spontan mit deinem Freund nach Zürich gezogen. Bitte berichte uns doch, wie es dazu kam.

Mein Freund und ich haben hier seit Jahren sehr gute Freunde und waren oft als Besucher in der Schweiz. Schon immer war es ein Thema bei uns, irgendwann dorthin zu ziehen, da es in Zürich einfach wunderschön ist.

Über die Jahre habe ich mir in Berlin meine Selbstständigkeit aufgebaut und war dort ziemlich erfolgreich als Yogalehrerin. Ein Umzug nach Zürich war für mich ehrlich gesagt keine Option mehr. Mein Freund wollte etwas Neues und hat sich dann spontan bei einer Firma in Zürich beworben, er meinte, was soll schon passieren…..Was schon? Er hat direkt eine Zusage erhalten.

Das war ein schlimmer Moment für mich. Wir hatten viele Diskussionen und ich war wochenlang der Meinung, dass ich in Berlin, meiner gemütlichen Komfort-Zone, bleibe. Nach vielen Gesprächen, Meditationen, Überlegungen, Gesprächen mit meiner Mama, die mir während dieser Zeit ein großer Anker war, habe ich mich dann dazu entschieden, den Weg des Wachstums zu gehen und mein gewohntes Terrain zu verlassen.

In nur 6 Wochen haben wir den Umzug organisiert und unsere Zelte in Berlin, den Ort an dem ich mein Herz verloren habe, verlassen.

Ich bereue den Schritt nicht.

Was war oder ist für dich die größte Herausforderung in der Schweiz?

Neben der Sprache, die ja hier von Stadt zu Stadt unterschiedlich ist, ist es mir am Anfang schwer gefallen, meine Routinen beizubehalten… Alles war am Anfang pures Chaos. Alles war neu und aufregend. Ich war in dieser Zeit wirklich sehr dahinter, dass ich täglich auf meine Matte gehe. Es war die einzige Konstante.

Was machst du aktuell in Zürich?

Seitdem ich in Zürich lebe, hat sich mein Leben stark verändert. Ich habe derzeit einen 50% Job in einem Startup, das sich für den Klimawandel engagiert und arbeite weiterhin als selbstständige Yoga, Breathwork & Meditations-Lehrerin.

Wir haben dort eine wunderschöne Wohnung gefunden und durch die kurzen Entfernungen hier, sehe ich viel mehr Freunde als in Berlin.

Was gefällt dir an deinem Leben am meisten?

Das ist eine schwierige Frage. Dadurch, dass wir ausgewandert sind, hat sich vieles verändert; das gab mir die Möglichkeit, mich und mein Leben nochmal mit neuen Augen zu betrachten. Ich fühle mich aktuell viel freier und leichter als in Berlin, die Nähe zur Natur trägt da natürlich bei.

Wie bist du zu den Themen Yoga, Meditation und Atmen gekommen und was begeistert dich so daran?

Für mich ist Yoga, Meditation und Breathwork ein Akt der Selbstliebe und -fürsorge. Es ist eine Möglichkeit, mich mit meinem Inneren zu verbinden. Meine tägliche Praxis ist wie ein Anker für mich. Ich fühle mich viel stabiler, gelassener und glücklicher als vor Yoga. Bevor Yoga in mein Leben kam, war ich ziel- und haltlos und kurz vor einem Burn-Out. Ich wusste nicht, wer ich bin, wo meine Stärken liegen und was ich vom Leben wollte.

Yoga war und ist nichts anderes als der Schlüssel, der die Tür zum Inneren aufschliesst. Dort waren und sind dann alle Antworten.

Was hast du für Ziele und welche Vision verfolgst du?

Meine Vision ist es, die Menschen zu inspirieren. Mit meiner Arbeit erhebe ich das Wohlbefinden der Menschen auf allen Ebenen, sodass sie auch diesen kostbaren Zugang zu sich selbst finden und liebevoll zu sich selbst sind, um dann ein Leben zu führen, wofür ihr Herz brennt.

Was würdest du anderen Frauen raten, die auswandern möchten?

Auswandern bedeutet Veränderung. Veränderung bringt Wachstum. Das ist nicht immer leicht. Meine Yogapraxis hat mir in dieser Zeit sehr viel Kraft und Stabilität gegeben. Sie war meine einzige Konstante zu dieser Zeit, da sich alles um mich herum verändert hat. Wenn Du also vorhast auszuwandern, sei gut zu Dir selbst. Versuch täglich Deinen Körper zu bewegen, zu atmen und nach innen zu spüren, wie auch immer das bei Dir aussieht. Es muss nicht Yoga sein.

Falls etwas nicht so rund läuft, dann sei nicht so hart zu dir. Praktiziere Selbstliebe auf allen Ebenen – sag etwas liebes zu Dir selbst, koch Dir gutes Essen, lese etwas Inspirierendes oder geh spazieren.

Hast du ein Motto, nach dem du lebst?

Ich folge und entscheide aus meinem Herzen. Mein Herz ist der CEO meines Lebens. Meine Entscheidungen sind von außen nicht immer logisch nachvollziehbar, das müssen sie auch nicht, wichtig ist das Gefühl dahinter.

Zu guter Letzt: Was möchtest du der FIELFALT Community mit auf den Weg geben?

Ich finde es wichtig, eine Vision im Leben zu haben. Eine Vision gibt Deinem Leben eine Richtung und du kannst immer genau sagen, ob du gerade richtig bist im Leben oder nicht. Ohne Vision gehen wir ziellos durchs Leben. Fast so, als ob wir ins Auto steigen würden und ohne Ziel einfach drauf losfahren… Macht niemand oder?

Deine Vision kann dir ruhig ein bisschen Angst machen und das Gefühl der Aufregung erzeugen, fast ein mulmiges Gefühl.

Wenn du eine Vision hast, kannst du deine Handlungen darauf ausrichten und in Richtung Vision wachsen.

 

 

Weiterführende Links:

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Titelbild: ©Grit Siwonia

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