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FORGESTELLT Follow-up: Karin Heinzl, Gründerin und Geschäftsführerin von MentorMe

31. März 2020

Anfang 2016 hab es bereits ein Portrait mit Karin Heinzl: https://fielfalt.de/forgestellt-karin-heinzl-gruenderin-von-mentorme/ Damals war MentorMe ein paar Monate alt. Wir dachten, es ist Zeit für ein Update. Was seitdem bei MentorMe passiert ist, was sich bei Karin Heinzl privat getan hat und was sie anderen Gründerinnen rät, lest ihr in diesem Follow-up.

 

Liebe Karin, gibt es ein Motto, nach dem du lebst?

Ja, und zwar: „Führe ein aufregendes Leben!“

Du kommst ursprünglich aus Österreich. Wieso hast du dich dazu entschlossen, ein Unternehmen in Deutschland zu gründen und nicht in deinem Heimatland?

Ich bin eine Kosmopolitin, ich denke nicht in Ländergrenzen. Zwischen Österreich und Deutschland war zudem noch Amerika, wo ich vier Jahre in NYC und Washington DC gelebt habe. Und wenn man mal in New York gelebt hat, geht man nicht mehr so schnell in das kleine Österreich zurück. Ich wusste aber, dass ich zurück will nach Europa und so kam Berlin ins Spiel. Hier entsprang aus einem unglücklichen Angestelltenverhältnis und über einen Umweg in Indien eine Vision von einem Unternehmen, das Frauen fördert: MentorMe. So gesehen war und ist Berlin eine meiner Heimaten.

Du hast 2015 MentorMe gegründet. Bitte beschreibe doch kurz, was ihr mit MentorMe anbietet.

MentorMe ist Deutschlands größtes berufliches Mentoringprogramm für Frauen. Wir ebnen Frauen den Weg in den Ein- und Aufstieg im Beruf sowie für ihre Positionierung bzw. Neuorientierung im Beruf. Wir bieten Karriereberatung durch individuelles Mentoring, berufsorientiertes Training und eine Vielzahl an Networking-Angeboten sowie Kontakte zu Expert*innen und Arbeitgebern aller Branchen. Seit Gründung der gemeinnützigen MentorMe gUG haben wir mehr als 800 Mentoring-Teams erfolgreich gematcht!

Anfang 2016 gab es schon mal ein Portrait mit dir auf FIELFALT. Damals war MentorMe noch stark auf Studentinnen der Geisteswissenschaften fokussiert. Was hat sich seitdem getan?

VIEL! Wir haben nun keine Einschränkungen mehr bzgl. des Studiums, der Branchen, den Tätigkeiten und des Alters unserer Mentees. Es sind wahrhaft vielfältige Frauen, die Mentees bei uns sind, wobei die meisten mittlerweile keine Studentinnen mehr sind, sondern Young Professionals und Professionals. Wir haben uns professionalisiert: MentorMe hat drei Angestellte und mehr als zehn Koordinatorinnen, die uns bei über 100 Events und Trainings pro Jahr unterstützen. Wir haben 700 Mentor*innen und knacken bald die Marke von 300 gemachten Mentoringteams pro Programmjahr. Wir haben ein Office, das Matching ist Software-unterstützt; E-Commerce, Facebook Werbung und Qualitätssicherung sind ständige Begleiter. Und wir haben tolle Sponsoren: Von Konzernen wie Coca-Cola und Ernst & Young bis hin zu Startups wie  Payfit und MerciMaman.

Warum liegt der Fokus auf jungen Frauen?

Ich war bei Gründung von MentorMe selbst jung und es hätte sich für mich unauthentisch angefühlt, wenn wir damals Führungskräfte gefördert hätten. Heute ist das anders: der Fokus liegt nicht mehr auf „jung“ – zumal das Interpretationssache ist – sondern auf Frauen zwischen 25 und 50 Jahren.

Was zeichnet für dich einen guten Mentoren/eine gute Mentorin aus?

Es gibt ein paar Fähigkeiten, die generell gute Mentor*innen ausmachen. Diese sind z.B. gut zuhören und die richtigen Fragen stellen können; lösungsorientiertes und analytisches Denken; sich an unterschiedliche Typen und Bedürfnisse von Mentees anpassen können; der Besitz von Wissen und Erfahrung in dem Bereich, in dem die Mentee beraten werden will und die Bereitschaft, diese mit ihr zu teilen. Und, last but not least: sich selbst und den eigenen Weg nicht als Prämisse für das Handeln der Mentee ansehen, sondern respektieren, dass nicht jeder Ratschlag von der Mentee angenommen werden muss.

MentorMe ist eine NGO. Was ist der Grund dafür?

Der Grund war das geringere Stammkapital aber auch, weil ich damals ganz naiv dachte, dass wir von Stiftungen und öffentlichen Geldern subventioniert würden. Das ist bis heute kein einziges Mal passiert! 🙂 Dafür kann ich sagen, dass alles, was wir erwirtschaften, durch hartes Arbeiten passierte sowie durch gute und attraktive Angebote für unsere Mentees und unsere Sponsoren.

Was waren für dich seit dem letzten Portrait die größten Herausforderungen und Meilensteine in Bezug auf MentorMe?

Die „Vereinbarkeit Beruf-Familie“. Ich habe in den letzten zwei Jahren zwei Kinder bekommen. Das war mit Abstand – und abseits der unendlichen Liebe für meine Kinder – die härteste Zeit meines Lebens!

Würdest du rückblickend alles nochmal genauso machen?

Ja, denn wir lernen am besten von Fehlern und wir wachsen am meisten an Herausforderungen. So gesehen bin ich dankbar für jeden Fehltritt, für jede Niederlage und für jede Träne, die ich als Gründerin und Business-Inhaberin vergoss.

Was ist deine Vision für die kommenden Jahre?

Ich glaube, ich behalte das noch für mich.

Was rätst du Frauen, die auch eine NGO gründen möchten?

Einfach beginnen. Von Anfang an auch an Finanzen denken. Arbeiten, arbeiten, arbeiten. Lieber früher als später Mitarbeiter einstellen. Ein kluges und passioniertes Team zusammenstellen. Loslassen und in sich selbst und in andere vertrauen.

Zu guter Letzt: Was möchtest du in den kommenden Monaten privat wagen?

Glaub mir, 2 Kinder in den letzten beiden Jahren sind Wagnis genug! 😉

 

Weitere Links zu MentorMe:

·      www.mentorme-ngo.org

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Bilder: ©Karin Heinzl

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