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FORGESTELLT: Katharina Käser, Gastronomin und Inhaberin des Restaurants OX`n Schenkon

9. Juni 2020

fielfalt.ch: Katharina ist Gastronomie mit Leib und Seele. Zudem möchte sie insbesondere Frauen Mut machen, diesen spannenden Berufsweg einzuschlagen oder als Quereinsteigern Gastroluft zu schnuppern. Als wir das Portrait angegangen sind, war Katharina gerade noch mit ihrem ersten Kind schwanger und hat sich schon ein paar Gedanken über die Umstellung gemacht. Es muss also bei Gelegenheit ein Follow-up erfolgen. 🙂 Ansonsten seid ihr herzlich eingeladen, Katharina in ihrem Restaurant OX`n Schenkon in der Schweiz zu besuchen. Bis dahin lest ihr in diesem Portrait, was Katharina an der Schweiz gefällt, wieso sie die Gastronomie liebt und warum sie ständig an sich selbst arbeitet und sich entwickelt.

Anmerkung: Das Portrait ist vor der Situation rund um COVID-19 entstanden.

 

Liebe Katharina, wie sieht als Gastronomin dein Alltagsrhythmus aus?

Ich bin bei uns im Restaurant für die Administration und für die Leitung des Service verantwortlich. Morgens kümmere ich mich erstmal um die Mails (Reservierungen, Events, Organisatorisches etc). Über den Mittag bin ich selber im Service. Nach dem Mittagsservice essen wir gemeinsam mit dem Team, so gegen 14:00 Uhr. Danach haben wir Zimmerstunde, das heißt Pause für alle. Nach Möglichkeit mache ich in den Nachmittagsstunden auch selbst Pause. Das gelingt mir recht gut und eigentlich auch täglich. In den ersten 1,5 Jahren der Gründung war das noch ganz anders. Da gab es die Nachmittagspause nicht wirklich und es ging oft direkt weiter. Aber inzwischen haben wir eine gute Routine, mit der das klappt.
Am späten Nachmittag checke ich nochmals unsere Mails und dann geht es in den Abendservice. Der dauert ungefähr bis 23:00/24:00 Uhr.

Sonntag und Montag sind unsere Ruhetage. Sonntags machen wir komplett frei, Montag je nach Bedarf noch ein paar Kleinigkeiten. Aber das haben wir auch schon recht gut im Griff. Auch das musste sich erst mit der Zeit ergeben. In den Anfangsmonaten war das nicht vorstellbar. Es ist schön zu sehen, dass man sich selbst auch immer weiterentwickelt und dazulernt.

Was darf bei dir in deiner eigenen Küche nie fehlen?

Um ehrlich zu sein, koche ich selbst kaum. Also am liebsten ein gutes Glas Wein dazu. (Ich bin gerade in meiner Sommelier-Ausbildung.)Was ich aber liebe ist es, gut essen zu gehen. Das kann Fine Dining sein, muss aber nicht. Mit Liebe gekocht sind auch die einfachsten Gerichte super fein. Ich schätze eine gute Atmosphäre und einen freundlichen Service sehr. Das Essengehen ist fast so etwas wie ein Hobby. Ich bin auch immer neugierig auf neue Restaurants und Konzepte. Das ist wahnsinnig spannend für mich.

Du bist vor einigen Jahren in die Schweiz gezogen. Wie ist es dazu gekommen?

Ich bin bereits 2014 nach Zermatt gezogen und habe dort ein paar Jahre gelebt und gearbeitet. Dort habe ich auch recht früh meinen Freund – und jetzt auch Geschäftspartner – kennengelernt.
Nach Zermatt bin ich über einen anderen Freund gekommen, der mir meine erste Stelle hier vermittelt hat. Für die Gastronomie und Hotellerie ist es ja recht typisch, dass man immer mal wieder seinen Standort wechselt. Und wegen der Liebe bin ich dann geblieben.

Was schätzt du besonders an der Schweiz?

Ich mag die Landschaft und die Natur sehr. Hier bei uns ist der Sommer toll, so ganz nah am See. In Zermatt habe ich den Winter wahnsinnig geschätzt. Und ich habe hier auch ein schönes Umfeld gefunden, nicht nur landschaftlich, sondern vor allem auch mit der Familie und dem Freundeskreis.
Aber klar, zwischendrin fahre ich auch sehr gerne nach Hause nach Bayern. Daheim ist es halt doch am Schönsten 😉

Du hast mit deinem Freund das Restaurant „OX`n Schenkon“ eröffnet. Wie kam es dazu?

Ich wollte schon immer mal selbstständig sein. Und ihm ging es genauso. Als wir uns kennenlernten, war das relativ schnell klar, dass wir uns irgendwann mal gemeinsam selbstständig machen möchten. Das Angebot den OX’n zu übernehmen, kam aber dann doch recht unerwartet und schnell auf uns zu. Wir waren erst zwei Jahre zusammen. Aber wir hatten ein gutes Gefühl. Und auf mein Bauchgefühl höre ich am liebsten.
Die Bauherren des Restaurants kamen auf uns zu, sie seien noch auf der Suche nach Pächtern. Nach einigem Überlegen war dann recht schnell klar, dass wir dieses Projekt in Angriff nehmen möchten.
Gegründet haben wir zu dritt: ich leite den Service, mein Freund leitet die Küche und der Bruder meines Freundes ist unsere große Stütze in allen finanziellen Belangen.
Das Tolle ist, dass wir bereits vor dem ersten Spatenstich in das Projekt involviert waren. So fühlt sich der OX‘n an wie unser „erstes Baby“.

Was ist das Besondere an eurem Restaurant?

Unser OX’n hat Seele. Wir kochen alles frisch (das ist ein sehr ausgelaugter Begriff heutzutage, aber bei uns stimmt es tatsächlich), wir haben eine wahnsinnig schöne Atmosphäre im Restaurant, in dem sich verschiedenste Gäste und Charaktere wohlfühlen und wir setzen auf unsere Mitarbeiter. Wir wollen, dass sie das Restaurant mit ihrer Persönlichkeit füllen. Wir geben die Struktur und Leitlinien vor, aber ausfüllen darf jeder mit seiner eigenen Persönlichkeit.

Beim Essen setzen wir vor allem auf unser Überraschungsmenü. Hier leben wir uns aus und servieren genau das, was wir selbst am liebsten essen und trinken möchten. Ich denke, das beschreibt auch unseren Stil: Wir kochen, servieren und gestalten den Abend so, wie wir selbst am liebsten essen möchten.

Welche Vision und welche Ideen verfolgt ihr für die Zukunft?

Jetzt gerade sind wir froh, dass wir nach 2,5 Jahren etwas Routine bekommen haben und ein bisschen in unserem Restaurantalltag angekommen sind. Der wird mit Baby schon sehr bald sicherlich wieder über den Haufen geworfen. Aber auch darauf freuen wir uns sehr.

Geschäftlich möchten wir sicher noch weitermachen. Ein zusätzlicher Betrieb geistert schon immer in unseren Köpfen. Irgendwann kommt da sicher noch was. Ich habe immer viele Ideen für neue Konzepte im Kopf, die man ausbauen könnte. Das Ganze sollte modern und zukunftsfähig sein.

Für den OX’n wünsche ich mir, dass wir es schaffen, für unsere Gäste und auch für unsere Mitarbeiter weiterhin einen Ort zu schaffen, an dem sie sich wohlfühlen und gerne zu uns kommen.

Was begeistert dich an dem Gastronomieumfeld?

Ich liebe den Kontakt zu den verschiedensten Menschen, den die Gastronomie immer bietet. Das ist manchmal natürlich auch das Anstrengende an unserem Beruf, aber sicher auch immer das Spannendste und Herausforderndste. Die Abwechslung, dass man nicht genau weiß, wie der Tag heute laufen wird, macht es aus!
Und ich mag auch die Geschäftigkeit, wenn was los ist, man richtig zu tun hat und auf den Punkt abliefern muss.

Was ich zudem sehr schätze ist, dass man immer wieder Neues dazulernt, speziell auch mit der Gründung eines eigenen Betriebes. Das hört nie auf und man entwickelt sich immer ein bisschen weiter.

Und was würdest du Frauen raten, die auch in diesem Bereich durchstarten möchten?

Berufserfahrung sammeln. Meiner Erfahrung nach kommt man in der Gastro am weitesten mit mehreren verschiedenen Stationen, die man durchlaufen hat. Ein Studium kann hilfreich sein, aber was wirklich zählt ist deine Berufserfahrung und was du daraus machst. Ich finde, die Gastronomie ist auch ein tolles Feld für Quereinsteiger. Die richtige Persönlichkeit macht sehr viel aus.

Und für junge Frauen im Speziellen: nicht unterkriegen lassen. Es gibt sie noch, die klassischen (Chefs und) Denkmuster, in denen eine junge Frau im Berufsumfeld nicht mehr kann als gut aussehen und nett lächeln. Da muss man drüber stehen. Und man darf sich auch nicht alles gefallen lassen.
Wir nehmen uns oft viel zu sehr zurück, das konnte und kann ich auch bei mir selbst manchmal beobachten. Dabei haben wir es doch ziemlich drauf!

Am Anfang der Selbstständigkeit habe ich ein paar Mal die Frage gehört, wo denn hier der richtige Chef sei. Inzwischen ist das zum Glück meist kein Thema mehr. Das ist sicher etwas, das ich in den letzten Jahren gelernt habe: Mich besser zu behaupten und zu mir und meinen Überzeugungen zu stehen.

Ihr erwartet im April 2020 euer erstes Baby. Welche Herausforderungen siehst du vor allem als Working Mom und wie planst du, damit umzugehen?

Die Herausforderungen beginnen gerade jetzt: Mein Team so aufzustellen, dass es auch ohne mich gut funktioniert. Ich denke, das gelingt uns bisher recht gut und ich bin auch positiv für die Zukunft gestimmt.

Für mich persönlich ist es eine Herausforderung, nicht immer im Service zu sein. Da kommt auch das schlechte Gewissen, dass ich nicht „mitgeholfen“ habe etc. Einerseits weiß ich, dass das Blödsinn ist und ich da drüber stehen sollte. Jetzt kommen schließlich andere Aufgaben auf mich zu. Andererseits ist das gar nicht so einfach, mit sich selbst zu vereinbaren.

Für die Zukunft wird es wahrscheinlich auch wieder herausfordernd, meinen Platz im Restaurant neu zu definieren. Es ist mir sehr wichtig, weiterhin ein Teil vom OX’n zu sein. Dafür liebe ich das Restaurant viel zu sehr, um es einfach aufzugeben.

Zu guter Letzt: Wer oder was inspiriert dich im Beruflichen und/oder im Privaten?

Eine bestimmte Person zu nennen, fällt mir da schwer. Aber ich habe wahnsinnig Freude daran, wenn ich andere junge Leute treffe, vor allem auch Frauen, die auch in der Gastronomie ihre Leidenschaft gefunden haben. Ich finde, das steckt an. Manchmal würde ich mir mehr Austausch untereinander wünschen.

 

Weitere Links:

https://www.oxn-schenkon.ch/
https://www.facebook.com/oxnschenkon/
https://www.instagram.com/oxnschenkon/?hl=de  @oxnschenkon

 

Bilder: ©Dennis Nutz

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