FI: Forgestellt & Inspiration

FORGESTELLT: Madeleine Fohrer, Head of Key Account Management & Customer Service bei Lufthansa Technik sowie Mitglied von Mission Female

1. April 2020

Unsere Kooperation mit dem Netzwerk Mission Female geht weiter. Aufgrund der aktuellen Corona-Situation ziehen wir das Portrait mit Madeleine Fohrer vor. Sie ist eine wahre Lufthanseatin und entwickelt sich seit ihrem Quereinstieg in diesen Konzern immer weiter. Mich freut es sehr, dass sie spontan die Zeit gefunden hat, bei unserem Portrait mitzumachen. Was sie an ihrem Job begeistert, warum Kundenorientierung und Diversität für sie so wichtig ist und wie sie aus ihrem Netzwerk Mission Female Kraft tankt, beantwortet sie uns in diesem Portrait. Ich bedanke mich ganz herzlich bei Madeleine und wünsche der Lufthansa und allen Mitarbeitern weiterhin gutes Durchhalten!

 

Liebe Madeleine, bist du eher eine Eule (Nachtmensch) oder eine Lerche (Morgenmensch)?

Ich bin eher eine Eule. Zur Hochform laufe ich am Nachmittag auf. Wenn nötig, kann ich mich auch abends noch sehr gut konzentrieren und produktiv sein.

Welche Eigenschaften schätzt du ganz besonders an anderen?

Ich schätze offene, klare Kommunikation sehr. Ich weiß gerne, woran ich bin, worauf es ankommt, was die Position oder Erwartung meines Gegenübers ist. Mit Zuspitzungen oder radikaler Ehrlichkeit kann ich gut umgehen. Und schließlich ist natürlich Verlässlichkeit des Gesagten viel wert.

Du bist seit einigen Jahren bei der Lufthansa Technik beschäftigt, auch an verschiedenen Standorten. Was begeistert dich nach wie vor an diesem Konzern?

Was den Lufthansa-Konzern auszeichnet, ist die Solidarität und der enorme Zusammenhalt unter den Mitarbeitenden. „Lufthanseatin“ oder „Lufthanseat“ zu sein, verbindet über Bereichs- und Gesellschaftsgrenzen hinweg, egal ob am Boden oder in der Luft. Das zeigt sich in guten wie in schlechten Zeiten – und ganz besonders in der aktuellen Corona-Krise, die weltweit für unsere Branche und unser Unternehmen Folgen ungekannten Ausmaßes hat. Gerade in schwierigen Situationen ist es motivierend zu sehen, wie groß die gegenseitige Unterstützung und Bestärkung sind. Was mich zudem immer wieder fasziniert, ist die enorme Expertise und Leidenschaft, die bei Lufthansa Technik zu wirklich jedem Gebiet der Flugzeugtechnik vorhanden ist.

Was machst du genau als Head of Key Account Management & Customer Service bei Lufthansa Technik?

Ich verantworte in einer unserer Business Units den Kundendienst für die Region EMEA. Mein Team bildet das Bindeglied zwischen unseren Airline-Kunden und unserem internationalen Reparatur- und Ersatzteilbetrieb. Meine Aufgabe ist kommunikationsintensiv und abwechslungsreich: Es gibt viel zu koordinieren und zu entscheiden, von personeller Kapazität über Konzeptionelles bis zum Umgang mit zeitkritischen Reparaturen, damit ein Bauteil rechtzeitig wieder zurück bei der Airline ist und dort der Flugbetrieb reibungslos weiterlaufen kann. Wir optimieren auch immer wieder Prozesse, um operative und kommerzielle Risiken für unsere Kunden genauso wie für uns selbst zu vermeiden. Am Ende geht es immer darum, die richtige Balance zu finden zwischen individuellen, flexiblen Lösungen für sehr unterschiedliche Kundenbedürfnisse und einheitlichen Standards für unsere internen Abläufe an mehreren Standorten.

Führungspersonen sollten eine Art Vorbild sein. Was lebst du deinem Team vor?

Adressatengerechte Kommunikation, egal ob es um den Kontakt mit einer Kundin oder um interne Zusammenarbeit mit einem Kollegen geht: Ich denke meine Botschaft aus der Perspektive der Person, die sie empfängt, und gestalte sie entsprechend. Denn was uns intern bewegt, ist nicht unbedingt das, was die Kundin interessiert. Die braucht vielmehr eine Lösung, ein voraussichtliches Lieferdatum oder die Bestätigung, dass ihr Anliegen bei uns mit Priorität bearbeitet wird. Wenn mir ein Kollege zuarbeitet, hilft es mir ebenso, mir bewusst zu machen, welche Informationen oder Zielvorgaben er in seiner Funktion und Situation von mir braucht. Je tiefer man selbst in einem Thema steckt, desto schwerer fällt es manchmal, sich von der eigenen Perspektive zu lösen. Wenn man sich trotzdem einen Moment dafür nimmt und sich in die andere Person hineindenkt, spart das später oft sehr viel Zeit und Energie.

 

 

Du bezeichnest dich als „Advocate for Diversity and Gender Equality“. Was verbirgt sich dahinter?

Das ist mein Herzensthema. Für mich liegt es auf der Hand, dass eine Vielfalt an Denkweisen, Problemlösungsansätzen, Fähigkeiten und Erfahrungshintergründen ein Team kreativer und effektiver macht. Das kann zwischendurch auch herausfordernd sein und Reibung erzeugen. Unterm Strich jedoch setzt Vielfalt eine positive Dynamik frei. Das erlebe ich sowohl in den Führungsteams, in denen ich selbst Teammitglied bin, als auch in den Teams, die ich leite. Die Dynamik in Technologie, Wirtschaft und Gesellschaft stellt Organisationen vor ständig neue Herausforderungen, in denen sich die gewohnten Lösungen nur begrenzt bewähren. Die aktuelle Corona-Krise ist das beste Beispiel dafür: Schlagartig bezeichnen wir ganz andere Tätigkeiten als „systemrelevant“ als bisher. Da braucht es vielfach andere Fähigkeiten und Eigenschaften als in der früheren Normalität. Gerade in solchen Situationen zeigt sich, wie sehr sich Menschen mit unterschiedlichen Kompetenzen und Lebensrealitäten stärken und ergänzen.

Wo genau siehst du die größten Herausforderungen in unserer Gesellschaft in puncto Diversity und was würdest du dir in diesem Zusammenhang wünschen?

Ich wünsche dem Thema Diversität einen ähnlich steilen Aufstieg wie dem Thema Nachhaltigkeit. Die Bedeutung von Nachhaltigkeit für unser aller Leben stellt fast niemand mehr in Frage. Bei Diversität kratzen wir im Diskurs eher noch an der Oberfläche. Da geht es zu oft nur um offensichtliche Merkmale von Vielfalt wie Alter, Geschlecht oder Herkunft. Dabei sind es ja nicht stereotype äußere Eigenschaften, die Teams und Unternehmen nachweislich erfolgreicher machen, sondern die damit verbundenen tieferliegenden Aspekte wie Erfahrungshintergrund, Herangehensweise an komplexe Sachverhalte oder Persönlichkeitsausprägung. Wenn wir eine Verbreiterung und Versachlichung des Begriffs Diversity erreichen, ist das ein wichtiger Schritt, um das Thema aus der Nische zu holen und massentauglich zu machen.

Du hast 2017 einen MBA Studiengang begonnen. Was genau waren die Beweggründe dafür?

Ich habe ein Magisterstudium in Englischer Linguistik absolviert und bin anschließend als Quereinsteigerin im Lufthansa-Konzern ins Berufsleben gestartet. Dort habe ich in unterschiedlichen Positionen viele betriebswirtschaftliche Themen kennen gelernt. Dieses Wissen aus der Praxis wollte ich durch den MBA mit einem theoretischen Fundament vertiefen und ausbauen. Eine große Bereicherung.

Wie lädst du deine Batterien wieder auf, wenn deine Energie so langsam nachlässt?

Ich meditiere fast jeden Morgen, das zentriert und ordnet die Gedanken. Energie bekomme ich beim Yoga und beim Laufen. Und worauf ich besonders in turbulenten Zeiten nicht verzichten kann, ist Zeit und Gespräche mit vertrauten Menschen.

Du bist in dem Netzwerk Mission Female aktiv. Was ist für dich an diesem Netzwerk besonders?

Die Verbindlichkeit und große Hilfsbereitschaft unter den Mitgliedern ist sehr besonders. Es geht bei uns ganz explizit darum, wer gerade was braucht und wie die Expertise oder die Kontakte anderer Mitglieder dabei helfen können. Obendrein bin ich von der Vielfalt der Profile und Expertise bei Mission Female immer wieder begeistert. Das ist eine wunderbare Ergänzung zu meinem großen und bunten Lufthansa-internen Netzwerk.

Welche Tipps würdest du Frauen generell in Bezug auf das Netzwerken geben?

Man sollte Netzwerke nicht als reine 1:1-Verhältnisse denken, sondern als eine Art System, in das man etwas hineingibt, wenn man einer Person mit Wissen, Kontakten, Ideen oder Einschätzungen weiterhelfen kann. Irgendwann suche ich Unterstützung – und bekomme sie vielleicht von einer ganz anderen Person im Netzwerk. Und auch hier gilt: Wer etwas braucht, sollte das so klar wie möglich formulieren und das Helfen für die andere Person so einfach und unkompliziert wie möglich machen.

Wie gehst du persönlich mit der aktuellen Situation rund um Corona um? Hast du Strategien und Tipps, wie du weiterhin motiviert nach vorne blickst?

Ich erhalte so viele Routinen wie möglich aufrecht, zum Beispiel das Fertigmachen für einen Bürotag, obwohl ich von zu Hause aus arbeite, oder den kurzen Gang um den Block nach dem Mittagessen, als würde ich von der Kantine zurück an meinen Arbeitsplatz gehen. Neben den enormen Herausforderungen sehe ich sehr viel Positives in dieser besonderen Zeit: Verantwortungsbewusstsein, Offenheit für Neues und kollektive Rücksichtnahme sind ausgeprägt wie nie. An vielen Stellen herrscht gerade ein vielversprechender Modus des Ausprobierens, Lernens und Nachjustierens. Das finde ich ungemein motivierend.

 

Weiterführende Links:

https://www.linkedin.com/in/madeleine-fohrer-53b10150/

https://www.xing.com/profile/Madeleine_Fohrer/cv

https://www.missionfemale.com/#mission

https://www.lufthansa-technik.com/

 

Bilder: ©Daniela Möllenhoff

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