FI: Forgestellt & Inspiration

FORGESTELLT: Malina und Ben, Unternehmer und digitale Nomaden

13. Oktober 2020

Von Malina und Ben habe ich zufällig in einem Podcast erfahren und fand die beiden von Anfang an sehr sympathisch und authentisch. Da ich selbst das digitale Nomadentum spannend finde, freue ich mich umso mehr, dass sie bei FIELFALT mitmachen. Beide sind nicht nur lokal auf einer Reise, sondern auch gedanklich. Wie sie ein ganz neues Leben begonnen haben, wie sie sich selbst immer neu erfinden und warum für sie der Weg und die Freude dabei das Wichtigste sind, berichten sie uns in diesem Porträt.

 

Liebe Malina, lieber Ben, wofür seid ihr in eurem Leben dankbar?

Malina: Ich bin jeden Tag aufs Neue für viele „kleine“ Dinge dankbar: Essen, ein Dach über dem Kopf, meinen Körper, meine Familie und Freunde, einen schönen Sonnentag etc. Dankbarkeit ermöglicht es mir immer wieder, meinen Fokus auf die vielen positiven Dinge zu lenken.

Grundlegend bin ich aber auch sehr dankbar dafür, mit Ben jemanden gefunden zu haben, der mich so annimmt wie ich bin, der diesen Lebensstil teilt und all diese verrückten Abenteuer mit mir erlebt. Ich bin dankbar, dass ich den Mut hatte, mein Leben zu hinterfragen und mir nun Stück für Stück das Leben gestalte, das ich wirklich leben möchte.

Ben: Mir geht es da ähnlich. Ich liebe es, auf die Kleinigkeiten zu achten und bin dankbar für ein gutes Gespräch, ein leckeres Essen oder ein Spaziergang im Sonnenschein.

Dann finde ich es aber auch extrem spannend, mir immer wieder bewusst zu machen, welches Glück ich doch hatte, dass ich als Deutscher in diese großartige Zeit hineingeboren wurde…das ist echt wie ein 6er im Lotto, wenn man einmal darüber nachdenkt. Der Einzelne hat aufgrund des technologischen Fortschritts und der globalen Vernetzung heutzutage so viele Freiheiten wie niemals zuvor in der Geschichte der Menschheit. Das gilt natürlich besonders für uns Deutsche, die zudem von dem Wohlstand und der Bildung profitieren. Ich bin sehr dankbar, dass ich erkannt habe, dass die Chance, mir ein Leben nach meinen eigenen Vorstellungen aufzubauen, direkt vor mir lag.

Und ich bin dankbar, dass ich den Mut hatte, den Schritt zu gehen und zudem das Glück hatte, mit Malina jemanden gefunden zu haben, die dasselbe will.

Habt ihr ein Motto, welches euch leitet?

Unser gemeinsames Motto ist vermutlich: „Enjoy the process“. Alles ist ein Prozess und jede Erfahrung ist für irgendetwas gut, auch wenn wir es manchmal nicht auf den ersten Blick sehen können.

Malina: Mein persönliches „Motto“ ist: Wie sehr du dich selbst liebst, bestimmt die Qualität all deiner Erfahrungen im Leben. Daher ist es für mich das Wichtigste, mich selbst immer mehr anzunehmen, mit allem, was da ist.

Ben: Ein Satz der mich schon sehr lange begleitet, lautet: „Immer, wenn du denkst, du kannst nicht, ist die Wahrheit, du willst nicht.“ Diese Erkenntnis ist manchmal hart, aber viel öfter unfassbar machtvoll, da sie mich daran erinnert, dass ich nicht Opfer der Umstände bin, sondern selbst „im Fahrersitz meines Lebens“ sitze.

Ihr seid im September 2018 nach Zypern ausgewandert, um dort ein Unternehmen zu gründen und als digital Nomaden unterwegs zu sein. Wie kam es dazu? Und gab es so etwas wie einen Auslöser?

Malina: Da müssen wir kurz mal ein wenig ausholen. 😉 Es ist April 2016 und Ben kam gerade von seinem 6-monatigen Sabbatical durch Süd-Ost-Asien zurück. Braun gebrannt saß er an meinem Wohnzimmertisch und wir philosophierten darüber, wie unser Leben zukünftig aussehen soll. Für ihn war klar, er möchte nicht länger in der Bank arbeiten. Für mich war klar, ich möchte irgendwann auch mal sechs Monate am Stück reisen. Aufgrund vertraglicher Verpflichtungen hat es dann noch ein Jahr gedauert, bis Ben letztendlich bei der Bank gekündigt hat. 2017 war dann das Jahr, in dem seine Selbstständigkeit gestartet hat und er einfach mal Einiges ausprobieren konnte. Ich habe zu der Zeit gerade noch einen neuen Job als Führungskraft angetreten und dachte, das ist es jetzt. 😉 Wars aber nicht! Die Reiseidee verfestigte sich in der ganzen Zeit immer mehr in meinem Kopf und bei der gefühlt 100sten Internetrecherche bin ich dann auf diesen Begriff „digitale Nomaden“ gestoßen. Das Konzept klang zunächst mal ganz gut: arbeiten und reisen gleichzeitig. Als ich Ben das erste Mal davon erzählte, dachte er, ich meine das nicht ernst. Erst als wir uns dann im Frühling 2017 entschieden haben für April 2018 ein „DNX Camp“ (eine Art Workation für digitale Nomaden oder solche, die es werden wollen) auf Bali zu buchen, nahm das ganze Vorhaben Züge an. Wir überlegten uns, wie unser Leben aussehen soll und wie wir das erreichen können. Am Ende habe ich dann meinen Job zum März 2018 gekündigt und wir sind zum ersten Mal als digitale Nomaden auf Probe nach Bali gereist. Im Rahmen dieses Camps haben wir viele tolle und offene Menschen kennengelernt, die schon das Leben führten, das wir uns wünschten. Ein Paar war unter anderem erst vor kurzem nach Zypern ausgewandert und hat einen Vortrag darüber gehalten, was man beachten sollte und was die Vorteile sind. Die Idee, unseren Wohnsitz auf einer mediterranen Insel zu haben, hat uns direkt begeistert. Im Mai 2018 war dann die Entscheidung gefallen: Wir werden Deutschland verlassen, all unsere Sachen verkaufen, in Zypern eine Firma gründen und dort unseren Wohnsitz anmelden. Gesagt, getan und Anfang September ging es mit dem Flugzeug, zwei Backpacks und einer Kiste nach Zypern.

Empfindet ihr euch selbst als mutig, diesen Schritt gewagt zu haben?

Ein Teil von uns empfindet sich schon als mutig. 😊 Der andere Teil sagt sich: Wir hatten doch nichts zu verlieren, denn wir hätten jederzeit zurückkommen können.

Womit verdient ihr euer Geld?

Das ist eine gute Frage. 😊 Wir haben als klassische Freelancer begonnen, indem wir Projektmanagement, Copywriting etc. angeboten haben.

Malina: Ich habe mich dann Anfang 2019 als Stressmanagerin und Selbstliebe Coach selbstständig gemacht und damit Geld verdient. Nebenbei bin ich gleichzeitig immer meiner Schreibleidenschaft gefolgt und habe für andere Content produziert. (Blogbeiträge, Newsletter, Landingpages etc.). Im Rahmen meiner Selbstständigkeit habe ich zu Beginn alles alleine gemacht und mir so sehr viele neue Skills angeeignet. Mittlerweile habe ich erkannt, dass ich nicht mehr coachen möchte und es mir viel mehr Spaß macht, Webseiten zu bauen, Texte zu schreiben und zu verstehen, warum Menschen kaufen, was sie kaufen.

Ben: Ich habe schon immer gerne geschrieben, habe aber eine ganze Zeit lang gedacht, dass ich als Banker nun einmal auch nur in diesem Bereich Geld verdienen kann. „Wer stellt denn schon einen Texter ein, der keinerlei Abschlüsse, Zertifikate oder Referenzen in dem Bereich vorzuweisen hat?“ dachte ich mir.

Wie sich herausstellte, gibt es eine sehr große Nachfrage nach guten Textern und so habe ich meine analytische Ader, mein Finanzwissen und meine Leidenschaft fürs Schreiben verbunden und angefangen, für Kunden Content zu produzieren. Zunächst im Finanz- und Kryptowährungsbereich, sehr schnell dann aber auch in anderen Bereichen.

Um jedoch gute Beiträge und vor allem Webseiten-Texte für Start- und Verkaufsseiten schreiben zu können, muss ich viel über den Unternehmer sowie das Ziel und die Werte des Unternehmens wissen. Die meisten Kunden konnten meine Fragen jedoch gar nicht beantworten, weshalb wir es dann gemeinsam erarbeitet haben. So habe ich neben der Content-Erstellung immer öfters auch gleich eine Strategieberatung im Vorfeld durchgeführt, um die gesamte Unternehmensausrichtung direkt rund und passend zu gestalten (Storytelling bietet hier super Möglichkeiten.)

Aus unseren beiden Erfahrungen und Prozessen ist dann die Idee entstanden, eine Agentur für Neuromarketing zu gründen, denn am Ende geht es immer um die Frage, wie man am besten „gehirngerecht“ kommuniziert. Dort können all unsere Kompetenzen gebündelt werden. Daher arbeiten wir jetzt beide in unserer Neuromarketing-Werkstatt. Schaut gerne mal vorbei. 😉

Was ist der Vorteil des digitalen Nomadentums für euch?

Einer der großen Vorteile ist die Freiheit. Wir sind zu 100 % selbstbestimmt und können immer flexibel entscheiden, was wir wo machen möchten. Wenn es uns irgendwo sehr gut gefällt, dann können wir ganz frei entscheiden, dort länger zu bleiben. Auch die Tätigkeiten, die wir ausüben möchten, können wir frei wählen und müssen uns nicht auf eine Sache begrenzen.

Malina: Ich habe so viele Interessen und finde es super, neue Dinge auszuprobieren und einfach einmal zu schauen, wie die Resonanz ist und ob mir das dauerhaft Spaß machen könnte. Dadurch lernt man sich noch viel intensiver kennen.

Ben: Ich liebe auch vor allem die Freiheit und die Selbstbestimmtheit. Wenn mir etwas in meinem Leben nicht mehr gefällt, kann ich es deutlich schneller anpassen als zuvor.

Und auf was könntet ihr auch gut verzichten?

Es gibt immer zwei Seiten einer Medaille. Grundlegend möchten wir auf nichts verzichten, da es einfach dazugehört. 100% selbstbestimmt zu sein ist toll, bedeutet aber eben auch, dass wir für alles selbst verantwortlich sind. Überall leben zu können ist der Wahnsinn, bedeutet aber auch, sich immer wieder entscheiden zu müssen. Das Auswandern nach Zypern war eine super Idee, bedeutet aber auch, dass wir unsere Freunde und Familie weniger sehen. Alles hat Vor- und Nachteile und wir würden lügen, wenn wir sagen würden, es wäre immer alles rosarot. Aber was wir aus vollem Herzen sagen können: Wir bereuen unseren Lebenswandel nicht und für uns ist es genau das Richtige.

Worauf wir dennoch verzichten könnten ist schlechtes W-Lan, ungemütliche Arbeitsstühle und harte Matratzen. 😉

Welchen Ratschlag würdet ihr jemanden geben, der/die auch digitale(r) Nomade/Nomadin werden möchte?

Das ist eine gute Frage. Aus unserer Sicht empfiehlt es sich, zu Beginn das Leben als digitaler Nomade erst einmal zu testen. Reise an einen „Nomaden-Hotspot“ wie Bali oder Chiang Mai und verbringe dort mal ein paar Monate. Dann wirst du schnell merken, ob dieser Lifestyle für dich passt oder nicht.

Ein weiterer Punkt: Im Nachhinein betrachtet hätten wir uns zu Beginn mehr Zeit geben sollen, um in dem neuen Leben anzukommen. Wir haben von Beginn an direkt sehr viel gearbeitet und unsere Emotionen sind nicht so richtig hinterhergekommen. Daher empfehlen wir dir, am Anfang ein bis zwei Monate einzuplanen, in denen du nicht zwangsläufig arbeiten musst, um deinen Lebensunterhalt zu verdienen, sondern in denen du dich langsam an die neue Situation gewöhnen kannst.

 

Wie habt ihr euch selbst durch den neuen Lebensstil verändert?

Malina: Ich würde sagen wir sind grundlegend noch offener und noch neugieriger geworden, da wir stets so vielen unterschiedlichen Menschen und Kulturen begegnen. Dann sagen wir immer, dass die letzten 2 Jahre für uns eine riesige Persönlichkeitsentwicklungsreise waren. Wir mussten uns mit vielen Glaubenssätzen und Emotionen auseinandersetzen, um überhaupt erfolgreich sein zu können. Das sind Dingen wie: Was kann ich überhaupt? Wie viel sind meine Fähigkeiten wert? Inwieweit hängt dieser Preis mit dem Wert von mir als Person zusammen. Wie schaffe ich es, mich selbst zu strukturieren und zu motivieren? Wie kann ich Sicherheit in mir finden, auch wenn das Einkommen schwankt? Wie gestalten wir unsere Beziehung erfolgreich, wenn wir 24/7 zusammen sind? Was denke ich eigentlich über Geld und reiche Menschen?

Du merkst schon, da kommt einiges hoch. 😊 Was wir aber vor allem gelernt haben ist, das Leben leicht zu nehmen und die Dinge, die uns Spaß machen, lieber früher als später zu tun. Denn keiner von uns weiß, wie lange er noch auf dieser Erde sein darf. Wir sind mittlerweile überzeugter als jemals zuvor: Das Leben ist da, um gelebt zu werden und nicht, um irgendwo anzukommen. „Enjoy the ride!“ 😉

Was möchtet ihr alles in den kommenden Monaten wagen?

Wir wagen es, unsere Agentur im Bereich Neuromarketing immer mehr zu bewerben und uns noch mehr Wissen in diesem Bereich anzueignen.

Malina: Ich wage es, mein Selbstliebe Coaching fast komplett stillzulegen.

Ben: Ich möchte es wagen, noch mehr Geschichten zu erzählen und Leute mit in meine Gedankenwelt zu nehmen.

Zu guter Letzt: Was möchtet ihr der FIELFALT Community mit auf den Weg geben?

Jede Reise beginnt mit dem ersten Schritt. Egal, wie groß dein Traum dir erscheinen mag, wenn du Schritt für Schritt vorangehst, dann kommst du irgendwann an.

Malina: Wir alle sind die Summe unserer Kindheitserfahrungen und es ist nie zu spät, diese Erfahrungen zu hinterfragen und zu erkennen, dass du so wie du bist, gut genug bist. Wenn wir aufhören, uns selbst zu verurteilen und anfangen, auch unsere vermeintlich „schlechten“ Seiten zu akzeptieren, dann ist das Leben so viel leichter. Ich habe lange geglaubt, dass ich nicht liebenswert bin und mir die Liebe von anderen verdienen muss, indem ich ihre Erwartungen erfülle. Ich habe langsam aber sicher gelernt, dass ich mir selbst die Liebe geben kann, nach der ein Teil in mir sich immer gesehnt hat. Je mehr ich bei mir angekommen bin, umso leichter wurde mein Leben. Mein Leitsatz ist: „Ich gebe immer mein bestes und das ist immer gut genug.“ Auch du bist genug!

Ben: Wir leben in den absolut großartigsten Zeiten, die es bisher gab, wenn man sich selbst entfalten möchte und ein Leben nach den eigenen Vorstellungen führen möchte (was auch immer das für dich bedeutet). Klar ist der Weg dorthin anstrengend. Aber er lohnt sich immer!

Problem ist oft nur, dass die meisten gar nicht wissen, was sie eigentlich wollen. Klar, wir wurden ja auch nie ermutigt, darüber nachzudenken. Und wenn man dann doch etwas findet, dann sind schnell Freunde, Kollegen oder Familienmitglieder zur Stelle, die einem einreden, dass dieser Lebenswandel naiver Quatsch sei und sowieso nicht funktioniert. Oft ist dafür nicht einmal jemand von außen notwendig, sondern die Gedanken im eigenen Kopf machen einen für diese außergewöhnliche Idee nieder. (Kenne auch ich nur zu gut.)

Das Geheimnis, das sie jedoch nicht verstehen, lautet: Es geht gar nicht darum, dass es gleich zu Beginn perfekt wird. Es geht darum, sich in eine selbst gewählte Richtung in Bewegung zu setzen. Denn dann trifft man zwangsweise inspirierende Menschen, erkennt neue Perspektiven und es passieren Wunder.

Und wenn du dann irgendwann auf dem Sterbebett liegst und zurückschaust, wirst du erkennen, dass nicht alles immer geklappt hat und vieles vielleicht wirklich naiv war. Aber du wirst auch sagen können: „Es war eine geile Zeit!“

Und darum geht es am Ende doch, oder?!

 

Weiterführender Link:

https://www.instagram.com/journeyofjoy.de/

 

Bilder: ©Mirjam Kilter

    Leave a Reply