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FORGESTELLT: Melanie Hughes, Autorin des Buches „Will ich ein Kind? Ja – Nein – Vielleicht“ und Geschäftsführerin der Q division GmbH

24. Februar 2020

Melanie Hughes spricht mit ihrem Buch ein Thema an, welches viele Frauen beschäftigt: Kind ja oder nein? Sie möchte emotional Frauen abholen und sie bestärken, dass die Entscheidung sehr individuell ist und von niemandem verurteilt werden sollte. Im Portrait spricht sie über ihren eigenen Entscheidungsweg und wie sie nun damit lebt. Darüber hinaus macht sie Mut, zu sich und den persönlichen Entscheidungen zu stehen.

 

Liebe Melanie, welche drei Eigenschaften würde deine beste Freundin nennen, wenn ich sie zu dir befrage?

Ich könnte mir vorstellen, sie würde mich als mutig beschreiben. Und als Kopfmensch, der am Ende doch immer das tut, was der Bauch will. Dazu brauche ich dann wohl den Mut.

Du bist Geschäftsführerin bei Q division GmbH. Wie kam es dazu und was waren deine Meilensteine davor?

Ich war bei der Mutterfirma angestellt und leitete dort einen Geschäftsbereich, den wir schließlich ausgegründet und Investoren gesucht und gefunden haben. So wurde ich zur Geschäftsführerin berufen.

Du bist auch Buchautorin und hast das Buch „Will ich ein Kind? Ja – Nein – Vielleicht“ geschrieben. Wie ist es dazu gekommen?

Die Frage, ob man ein Kind möchte oder nicht, stellt sich jeder Frau irgendwann. Doch während einige Frauen in meinem Umfeld scheinbar mühelos eine Entscheidung fällen konnten und Kinder bekamen, blieben andere einschließlich mir selbst bis Ende dreißig noch immer unentschlossen. Und irgendwann drängte die Zeit, denn bald würden die brauchbaren Eizellen verschossen sein. Und so setzte ich mich intensiv damit auseinander, warum es mir so schwer fiel eine Entscheidung für oder gegen Nachwuchs zu treffen.

Was möchtest du mit deinem Buch bewegen und erreichen?

Das Buch ist kein Manifest gegen Kinder und kein Überzeugungsbuch dafür. Es soll betroffene Frauen auf heitere Art und Weise in ihrer Gefühlslage abholen. Denn es gibt erstaunlich viele Frauen, die ihren Kinderwunsch immer weiter aufschieben oder wie ich nicht wissen, ob sie einen haben. Und diesen Frauen möchte ich mit einer Abkürzung durch das Gefühlschaos zu einer Entscheidung verhelfen. Wie auch immer sie ausfällt. Denn nur, wenn ich mich mit meinen Gefühlen auseinandersetze und aktiv entscheide, kann ich spätere Reue vermeiden. Denn das ist ja die größte Sorge: Man könnte in seinen Dreißigern etwas tun oder unterlassen und es später für immer bereuen.

Du sprichst davon, dass das Kinderkriegen eine der Entscheidungen schlechthin ist. Hattest du selbst davor Angst und wenn ja, warum?

Es ist eine weichenstellende und irreversible – also nicht umkehrbare – Entscheidung, noch dazu eine, deren Konsequenz mein Leben stark bestimmen wird. Außerdem muss sie in einem verhältnismäßig kurzen fruchtbaren Zeitfenster getroffen werden und das erzeugt Druck.

Du hast dich letztendlich für das Kinderkriegen entschieden und hast mittlerweile eine Tochter. Wie und wann kam dieser Turning Point?

Am Ende des Gefühlswirrwarrs geht es nur rechts oder links: keinen Versuch unternehmen, Kinder zu bekommen oder es versuchen zu wollen. Ob es dann klappt ist ein ganz anderes Kapitel und kann ebenso leidvoll sein. In meinem Fall kam ich zu dem Schluss, es zumindest versuchen zu wollen. Heute bin ich froh, es gewagt zu haben und dankbar, dass ich Mutter geworden bin.

Inwiefern hat deine Tochter dein Leben verändert und in welchen Bereichen findest du die Veränderung am gravierendsten? I

Ich habe einen Thermomix in der Küche, den ich nie wollte! Und meine Prioritäten haben sich geändert. Aber ich war mir bereits im Vorfeld bewusst, dass mich das Muttersein stark verändern würde – ein Aspekt, warum ich mich so schwer tat.

Warum glaubst du, fällt es den Frauen so schwer, sich für (oder auch gegen) Kinder zu entscheiden?

Einerseits sind es ganz viele persönliche Themen, die die Entscheidung beeinflussen. Mir haben viele Punkte im Vorfeld große Sorgen bereitet. Seien es die Veränderungen, die man als Frau (auch körperlich) durchlebt, die Partnerschaft, die sich mit Kind verändern würde oder auch die Einschränkung persönlicher Freiheit und (finanzieller) Unabhängigkeit. Andererseits ist die Entscheidung auch stark durch Dritte beeinflusst. Politik, Arbeitgeber und unsere Gesellschaft schaffen die Rahmenbedingungen und tragen damit zu der Entscheidung bei, ob die Gebärmutter zum Einsatz kommt oder funktionslos den Unterleib dekoriert. Das fängt bei mangelndem Kinderbetreuungsangebot an und endet bei beruflicher Perspektivlosigkeit für Mütter. Eine große Baustelle ist in Familien auch das Ungleichgewicht zwischen Mann und Frau. Überwiegend die Mütter tragen die Nachteile der Kindererziehung. Sie sind es, die in Teilzeit arbeiten, finanzielle Nachteile erfahren, auf die kranken Kinder aufpassen und Haushalt und alles darum herum organisieren. Somit sind auch Männer maßgeblich an der Entscheidung beteiligt (unabhängig davon, ob sie für sich selbst entscheiden müssen, ob sie Vater werden möchten).

Was müsste deiner Meinung nach passieren, damit die Entscheidung pro oder contra Kinder leichter fällt?

Zum einen sollten Frauen von der gesellschaftlichen Pflicht entbunden werden, Kinder zu bekommen. Gewollte Kinderlosigkeit ist eine autonome Entscheidung. Und so lange die Rahmenbedingungen so sind, dass meist die Mütter allein die Nachteile der Kindererziehung auf ihr Konto nehmen müssen, hat keiner das Recht, mitzureden oder auch nur zu urteilen. Und andererseits sollten Politik und Arbeitgeber (und eigentlich alle, die planen, das Renteneintrittsalter zu erreichen), Müttern ein Leben zwischen Arbeit und Familie ermöglichen, das sie nicht in ihren Vierzigern mit einer Energiebilanz leben lässt wie ein spritschluckender SUV im Stadtverkehr. Und damit meine ich nicht, dass Unternehmen das Eizellen-Einfrieren sponsern, damit man mit dem Kinderkriegen ja noch wartet, sondern moderne Arbeitsmodelle, die sich um die Familie organisieren, und nicht umgekehrt.

Als Geschäftsführerin hast du einen fordernden Job, der sicherlich nicht immer leicht mit der Familie zu vereinbaren ist. Wie gehst du persönlich den Punkt der Vereinbarkeit an und wie organisierst du dich als Working Mom?

Organisatorische bekomme ich das dank der Flexibilität meiner Kollegen und Kunden gut auf die Reihe und arbeite aktuell ein paar Stunden am Tag im Homeoffice. So lange ich mir die Zeit frei einteilen kann, komme ich zurecht. Emotional ist das schwieriger, denn das schlechte Gewissen bleibt und noch habe ich keine Antwort darauf, wie ich damit umgehen soll.

Zu guter Letzt: Was möchtest du der FIELFALT Community mit auf den Weg geben?

In Zeiten, in denen jede Einkaufsstraße in Europa die gleichen Geschäfte ziert, alle mit der gleichen Handtasche auf die Straße gehen und die gleichen IKEA-Möbel in der Wohnung haben: Seid anders! Seid mutig! Und bleibt anständig dabei.

 

Melanies Buch ist am 7. Februar 2020 im Edel Books Verlag erschienen – Ein Verlag der Edel Germany GmbH: https://www.amazon.de/Will-ich-ein-Kind-Vielleicht/dp/3841906923/ref=sr_1_3?__mk_de_DE=ÅMÅŽÕÑ&crid=2I9Q9NX1V7O29&keywords=will+ich+ein+kind&qid=1578908829&sprefix=will+ich+ein+%2Caps%2C215&sr=8-3

 

Titelbild: ©Patrick Lipke

  • Reply
    Cornelia
    29. Februar 2020 at 20:38

    Super spannendes Thema!

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