FI: Forgestellt & Inspiration

FORGESTELLT: Natascha Engler, Director EMEA Travel Category bei Groupon

15. Juni 2020

Natascha Engler reist privat wie beruflich lieber mit leichtem Gepäck, macht sich aber viele Gedanken über ihre Rolle als Führungsperson. Was sie nach acht Jahren bei Groupon immer noch an dem Unternehmen fasziniert, für welches Land ihr Herz schlägt und warum sie lieber ein bisschen mehr verrückt als normal ist, beschreibt sie uns in diesem tollen Portrait.

 

Liebe Natascha, bei deiner Positionsbezeichnung muss ich dich natürlich fragen, was dein Lieblingsreiseziel ist und wieso?

Einerseits ist das eine sehr schwierige Frage, da ich sehr sehr viel gereist bin (sogar am Kap Horn, mit dem Rucksack durch den Dschungel, mit dem Camper durch Namibia und vieles mehr) und auch im Ausland (Schweiz/Singapur) gelebt habe. Jedes Land bringt so viel Neues, Interessantes und auch Unterschiedliches zutage (Kultur, Sprache, Essen, Land, Leute, Eindrücke…). Generell liebe ich Asien und besonders beeindruckt hat mich Myanmar. Eigentlich ist es aber eine sehr einfache Frage für mich, denn ich liebe Italien über alles, besonders die Toskana. Daran hängt mein Herz seitdem ich 16 (!) war und das erste Mal auf einem toskanischen Hof unterm Baum mit selbstgemachter Pasta und einem Glas Rotwein saß. Das hat sich so sehr in meine Seele gebrannt, dass ich diesen Moment immer und immer wieder erleben möchte, weil es mich glücklich macht.

Und was darf bei dir auf Reisen im Gepäck nie fehlen?

Ich habe über die Jahre gelernt, sehr leicht zu reisen, also z. B. auch bei drei Wochen Bali nur mit Handgepäck. Deshalb habe ich die Einstellung, dass Reisepass und Kreditkarte eigentlich genügen. Ich habe immer mindestens ein Buch (meistens mehr) dabei, und zwar nicht auf dem Kindle, da ich meine Bücher gerne zerfleddere. Und auch mein iPad darf nie fehlen, da ich dort die ganze Reiseplanung hinterlegt und auch BIlder dabei habe (für private Reisen bin ich ein Fan der Vorbereitung). Ich fotografiere gerne und lade die Bilder, etwa vom Tauchen, immer sofort aufs iPad. Dort kann ich sie betrachten, aussortieren und Alben kreieren, aus denen ich später Bücher drucken lasse. Außerdem ist es immer schön, Bilder der Familie und von Freundinnen und Freunden dabei zu haben, da ich auch beruflich viel reise. So sind immer alle bei mir.

Du bist Director Category Management EMEA Travel bei Groupon. Was genau sind deine Aufgaben und wie sieht in etwa dein beruflicher Alltag aus?

Mein Team ist dafür verantwortlich, die richtigen Reiseerlebnisse zum richtigen Preis zur richtigen Zeit auf der Plattform zu platzieren. Außerdem sorgen wir dafür, dass wir unsere Kund*innen über die entsprechenden Kanäle erreichen, z.B. E-Mail-Newsletter, Bannerwerbung oder soziale Medien. Seit dem letzten Jahr bin ich auch an der Weiterentwicklung und Optimierung der Plattform beteiligt. Wir wollen, dass das Reiseerlebnis für unsere Kund*innen gleich beim Besuch von Groupon beginnt, wo wir sie dazu inspirieren, neue Orte zu entdecken – egal ob auf einer Rundreise, bei einem Wochenendtrip oder einer luxuriösen Übernachtung im Hotel in der eigenen Stadt.

Wie bist du zu Groupon gekommen und was macht dieses Unternehmen für dich so besonders?

Nun bin ich seit fast acht Jahren bei Groupon und es fasziniert mich immer noch, wie viel man als Mitarbeiterin mitgestalten kann. Ich arbeite mit dem US-amerikanischen Team an internationalen Projekten und mein eigenes Team sitzt über ganz Europa verteilt, aber alle haben wir ein Ziel: Wir bescheren den Groupon-Kund*innen mit unseren tollen Reisedeals viele Millionen schöner Momente. Groupon ist ein sogenanntes Digital-Native-Unternehmen und es ist großartig, wie die Kommunikation und Prozesse hier global miteinander verknüpft und sehr transparent sind. Es macht Spaß, mit den Teams um den gesamten Globus an gemeinsamen Projekten für unsere Kundinnen und Kunden zu arbeiten. Damit diese immer wieder erfahren: „Check Groupon first“ lohnt sich und mit unseren Angeboten können wir sie immer wieder überraschen und begeistern.

Du kennst dich auch aus in puncto Gründung einer Beratungsgesellschaft. Bitte berichte uns doch mehr darüber und auch, worin hier die Chancen, aber auch Herausforderungen liegen.

Das war eine sehr prägende und intensive Phase, da ich zur selben Zeit meinen Sohn bekam. Generell hat es mich vor die Aufgabe gestellt, mir genau Gedanken zur angebotenen Leistung zu machen und ich hatte mich daher auf die Beratung großer Unternehmen in Bezug auf Reisekostenoptimierung konzentriert. Die Herausforderung lag darin, die Programme so modular aufzubauen, dass jedes Unternehmen diese Modelle sehr individuell nach den jeweiligen internen Anforderungen über mein Unternehmen abwickeln konnte. Das bedeutete, dass ich sehr viel Zeit damit verbracht habe, die Module aufzusetzen und auszuarbeiten. Gleichzeitig habe ich bereits Firmen für diese Serviceleistung akquiriert und Beratungen umgesetzt. Das hat mich, zumal ich schwanger war, am Ende doch ziemlich an meine Grenzen gebracht. Die Chancen waren aber auch riesig, denn die Aufmerksamkeit, die damals der Reduzierung der Reisekosten zukam, war groß und neu, so dass ich sehr schnell viele Projekte abschließen und eine Partnerschaft mit anderen Beratungsunternehmen schließen konnte. Die wichtigsten konzeptionellen Strukturen, die man bei der Gründung beachten sollte, sind für mich die anfängliche Frage nach dem genauen Plan und seiner möglichen Umsetzung, ggf. die Skalierbarkeit und weiteres Wachstum. Die Projektarbeit, das strukturelle Denken, eine Can-Do-Haltung und die Eigenmotivation sind Erfahrungen aus dieser Zeit, die mich bis heute positiv prägen.

Die Reisebranche ist zwar frauendominiert, jedoch sind wenige Frauen in Führungspositionen. Woher glaubst du kommt das?

Die Reisebranche ist eine hoch emotionale Branche/Industrie, so dass wir als Frauen vielleicht etwas prädestiniert sind. Das ist sicherlich noch sehr historisch gewachsen und muss meiner Meinung nach aufgebrochen werden. Allerdings kann das nur mit den Unternehmen gemeinsam geschehen. Die Reiseindustrie ist geprägt von vielen großen, alteingesessen Unternehmen auf der einen, aber auch vielen innovativen jungen Start-ups auf der anderen Seite. Die Industrie ist vielfältig und bietet an sich viele Möglichkeiten (Reiseagenturen, Hotellerie, Veranstalter, Fluggesellschaften, Technologie usw.), deshalb denke ich, dass sich bei den Führungspositionen kein anderes Bild ergibt als in jeder anderen Industrie. Auf dem Weg nach oben muss man aber auch selbst Entscheidungen treffen. Für mich war immer klar, dass ich Verantwortung übernehmen möchte und dass es mir Spaß macht, mit Teams zu arbeiten. Dafür ist es wichtig, mutig zu sein und immer einen Schritt weiter zu gehen, aber auch Unterstützung zu haben – sei es durch die Familie, Freunde, Mentoren oder Firmen. Diese Eigenschaften gelten natürlich sowohl für Frauen als auch für Männer, die eine Führungsposition bekleiden möchten. Heutige moderne Unternehmen sollten mit ihrer Firmenkultur mindestens die aktive Unterstützung von Frauen ins Programm aufnehmen. Denn nur so kann ein Unternehmen das große wirtschaftliche Potenzial von Frauen, exzellente Managerinnen und wunderbaren Multitasking-Talente, freisetzen. Das kann man sich als Unternehmen heute gar nicht mehr leisten, auf diese Talente zu verzichten. Ob das nun per Quote implementiert ist oder nicht: Auf alle Fälle sollte jedes Unternehmen hier die Verpflichtung haben, dieses Potenzial auszuschöpfen. Diversity ist ein Schlüsselwert hier bei Groupon und wir haben viele Frauen in hochrangigen Führungspositionen, zum Beispiel unsere CFO Melissa Thomas. Wir sind der festen Überzeugung, dass Diversity eine Quelle für Erfahrungen und Einsichten ist, die uns helfen, unsere Partner*innen und Kund*innen besser zu verstehen. Das finde ich großartig und macht auch mir weiter Mut.

Was muss passieren, damit sich mehr Frauen an die Führungspositionen herantrauen?

Bereits vor drei Jahren ist ein Gesetz zur Frauenquote in Kraft getreten, Frauen in Führungspositionen sind aber leider immer noch stark unterrepräsentiert. Die Tatsache, dass Frauen genauso in Führungspositionen gehören wie Männer, muss zum einen von der Gesellschaft viel stärker vermittelt und gefördert werden. Wenn eine Frau in einer Führungsposition als normal und nicht als Ausnahme angesehen wird, dann trauen sich Frauen auch selbst mehr zu. Zum anderen muss der Großteil natürlich von Seite der Unternehmen kommen: Sie müssen Frauen in Führungspositionen durch Workshops und Coachings fördern und auch aktiv anwerben. Flexibilität am Arbeitsplatz durch variable Arbeitszeiten, die Möglichkeit zu Home Office und Sabbaticals sollten bei jedem Arbeitsgeber angeboten werden, weil das sowohl Frauen als auch bei Männer die Familienplanung unterstützt. Bei Groupon setzen wir bereits auf derartige Arbeitsmodelle inklusive Home-Office-Lösungen, die es mir persönlich um einiges leichter machen, meine Familie und meinen Beruf miteinander zu vereinbaren.

Was ist dir selbst als Führungsperson wichtig?

Authentisch zu sein, mit meinem Team offen umzugehen und gemeinsam voranzukommen. Allein kann man nur ganz schwer etwas erreichen. Da ich auch mit vielen jungen Mitarbeiter*innen arbeite, ist es mir wichtig, immer als Ansprechpartnerin zur Verfügung zu stehen. Aber man muss sich selbst auch an die Anforderungen der Mitarbeiter*innen anpassen können – und da hat sich eine Menge geändert: Alle möchten heutzutage genau wissen, warum sie eine bestimmte Aufgabe bekommen. Der Inhalt ist sehr wichtig, damit man sich mit dem Unternehmen, der Rolle im Team und der Aufgabe identifizieren kann. Zuzuhören ist ebenfalls eine grundlegende Eigenschaft, denn nur so kann man erkennen, wo vielleicht die Lösung liegt.

Die Rolle der Führungsperson hat sich in den letzten Jahren sehr stark gewandelt. Wie schätzt du dies ein und was erwartest du für die Zukunft?

Wie in der vorherigen Frage bereits kurz angesprochen hat sich der Anspruch an eine Führungsrolle sehr gewandelt. Die situative Anpassung an die einzelnen Mitarbeiter*innen und die jeweilige Aufgabe ist entscheidend. Der Anspruch an die Flexibilität ist enorm: Was letzte Woche funktioniert hat, klappt diese Woche vielleicht nicht mehr! Anpassungsfähig zu sein und trotz stetigen Wandels dem Team Sicherheit, Struktur und Work-Life-Balance zu bieten, damit die Motivation für den Wandel erhalten bleibt – das sind die großen Herausforderungen. Auf Augenhöhe mit dem Team zu arbeiten, den Erfolg des Teams zu sehen und wie sich die Mitarbeiter weiterentwickeln, ist die Belohnung der neuen Führungskräfte. In einer Zeit, in der in einer Vielzahl von Berufen hohe Fluktuation herrscht, wird der Erfolg wird meiner Meinung nach heute in Mitarbeitertreue gemessen. Wir haben bei Groupon ein Loyalty-Programm. Nach zwei Jahren Betriebszugehörigkeit erhalten wir eine grüne und nach fünf Jahren eine schwarze Groupon-Jacke. Mehrheitlich trägt mein Team die Schwarze – darauf bin ich stolz!

Welche drei Eigenschaften muss man für deine Position unbedingt mitbringen?

Flexibilität/Anpassungsfähigkeit, strukturelles Denken und Eigenmotivation.

Zu guter Letzt: Hast du ein Motto, welches dich durch dein Leben trägt?

„Better be crazy than boring“ ist mein Lebensmotto – lieber etwas mehr Visionär sein und verrückte, mutige Entscheidung treffen, als immer dasselbe tun. Ich langweile mich leider schnell und muss immer etwas Neues sehen und lernen.

 

Weitere Links:

Homepage: www.groupon.de

Facebook: https://www.facebook.com/groupon.de/

Instagram: https://www.instagram.com/groupondeutschland/ (@groupondeutschland)

 

Titelbild: ©Jesse Wiebe

Facebookpinterestlinkedinmail

    Kommentiere den Beitrag