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FORGESTELLT: Nicole Herzog, Business Angel, Anwältin und Unternehmerin

4. Mai 2021

Wenn ihr immer schon mal lesen wolltet, wie es ist, als Business Angel zu agieren (und überhaupt eine(r) zu werden) und warum trotz Erfolg Freundschaften nicht auf der Strecke bleiben sollten, dann ist das heutige Portrait für euch besonders wertvoll. Nicole Herzog berichtet von Zufällen, Erfolg und Auszeiten. Für mich absolut eine Frau, von der man (in vielen Lebensbereichen) lernen kann!

Liebe Nicole, wie startest du deinen Tag?

Mein Tag startet üblicherweise um 5.30 Uhr mit einem Kaffee und der Neuen Zürcher Zeitung. Je nach Jahreszeit schaue ich mir dabei den Sonnenaufgang an. Aus unserer Wohnung haben wir einen großartigen Blick auf die Alpen. Ich brauche etwas Zeit für mich, bevor ich mich der Hektik des Tages stellen kann.

Ohne welche Gegenstände verlässt du nie das Haus?

Bis vor kurzem hätte ich gesagt: meine Handtasche, die groß genug für meinen Laptop ist. Seit dem Digitalisierungsschub, den Corona erfreulicherweise mit sich gebracht hat, hat sich das auf mein Mobiltelefon und meine Kopfhörer reduziert. Das Mobiltelefon hat den Geldbeutel vollständig ersetzt. Es gibt kaum noch Orte, an welchen man nicht kontaktlos bezahlen kann. Verschiedenste Apps ermöglichen außerdem das Arbeiten auch über das Mobiltelefon.

Du bist Business Angel, Anwältin und Unternehmerin. Wie ist es zu dieser Kombination gekommen?

Das hat sich einfach so ergeben. Ich habe die Möglichkeiten, die sich mir angeboten haben, ergriffen. Während meines Anwaltspraktikums wurde mir klar, dass ich nicht als Anwältin arbeiten möchte. Zum Glück haben sich in dieser Zeit Freunde selbständig gemacht und mich gefragt, ob ich mitmachen möchte. Weil ich keine klare Vorstellung von meiner Zukunft hatte, habe ich spontan ja gesagt. Dieses Engagement hat mit einem sogenannten EXIT, also mit dem Verkauf des Unternehmens geendet. Der EXIT brachte mir die finanzielle Freiheit, mich als Business Angel zu engagieren. Da wir selbst von engagierten Business Angels profitiert haben, war das für mich ein logischer nächster Schritt. Als Business Angel gebe ich nicht nur Kapital, sondern vor allem auch Know-how und Netzwerk weiter. Ich selbst lerne dabei viel Neues und profitiere von einem innovativen und energiegeladenen Umfeld. Die Verwaltungsratsmandate kamen nach und nach dazu.

Du hast mehrere Verwaltungsmandate bei Unternehmen aus dem Tech-Bereich inne. Warum ausgerechnet dieser Bereich?

Während ich meine Firma „Haufe-umantis“, ein Provider für Talentmanagement Software, mitgegründet und aufgebaut habe, habe ich gleichzeitig die Entwicklung der Software as a Service Branche in der Schweiz maßgeblich mitgeprägt. Diese Erfahrung kann ich nun als Verwaltungsrätin zum Nutzen der Unternehmen einbringen. Zwischenzeitlich habe ich aber Mandate in anderen Branchen, aber mein fundiertes Wissen kommt aus 20 Jahren in der Softwarebranche.

Ein Unternehmen davon ist Sherpany. Was steckt genau dahinter?

Sherpany optimiert mit ihrer Software den Meetingprozess, so dass Führungskräfte dabei unterstützt werden, ihre Meetings effizienter zu gestalten. Meetings sind das wichtigste Führungsinstrument, sie werden aber immer noch wie vor 20 Jahren abgehalten. Und dass, obwohl die meisten von uns Meetings als frustrierende Zeitverschwendung betrachten. Sherpany will das ändern. Mit klaren Best-Practice-Prozessen vom Setzen einer Agenda über das Protokoll bis zum Umlaufbeschluss und integriertem Videokonferenzsystem unterstützt Sherpany Führungskräfte bei der täglichen Arbeit.

Was macht deiner Meinung nach ein gutes und effizientes Meeting aus?

Für ein gutes Meeting braucht es die „richtigen“ Menschen am Tisch. Beim Einladen der Teilnehmenden also zu überlegen, wer wirklich etwas beitragen kann. Jemanden einzuladen, weil es diese interessieren könnte oder weil man niemanden vor den Kopf zu stoßen möchte, ist der falsche Weg. Es braucht eine Agenda mit klarer, messbarer Zielsetzung, individuelle Vorbereitung, als Ergebnis eine handlungsfähige Entscheidung mit entsprechender Aufgabenverteilung und ein gutes Protokoll. Außerdem sollte die Sitzungsleiterin sich als Moderatorin und nicht als Alleinunterhalterin verstehen.

Falls du deinen Werdegang nochmal von vorne angehen könntest: Was würdest du anders machen?

Ich würde mehr Zeit in Freundschaften investieren. Nachdem wir die Firma verkauft haben, hatte ich nicht mehr viele aktive Freundschaften. Mein ganzes Leben hat sich um die Arbeit gedreht. Heute bereichern wieder viele tolle Menschen mein Leben.

Was rätst du Frauen, die eine ähnliche Laufbahn wie du einschlagen möchten?

Sucht euch einen Mentor oder eine Mentorin. Tauscht euch mit Menschen aus, die in der gleichen Situation sind. Wir alle erleben ähnliche Herausforderungen und können voneinander lernen. Schafft euch ein privates Umfeld, welches euch ermutigt, euren Weg zu gehen. Seid mutig und lasst euch nicht von Selbstzweifeln abhalten zu tun, was ihr für richtig haltet.

Wo trifft man dich meist in deiner Freizeit an?

Unter normalen Umständen reise ich viel, liebe es, neue Restaurants zu entdecken und koche gerne für Gäste. Außerdem versuche ich viermal in der Woche Sport zu treiben, was mir leider nicht immer gelingt. Im Moment freut sich mein Hund über meine ungeteilte Aufmerksamkeit.

Zu guter Letzt: Für was bist du in deinem Leben dankbar?

Ich hatte sehr viel Glück in meinem Leben. Vor allem das Glück, zur richtigen Zeit die richtigen Menschen zu treffen. Menschen, die an mich geglaubt und mich gefördert haben. Menschen, die mich ermutigen, wenn ich an mir selbst zweifle.

 

Weiterführende Links:

https://www.linkedin.com/in/nic-herzog/

https://www.sherpany.com/en/

https://www.linkedin.com/company/sherpany/

 

Titelbild: ©Remo Neuhaus

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