FI: Forgestellt & Inspiration

FORGESTELLT: Silke Sünder, Bereichsleiterin bei cape IT GmbH

28. April 2020

Meine eigenen Berufsanfänge liegen in der IT – dort habe ich viel gelernt und hatte wirklich fantastische Vorgesetzte. Seitdem bin ich auch in anderen männerdominierenden Branchen unterwegs (Finanzen, Ingenieurdienstleistungen) und freue mich immer wieder, auf tolle Frauen in diesem männerdominierenden Umfeld zu treffen. Silke Sünders Anliegen ist es ebenfalls, Frauen und Mädchen für die IT zu begeistern. Sie ist selbst Quereinsteigern und begeistert von ihrer Arbeit. Im Portrait macht sie Mut, einen Blick über den Tellerrand zu werfen und den Berufsmöglichkeiten in der IT offen gegenüber zu treten.

Liebe Silke, ohne welche fünf Gegenstände verlässt du nie das Haus?

Handy, Schlüssel, Tasche, Brille und Portemonnaie.

Was ist momentan beruflich und privat dein Lieblingstool im IT-Umfeld?

Da steht an erster Stelle natürlich unser eigenes Softwareprodukt KIX. Damit können unsere Kunden ihre Service-Managementprozesse digitalisieren und strukturieren. Wir setzen das auch selbst zur Organisation unserer internen Arbeitsabläufe ein. Es ist heutzutage im beruflichen Umfeld wichtig, möglichst viel Wissen zu teilen, damit alle Kollegen auf dem gleichen Stand sind. Das erspart langes Suchen nach Informationen und erleichtert die Projektarbeit ungemein.

Du bist Bereichsleiterin bei c.a.p.e. IT GmbH. Wie ist es dazu gekommen und wie sahen deine beruflichen Meilensteine vor dieser Position aus?

Ursprünglich war die IT nicht meine erste Wahl. Mich hat die Zahnmedizin sehr gelockt und ich habe ein Fachschulstudium als Stomatologische Schwester absolviert, um anschließend Zahnmedizin zu studieren. Jedoch habe ich diese Träume aufgrund von gesundheitlichen Problemen begraben müssen. Als Alternative arbeitete ich einige Jahre in einem Gesundheitsamt. In dieser Zeit, das war in den 90er Jahren, nutzten wir für die Erfassung und Auswertung der Daten bereits Notebooks. Das hat mir so viel Spaß gemacht, dass ich mich näher mit der IT befassen wollte. Also drückte ich nochmal die Schulbank, um anschließend als Softwareentwicklerin durchzustarten.

In einer mittelständischen Firma habe ich erste größere IT-Projekte durchgeführt, später durfte ich ein Entwicklungsteam leiten. Nach zehn Jahren wechselte ich zu einem großen Internet-Player. Mit dem Einstieg als Teamleiterin übernahm ich die Standortleitung einer IT-Außenstelle und ein paar Jahre später die Verantwortung als IT-Bereichsleiterin.

2016 ergriff ich dann die Chance, dieses Wissen bei cape IT einsetzen zu können und den Bereich des Produktmanagements aufzubauen. Hier habe ich die Möglichkeit, Mitarbeiter individueller und umfassender zu unterstützen als in einem großen IT-Bereich. Das schätze ich sehr. Ich sehe es mittlerweile als Luxus, nah an den Menschen sein zu dürfen und sie in ihrer Weiterentwicklung begleiten zu können.

Die IT Branche ist nach wie vor sehr männerdominiert. Wie setzt du dich als Führungskraft hier durch?

Das ist manchmal gar nicht so einfach, da Frauen oft unterschätzt werden und gerade im IT-Umfeld seltener Gehör finden. In den letzten Jahren hat sich hier eine Menge getan und die IT ist eigentlich gar nicht mehr so männerdominiert trist, wie es nach außen wirkt.

Als Führungskraft finde ich es wichtig, konkrete Standpunkte zu vertreten, und gleichzeitig kompromissbereit zu bleiben. Wenn ich für ein Thema brenne, dann setze ich alles daran, dieses zu realisieren. Jedoch darf man nie vergessen, dass es mehr als Schwarz und Weiß gibt. Deshalb ist es wichtig, auch andere Lösungsansätze anzuhören und mit einzubeziehen. Oft entstehen daraus die besten Produkte.

Zuhören ist zentral. Dem Gegenüber das Gefühl geben, dass man zuhört, ihn oder sie versteht und unterstützt, und gemeinsam Lösungen für seine Aufgaben findet, ist ungemein wichtig. Das hat auch was mit Respekt zu tun. Dieser Respekt ist aber kein Geschenk, sondern er wird einem nur zu teil, wenn man andere Menschen genauso achtet wie man es für sich erwartet. Zudem schätze ich Ehrlichkeit und direkte Ansprachen. Ich verstehe es als Selbstverständlichkeit, mit Kollegen auf Augenhöhe zu kommunizieren und Probleme unkompliziert und schnell aus der Welt zu schaffen. Das hilft beiden Seiten und stärkt die Zusammenarbeit.

Und man braucht klare Ziele. Oft ist es besser, einzelne Ziele zu verfolgen, als durch Multitasking eine Menge an Themen zu bewältigen. Frauen arbeiten oft an zu vielen Aufgaben gleichzeitig und fokussieren sich dadurch zu wenig auf die Einzelaufgaben. Viele Frauen sind deshalb richtige Fleißmäuse und wollen zeigen, dass sie das alles schaffen. Aber das kostet unnötig Kraft und Zeit. Deshalb ist es für mich wichtig, Aufgaben priorisiert und konzentriert umzusetzen und auch mal Nein zu sagen, wenn es zu viel wird oder das Thema im Moment nicht so wichtig ist. Im Endeffekt zählt nur das Ergebnis.

Du bist generell eine Verfechterin davon, Mädchen und Frauen mehr zur IT zu bewegen. Woher kommt das?

Aus meiner eigenen Erfahrung, mich mit Unbekanntem zu beschäftigen und die Herausforderung zu suchen. Ich habe in reinen Männerteams und gemischten Teams gearbeitet und kenne die Vor- und Nachteile. Meine Erfahrung zeigt, dass eine Zusammenarbeit aller Geschlechter die erfolgreichste ist. Dabei bringen viele Frauen neben der Fähigkeit zur Kommunikation auch großes Organisationstalent mit, da es in den Familien oft sie sind, die die privaten Termine und Aufgaben planen.

Was schlägst du generell vor bzw. welche Ansätze verfolgst du, um Mädchen und Frauen mehr in das IT Umfeld zu ziehen?

Mehr Transparenz: An vielen Stellen herrscht noch das alte Klischeebild vom Nerd, der in dunklen Räumen sitzt und den ganzen Tag vor dem PC hängt. Das entspricht überhaupt nicht der Realität. In der IT-Welt gibt es viele verschiedene Experten, die in agilen, offenen Teams und in modernen Büros arbeiten.

Außerdem braucht es mehr IT-Unterricht in den Schulen, insbesondere an Gymnasien. Kinder und Jugendliche haben das Recht, mit neuen Technologien vertraut gemacht zu werden. Es ist wichtig, das technologische Interesse frühzeitig zu wecken und zu fördern.

In vielen Familien liegt noch immer die Hauptverantwortung für Kinder und Haushalt bei der Frau. Deshalb sind die Unterstützung familienfreundlicher Arbeitszeiten, die Möglichkeit für Home Office oder Teilzeit wichtige Voraussetzungen.

Viele Führungsetagen sind tatsächlich noch ziemlich männerdominiert. Das hat weniger mit geringer Qualifikation oder fehlenden Fähigkeiten von Frauen zu tun, sondern beruht auf veralteten Denkmustern, die nach außen hin natürlich keiner zugibt. Aus diesem Grund ist es wichtig, die Führungsetagen für Frauen zu öffnen und ihnen Chancen zu bieten und Karrierewege aufzuzeigen. Zudem besetzen Frauen offene Stellen eher mit weiblichem Personal als Männer. Das könnte helfen, die Männerdominanz aufzuheben und zusätzliche Fachkräfte in die IT zu führen.

Woran hapert es deiner Meinung nach am meisten, wenn es darum geht, mehr Frauen in das IT Umfeld zu bringen und dort zu fördern?

IT und Technik wird in der Gesellschaft eher Jungen und Männern zugeschrieben. Die fühlen sich dort selbstsicher. Jeder kennt in seinem Bekanntenkreis sicher den einen oder anderen PC-Guru. Trotz sehr guter Ausbildung trauen es sich viele Frauen nicht zu, in die technische Richtung zu gehen. Mitunter liegen die Gründe tiefer, da ihnen häufig durch Schule oder Elternhaus vermittelt wird, dass das alles viel zu kompliziert sei. Das Resultat ist Angst vor dem Unbekannten, dem eigenen Versagen. Wenn dann noch fehlendes Selbstbewusstsein hinzukommt, brauchen wir uns nicht zu wundern, wenn es kaum weibliche Bewerber gibt. Es gibt eine Menge Witze über IT und Frauen. Aber auch hier tut sich langsam etwas, und die „Blondinen-Witze“ sterben aus.

Was begeistert dich am meisten an deiner Branche und deinem Umfeld?

Die IT ist ein interessantes, immer forderndes Umfeld, in dem man wachsen und sich stetig weiterentwickeln kann. Man arbeitet mit Menschen jeden Alters zusammen, kann alle ihre Fähigkeiten und Erfahrungen in den unterschiedlichen Themen einsetzen und sieht, wie gemeinsam die besten Lösungen entstehen. Die Kreativität und die Möglichkeiten, die in dieser Branche stecken, sind immens und manchmal ist es nur eine ganz kleine Idee, aus der etwas Großartiges wird. Das alles fasziniert und macht neugierig auf die Zukunft.

Hast du ein Motto, nach dem du lebst?

Eigentlich nicht. Vielleicht: „Um klar zu sehen, reicht oft ein Wechsel der Blickrichtung.“ Probleme können oft schneller gelöst und Fehlentscheidungen vermieden werden, je mehr wir unseren Blickwinkel verändern und lernen, die Sache aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten.

Zu guter Letzt: Was möchtest du unseren Leserinnen und vielleicht weiteren IT Nachwuchskräften mit auf den Weg geben?

Ich möchte allen Mädchen und Frauen ans Herz legen, einen Blick hinter die Kulissen der IT zu wagen und die vielen interessanten und kreativen Möglichkeiten zu entdecken. Es gibt unzählige Einsatzmöglichkeiten und Wege, um sich auszuprobieren und weiterzuentwickeln. Und die allermeisten Männer, die hier arbeiten, sind echt nett und hilfsbereit. Zusammen können wir viele tolle Produkte entwickeln. Traut euch!

 

Link zu cape IT: https://kixdesk.com/home.html

cape IT
Die c.a.p.e. IT GmbH ist Hersteller und Dienstleister für die eigene Open Source Service Software KIX, die vielseitigen Einsatz vor allem im technischen Service & IT Service Management findet. Dabei liegt der Fokus auf der individuellen Unterstützung bei Analyse, Implementierung und Anpassung an kundenspezifische Anforderungen.
Das Unternehmen mit Sitz in Chemnitz wurde 2006 als Spin Off eines international tätigen IT-Systemhauses gegründet. Cape IT beschäftigt aktuell über 50 erfahrene, ITIL-zertifizierte Mitarbeiter an 2 Standorten und engagiert sich in den Branchenverbänden der Open Source Business Alliance, BITKOM und itSMF.

 

Bilder: ©Thomas Herre Fotografie

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