FI: Forgestellt & Inspiration

FORGESTELLT: Theresa Breuer, Geschäftsführerin des Weinguts Georg Breuer

24. September 2019

Heute gelangen wir in meine Heimat, den Rheingau. Ein Weinanbaugebiet (für mich natürlich das beste) bei Wiesbaden/Frankfurt mit einer unglaublich hohen Dichte an Spitzenweingütern. Eins davon hebt sich nicht nur durch die hervorragenden Weine ab, sondern auch dadurch, dass eine junge und unglaublich energiegeladene Frau es führt: Theresa Breuer. Aufgrund eines Schicksalsschlag ist Theresa kurz nach dem Abitur mit 20 Jahren in die Geschäftsleitung des Weinguts eingestiegen. Wie sie mit der großen traditionellen und unternehmerischen Verantwortung umgegangen und daran gewachsen ist, berichtet sie uns in diesem Beitrag.

Liebe Theresa, wie startest du deinen Tag?

Schnell…😊! Das einzige Ritual, dass den Morgen begleitet ist, dass ich mich nach dem Aufstehen noch einmal fünf Minuten zu meinem Hund auf die Couch geselle, bevor es direkt ins Büro geht, Kaffee hat später seinen Platz. Ich möchte morgens jeden aus meinem Team einmal sehen, deswegen bin ich immer da, wenn sich unsere Truppe trifft und in den Weinberg zieht: Sei es im Sommer morgens um fünf Uhr, oder im Winter eben bei Tagesanbruch.

Welche drei Eigenschaften würden deiner besten Freundin spontan einfallen, wenn ich sie zu dir befrage?

Verlässlich… aber auf den letzten Drücker, ehrlich und immer für einen da.

Du hast sehr jung das Weingut deiner Familie übernommen. Wie kam es dazu?

Mein Vater ist sehr überraschend im Alter von nur 57 Jahren verstorben, damals war ich 20, mit dem Abi fertig und noch nicht so wirklich angekommen im Leben … Dann schon! Ich habe direkt angefangen, im Weingut zu arbeiten und sofort gespürt, dass das der Platz ist, wo ich hingehörte. Natürlich hätte ich auch wahnsinnig gerne zusammen mit meinem Vater gearbeitet, aber das Schicksal hat es anders gewollt.

Damals hast du einen großen Verlust erlitten und bist dennoch zielstrebig in deine jetzige Rolle und in die damit verbundenen Verantwortungen gesprungen. Woher hast du diesen Mut und diese Zuversicht in einer solchen Situation genommen?

Ich habe schnell gemerkt, dass ich dem Weingut meinem Vater nah bin, das hat wahnsinnig gestärkt. Um ehrlich zu sein, habe ich mir am Anfang überhaupt keine Gedanken darüber gemacht, wie groß oder klein die Aufgabe und die Verantwortung ist. Ich habe es einfach gemacht.

Die großartigen Mitarbeiter um mich herum haben es mit leicht gemacht. Ich wurde respektiert und gleichzeitig waren alle bereit, ganz viel Wissen mit mir zu teilen, um mich auf eine ungezwungene Art und Weise Herrin der Aufgaben werden lassen.

Was zeichnet für dich das Weingut Georg Breuer aus?

Wir sind, wer wir sind. Wir verdrehen und nicht, bauen aber auch keine Luftschlösser und lieben es, Tradition zu folgen, ohne dabei altmodisch zu werden. Zumindest hoffen wird das! Wir haben es uns zur Aufgabe gemacht, den Weinberg in der Vordergrund zu stellen und nicht uns selbst. Das bringt viel Ruhe!

Die Arbeit als Winzerin ist wahnsinnig „fielseitig“. Wie sieht dein Alltag aus und welche Tätigkeiten gefallen dir am meisten?

Ich habe das große Glück, ein tolles, talentiertes Team bei uns zu haben! Jeder hat seine Aufgaben und ich bin irgendwo dazwischen. Mehr in der Koordination und den strategischen Momenten, als im streng Operativen, was die Produktion angeht. Das gehört mir lediglich während der Ernte, der Lesezeitbestimmung. Dies sind meine heiligen 5 Wochen im Weinberg! Ich bin zusammen mit meinem Kellermeister und Außenbetriebsleiter das Zünglein an der Waage, wenn es um die Cuvéetierung* unserer Weine geht und sonst widme ich meine Zeit dem Vertrieb unserer Weine und der Repräsentanz unseres Weingutes!

Was mit am besten gefällt … ganz ehrlich, die Mischung macht es aus!!!

Weinberge des Weinguts Georg Breuer im Rheingau

 

Du legst eine unglaubliche Power an den Tag. Hast du ein Geheimrezept für diese Energie und Willenskraft?

Liebe zu dem, was man tut. Nicht immer alles in Frage zu stellen, sondern Dinge anzupacken. Und Spaß an neuen Aufgaben zu haben!

Was machst du, wenn deine Reserven doch mal aufgebraucht sind oder dich Zweifel plagen?

Weinen! Tatsächlich hilft das, den Frust loszuwerden. Wenn ich in einer bestimmten Sache nicht mehr weiter weiß, stecke ich meinen Kopf in etwas Anderes, was zu tun ist (in der Regel gibt es davon genug) und irgendwie lösen sich dann die Dinge …

Hast du ein persönliches Motto?

Nicht zu vergessen, zufrieden zu sein!

Was hast du zuletzt gewagt oder ausprobiert und welche private und/oder berufliche Herausforderung möchtest du als nächstes angehen?

Die Dinge passieren und neue Aufgaben warten an jeder Ecke, man muss sie nur annehmen. Wir haben viele neue Rebflächen in Lorch im Rheingau übernommen. Ein komplett neues Terroir*, eine ganz neue Aufgabe, neue Weine… Wie es wird, wissen wir noch nicht genau! Wir freuen uns aber darauf!

Außerdem planen wir, unser Weingut umzubauen: Im Ort, bei uns zu Hause, in Verbindung mit unserer Tradition, das fordert viel Nerven. Wenn das Projekt einmal abgeschlossen ist, springe ich im Kreis vor Freude und suche mit dann neue Herausforderungen; neben denen, die uns die Natur Jahr für Jahr bietet!

Zu guter Letzt: Was möchtest du der FIELFALT Community mit auf den Weg geben?

Wir suchen so oft das, was nicht passt: Ob in einem Wein oder im Leben. Das macht keinen Spaß und nicht glücklich! Jeder hat es in der Hand, sich eher auf die schönen Momente zu konzentrieren und daraus Kraft zu ziehen! Ich glaube, das lohnt sich ….

 

Das 1880 gegründete Weingut Georg Breuer befindet sich seit Anfang des letzten Jahrhunderts im Besitz der Familie Breuer. Theresas Vater Bernhard Breuer führte das Weingut zu internatio­nalem Renommee. Seit seinem Tod 2004 leitet Theresa Breuer das Weingut mit dem lang­jährigen Betriebs­leiter Hermann Schmoranz. Bewirtschaftet werden knapp 35 Hektar Weinberge, darunter absolute Spitzenlagen. Dominierend ist dabei der Riesling als Rebsorte. Die Weine werden international vertrieben. 2011 stellte Theresa komplett auf Öko-Bewirtschaftung um. Nicht nur die Weine erhalten regelmäßig Auszeichnungen, auch Therese wurde von Falstaff als Winzerin des Jahres 2016 gekürt.

Weitere Informationen: http://www.georg-breuer.com sowie https://www.instagram.com/weingut_georg_breuer/

 

Begriffserklärung:

*Bei der Cuvéetierung geht es darum , die bestmögliche Qualität des Weins durch die richtige Mischung von einzelnen Rebsorten in eine optimale Balance zu bringen.

*Terroir: Gesamtheit natürlicher Faktoren wie Rebe, Boden, Klima u. a. und kultureller Einflüsse, die einem Wein seinen Charakter verleihen.

 

Foto: ©Weingut Georg Breuer

Facebookpinterestlinkedinmail

    Kommentiere den Beitrag