FA: Fielseitiges & Aspekte

Ich bin dann mal wieder da. Und jetzt?

14. November 2015

Von: Kristina Sauerstein

Du hast es geschafft! Die Welt gesehen, Neues entdeckt, deine Sprachkenntnisse erweitert, dich in einem fremden Land durchgeschlagen, einen Alltag aufgebaut und ganz nebenbei viele neue Freundschaften geschlossen.

[Tweet „Über das Ankommen und das Fernweh nach der Zeit im Ausland #reisen #fernweh“]

Wenn du für längere Zeit ins Ausland gehst, wirst du hören, wie schwer es ist, das Vertraute hinter sich zu lassen und sich ganz allein neuen Hindernissen zu stellen. Sicher, einfach ist das bestimmt nicht. Doch mit etwas Selbstbewusstsein und Hilfe schafft man das dann irgendwie doch und alle Niederlagen werden verdrängt von den unglaublichen Erfahrungen, die man macht.

Dann geht’s heimwärts. Seien wir ehrlich: Abschied nehmen ist verdammt schwer. Aber das bittersüße Gefühl des Abschieds wird erleichtert durch die Vorstellung, Familie, Freunde oder den Partner in die Arme zu schließen. Und irgendwie freut man sich ja auch auf zuhause, den Sportverein, die vertraute Straße und das Lieblingscafé.

at-home-1001376_1920Freudestrahlend warten Eltern oder Partner am Flughafen und nehmen dich voller Begeisterung in Empfang. Vollgepackt mit schweren Koffern, Tausenden Fotos und unendlich vielen Erinnerungen kannst du es kaum erwarten, diese mit allen zu teilen. Alle freuen sich, dich wieder um sich zu haben, hören begeistert zu. Und die ersten Tage ist es einfach wunderbar, wieder da zu sein.

Doch dann … ist das plötzlich vorbei. Auf einmal kommt der Alltag zurück und alle haben sich wieder daran gewöhnt, dich um sich zu haben. Plötzlich bist du nicht mehr der Mittelpunkt und alle widmen sich wieder ihrem eigenen Leben, das – oh Wunder – einfach weitergegangen ist, als du weg warst.

Und schlagartig bist du allein mit deinen Erlebnissen und Erinnerungen – und du fühlst dich fremd in einer vertrauten Welt. Du stellst fest, dass alles so ist, wie es war, bevor du weggegangen bist, nur eins nicht – du.

[Tweet „Du stellst fest, dass alles so ist, wie es war, bevor du weggegangen bist, nur eins nicht – du. #reisen #fernweh #ankommen“]

Natürlich, du hast dich verändert. Möglicherweise hast du eine neue Frisur oder neue Klamotten. Aber die eigentliche Veränderung hat in deinem Kopf stattgefunden.

Du hast das Gefühl, dass sich nichts verändert hat und gleichzeitig alles. Du hast neue Kulturen kennengelernt, Fremde zu Freunden gemacht, andere Wertesysteme entwickelt und einen eigenen Alltag in einer fernen Stadt aufgebaut. Dadurch hast du deine Perspektiven geändert, deine Gewohnheiten, deine Ansichten und Träume. Deine gesamte Sicht auf die Welt ist eine andere geworden! Und du willst, dass alle merken, dass du ein anderer – ein neuer – Mensch bist. Du fühlst dich reifer, klüger, weltgewandter, jede Minute an jedem Tag, und du willst es mit deinen Freunden teilen, aber wie soll man das in Worte fassen?


„Du hast das Gefühl, dass sich nichts verändert hat und gleichzeitig alles.“


 

Die Konsequenz: Du bist enttäuscht. Wie können alle so tun, als wärst du Brötchen holen gewesen, wenn sich doch das ganze Leben auf den Kopf gestellt hat? Und du findest keine Worte dafür, das Gefühl zu beschreiben, das deinen Kopf und dein Herz ausfüllt.

Aber es ist noch schlimmer. Deine Freunde sind auf einmal sichtlich genervt und stöhnen zunächst leise, dann immer lauter, wenn du „schon wieder“ von Erlebnissen erzählst, die sie nicht teilen, Freunden, die sie nicht kennen und Situationen, die sie nicht nachvollziehen können. Sie fühlen sich übergangen, ausgeschlossen, unwichtig.

Und du? Du fühlst dich einsam, unverstanden, ungewollt. Du fühlst dich verloren und auch ein bisschen wütend. Und alles, was du von ganzem Herzen willst, ist wieder weggehen. Weg von der Einsamkeit und hin zu denen, die die gleiche Sprache sprechen wie du. Nicht Deutsch, Englisch, Russisch oder Suaheli. Die Sprache, die beschreibt, wie es ist, wegzugehen und zu wachsen und sich in der Heimat fremder als in jedem fernsten Ort zu fühlen.

Das Wort „Fernweh“ beschreibt es ganz gut. Denn hierbleiben tut verdammt weh.

Und doch musst du da durch. Versuch, dein Umfeld zu verstehen und dich in sie hineinzuversetzen. Setz deine neuen Erkenntnisse ein. Zeig, dass du ein anderer Mensch geworden bist. Sprich mit denen, die dich verstehen, aber sprich auch mit denen, die dich nicht verstehen. Frag, was passiert ist, als du weg warst, was sie erlebt, wie sie sich verändert haben. Versuch, auch in deiner Heimat Neues zu entdecken, zusammen mit deinen Freunden und deiner Familie, damit ihr neue gemeinsame Erlebnisse und Erinnerungen aufbaut, über die ihr sprechen, lachen, weinen könnt.


„Das Wort „Fernweh“ beschreibt es ganz gut. Denn hierbleiben tut verdammt weh.“


 

Das ist sehr schwer und vielleicht sogar das Schwierigste daran, ins Ausland zu gehen. Und das Gefühl wird nie ganz verschwinden. Aber es wird mit der Zeit leichter. Irgendwann wirst du wieder erfülltes Leben in der Heimat haben mit Menschen, die dir wichtig sind. Und die Erinnerungen und Freunde in den anderen Ländern kann dir keiner nehmen. Letztendlich ist es auch das, was dich als Menschen ausmacht und weiterbringt. Und was spricht schon dagegen, hin und wieder aus dem Alltag auszubrechen und einfach wieder fortzugehen? Und sei es nur für ein paar Wochen …

Eure Kristina

Wie ging es dir nach einem längeren Auslandsaufenthalt? Wie hast du dich gefühlt? Wir freuen uns über deinen Kommentar zu „Ich bin dann mal wieder da. Und jetzt? „

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