FA: Fielseitiges & Aspekte

If it is not on Instagram, it didn’t happen – über den Drang zu teilen

30. Oktober 2015

„Hey, alles gut bei dir? Du hast in letzter Zeit gar nichts gepostet, hast du viel Stress?“

– Nein. Ich hatte wunderbare Abende mit Freunden, ausgefüllte Wochenenden und ja, auch Sport habe ich gemacht. Nur geteilt habe ich es nicht. Weder auf Instagram, noch auf Facebook oder sonstigen sozialen Netzwerken. Und zugegeben – ich habe daran gedacht, das Foto meines leckeren Abendessens zu posten, meine Sporteinheit mit der Community zu teilen oder den Besuch im Cafe mit einer lieben Freundin für die Ewigkeit festzuhalten. Und doch entscheide ich mich in letzter Zeit immer häufiger dafür, das Handy einfach in der Tasche zu lassen, statt mich mit den richtigen Hashtags zu beschäftigen.

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Natürlich bringt es viel Freude, sich eine virtuelle Realität zu schaffen. Die Bestätigung der sportverrückten „Instafriends“, wenn man neue Rekorde gelaufen ist oder die Komplimente zum neusten Outfit streicheln die Seele. Das frenetische Zählen der Likes und Kommentare legt einem jedoch ein Korsett an, in das ich nicht reinpassen möchte. Oft wünsche ich mir, dass mein Gegenüber das Handy weglegt und mich und unsere Zeit zusammen in diesem Moment zur Priorität macht. Oft genug war auch ich diejenige, die anderen dieses Zugeständnis nicht gemacht hat und, statt den Moment zu geniessen, erst mal checken musste was der Rest der Welt so macht. Dadurch habe ich sicher die ein oder andere Chance für echte Kommunikation verpasst, vielleicht den traurigen Blick des anderen nicht wahrgenommen oder ein Gespräch unbewusst abgebrochen, statt es zu vertiefen.

Manchmal macht es mir Angst, wie abhängig wir von der Meinung von fremden Menschen sind. Deren Kommentare können unseren Tag retten oder ihn kaputt machen. Unsere Fähigkeiten, echte Gespräche zu führen und sich ganz und gar auf Momente einzulassen verkümmern kläglich und wir definieren uns über die Likes unter dem letzten Bild. Sollten wir uns nicht darüber definieren, dass wir jemanden zum Lachen gebracht haben? Dass wir unserer Freundin oder Kollegin ein Kompliment gemacht haben, statt einem anonymen Nickname?
Auch wenn wir oft das Gefühl haben, diese „Instafriends“ gut zu kennen, so kennen wir doch nur die Fassade, die diese Menschen mit uns teilen möchten und nicht die Abgründe dahinter.

Und genau deshalb: Legt das Handy mal weg. Verbringt ein Wochenende ohne Instagram, Facebook, Snapchat & Co. Euer Leben geht weiter, auch wenn ihr nicht jeden Moment davon teilt. Und ihr erlebt diese Momente ein klein bisschen intensiver, wenn ihr nicht gleich in die Tasche greift um ein Foto zu machen und es zu teilen, sondern einfach mal eurem Gegenüber genau in die Augen schaut und eine gemeinsame Erinnerung schafft, die nur euch gehört.

Eure Jenny

Anmerkungen oder Fragen zu „If it is not on Instagram, it didn’t happen – über den Drang zu teilen“? Wir freuen uns auf Deinen Kommentar!

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