FA: Fielseitiges & Aspekte

In der Krise Mut beweisen und ja sagen – zu sich selbst

18. November 2020

Gastautorin: Susi Neumair von Wedding Dreamz

Wie ich aus der Krise den Mut geschöpft habe, mich als Hochzeitsfotografin zu verwirklichen 

Wie für viele begann dieses Jahr auch für mich wie ein Albtraum – und doch hat es mich dazu gebracht, meinen eigenen Traum wahr werden zu lassenAls im März die Ausgangs- und Kontaktbeschränkungen verhängt wurden, arbeitete ich bereits seit zwei Jahren als Grafikerin bei einem Modeunternehmen. Der Job war unbefristet, die Bezahlung war okay und anfangs hat mir die Arbeit sogar richtig Spaß gemacht. Doch nach und nach schlich sich der Alltag ein. Aufgaben wurden zu Routine, neue Herausforderungen gab es nicht. Auch das Klima verschlechterte sich zunehmend. Kurzum: Ich war unglücklich!  

Der AntragWarum ich Ja zur Selbstständigkeit gesagt habe 

Seit Monaten spielte ich immer wieder mit dem Gedanken, alles hinzuwerfen und mich meiner wahren Leidenschaft zu widmen: Schon in der Schulzeit habe ich begonnen, nebenbei als Hochzeitfotografin zu arbeiten. Vor allem natürlich im Freundes- und Bekanntenkreis. Während meines Studiums habe ich mir so immer etwas dazu verdient, aber nach meinem Abschluss hatte ich nicht den Mut, gleich den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen. Also suchte ich mir einen Job mit festem Einkommen und geregelten Arbeitszeiten und ging meiner zweiten Leidenschaft nach: der Mode. Doch das was ich suchte – Sicherheit, eine gute Work-Life-Balance und interessante Aufgaben – stellte sich mehr und mehr als Trugschluss heraus. Das spürte ich schon eine ganze Weile, aber mit Einsetzen der Krise war es plötzlich unübersehbar: Kurzarbeit, Kündigungen und trotzdem weiterhin jede Menge Überstunden! Auch wenn meine eigene Stelle nicht gefährdet war, wusste ich: Ich kann so nicht weiter machen. Also nutze ich die Zeit zu Hause, um in mich zu gehen und herauszufinden, was ich wirklich wollte: Frei und selbstbestimmt arbeiten, in einem Umfeld, in dem ich mich wohl fühle, mit Menschen, die ich mag und die meine Arbeit schätzen. Mein Entschluss war gefallen: Zu Beginn des Sommers reichte ich meine Kündigung ein.  

Das Ja-WortWarum ich Hochzeiten so liebe 

Was ich an der Hochzeitsbranche so liebe? Alle sind immer super gelaunt! Es geht um große Gefühle, besondere Momente und um jedes Detail. Und als Fotografin darf ich all das einfangen! Das das wundervolle Kleid der Braut, wenn sie zum Altar schreitet. Das Strahlen in den Augen des Hochzeitpaares beim ersten Kuss. Die kunstvollen Ringe als Zeichen der Liebe und Verbundenheit. Die gerührten Blicke der Gäste bei der Trauung. Und die ausgelassene Stimmung bei der Feier. Jede Hochzeit ist anders und ich liebe es, Menschen zu begegnen, das Glück in ihren Gesichtern zu sehen und diesen besonderen Tag mit ihnen teilen zu dürfen.  

Und ich habe meine Entscheidung keine Sekunde bereut: Nicht nur, weil ich schon einige wundervolle Hochzeiten begleiten durfte, sondern auch wegen all der Unterstützung, die ich seit dem ersten Tag erfahren habe. Von meiner Familie und Freunden, aber auch von zahlreichen Geschäften und Unternehmen, die mir Hochzeitskleider, Ringe und Blumen für meine ersten Styled Shootings zu Verfügung gestellt haben. Diese Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft ist typisch für die Hochzeitsbranche, in der man sich gegenseitig unterstützt und zusammenarbeitet, anstatt Konkurrenzdruck und schlechte Stimmung zu verbreiten.  

Meine Traumhochzeit: Warum jede Heirat für mich einzigartig ist 

Mein Unternehmen heißt Wedding Dreamz. Das ist natürlich in erster Linie aus Sicht des Paares gemeint. Aber irgendwann ist mir aufgefallen, dass der Name auch auf mich zu trifft: Denn Hochzeiten zu fotografieren ist mein eigener, ganz persönlicher Traum und ich bin glücklich, ihn verwirklicht zu haben. Denn nun habe ich, was mir in meinem alten Job gefehlt hat: Ich kann selbstbestimmt entscheiden, welche Aufträge ich annehme und wie ich meinen Alltag gestalte. Meine Arbeit macht mich selbst und andere glücklich. Und sie ist abwechslungsreich und voller neuer Impulse, Inspirationen und Herausforderungen. Denn jeder Hochzeit ist einzigartig. Für die perfekten Bilder brauche ich ein Gespür für die Menschen und die Location, einen guten Blick für Details und natürlich: das richtige Timing. Für das Paar bedeutet das, unvergessliche Momente, festgehalten für die Ewigkeit. Für mich, dass ich meine Leidenschaft zum Beruf gemacht habe. 

 

Titelbild: ©Photo by Andre Furtado on Unsplash

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