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FORGESTELLT: Laura Leising, Gründerin und Inhaberin der Makrönchen Manufaktur

5. April 2016

„Macht die Dinge, wie Ihr denkt! Steht zu Euren Ideen!“

Heute stellen wir Euch Laura Leising vor, erfolgreiche Gründerin und Inhaberin der Makrönchen Manufaktur! Nach einigen Jahren im Berufsleben entschied sie sich 2011 dazu, auf ihr Bauchgefühl zu hören und sich in der Gastronomie mit ihrer eigenen Makrönchen Manufaktur selbständig zu machen. Heute ist Laura und ihre Manufaktur erfolgreich, betreibt zwei Cafés in Berlin und einen Online-Shop. Außerdem coacht sie andere Gründer und ist ist auch ehrenamtliches Gesicht der Initiative „Ich mach mich selbstständig“ von der IHK Berlin und den Berliner Wirtschaftsjunioren. Was sie in den letzten Jahren gelernt hat und wie sie ihren Traum des eigenen Cafés erfüllt hat, erfahrt ihr im nachfolgenden Interview. Außerdem bereichert Laura unser nächstes femsemble in Berlin am 15. Mai.

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Laura, welche drei Eigenschaften magst Du an Dir besonders?

Laura: Das ist so eine tolle Frage, die ich auch immer gern ganz am Anfang stelle, wenn ich Coachings gebe. Man sieht so oft bei sich selbst vor allem die negativen Seiten und versucht die mit viel Anstrengung los zu werden. Anstatt viel öfter mal den Fokus auf die positiven Eigenschaften zu legen und diese noch viel mehr auszuleben.
An mir selbst mag ich meine Lebensfreude, meinen Mut und meine Empathie.

Als Mama Makrönchen hast Du Dich 2011 selbständig gemacht. Davor warst Du fest angestellt in einem der größten Medienunternehmen in Deutschland. Was hat Dich zu dieser Entscheidung bewegt?

Laura: Kurz gesagt: Mein Bauch! 
Irgendwann nachdem ich ungefähr zwei Jahre mit dem Studium fertig war und schon über 5 Jahre bei Axel Springer tätig war, hab ich zum ersten Mal ein kleines Zwicken im Bauch gespürt. Da war etwas, was mir gesagt hat, dass ich mir mal drei Gedanken darüber machen sollte, wie es eigentlich mit mir weiter gehen soll. In einem Kurzurlaub in Marrakesch war ich dann so sehr in 1001 Nacht eingetaucht, dass ich den Kopf frei bekam und zuerst einmal die allererste Entscheidung für mich traf: Den Job, den ich zu der Zeit gerade machte, wollte ich nicht weiter machen!
Ich fühlte, dass ich mich weiterentwickeln wollte.

© Makrönchen Manufaktur

© Makrönchen Manufaktur

Zurück aus dem Urlaub, teilte ich meiner Chefin damals sofort diesen Entschluss mit. Puuh, da war ich vielleicht aufgeregt. Ich wusste: Mit der Entscheidung, zu kündigen, sprang ich sozusagen von einer Klippe – ohne zu wissen, wo ich eigentlich landen würde. Ab da hatte ich drei Monate (so lang war meine Kündigungsfrist) Zeit, mir zu überlegen, wie es für mich weitergehen sollte. Diese Zeit war manchmal frustrierend und angsteinflößend, aber es passierten auch viele spannende Dinge. Am Ende der drei Monate wusste ich: Ich werde mich mit einem kleinen Macaron-Verkauf selbständig machen. 
Und ab dem Moment, wo die Entscheidung gefallen war, ging plötzlich alles wie von selbst. Es war wie ein Reißverschluss, den man zuzieht und alles passt zusammen.

Wie lange hast Du darüber nachgedacht, bevor Du Dich tatsächlich zur Gründung entschieden hast? Was hat Dir beim Treffen der Entscheidung geholfen?

© Makrönchen Manufaktur

© Makrönchen Manufaktur

Laura: Wie gerade schon gesagt hatte ich mir selber drei Monate gesetzt, um mich nach einem neuen Job umzuschauen und mir Gedanken darüber zu machen, was ich gerne machen möchte. Es gab dann aber eine Schlüssel-Situation, die mir bei der Entscheidung für den Schritt in die Selbständigkeit sehr geholfen hat. Und zwar hatte ich während dieser drei Monate ein Vorstellungsgespräch in einer Agentur für strategisches Marketing. Um meine Bewerbung besonders nah an der ausgeschriebenen Stelle zu orientieren, entschied ich mich nicht für ein klassisches Anschreiben sondern gestaltete in einer Grafik die „Marke Laura Leising“ mit meinen Stärken und Kernkompetenzen. Das Erstellen dieser Grafik lies mich sehr viel über mich selbst nachdenken. Was kann ich eigentlich richtig gut? Was mache ich eigentlich wirklich gerne? Was liegt mir vielleicht auch nicht so sehr?
Das Vorstellungsgespräch selbst entwickelte sich dann tatsächlich fast zu einem kleinen Coaching. Wir sprachen ganz lange über mich, meine Stärken und auch Schwächen. Und dann fiel die Frage: „Laura, wo siehst Du Dich eigentlich in fünf Jahren? Eher in einer Führungsposition (im unternehmerischen Sinne handelnd) oder selber als Unternehmerin?“ Diese Frage beschehrte mir nach dem Vorstellungsgespräch ein paar schlaflose Nächte. Und nach ein paar Tagen beantwortete ich sie mir mit: „Ich sehe mich in der Selbstständigkeit!“

Und wie waren die Reaktionen aus Deinem Umfeld?

Laura: Die Reaktionen aus meinem Umfeld waren damals sehr unterschiedlich. Es gab viele Freunde und Kollegen, die gesagt haben „Wow! Respekt! Du traust Dich echt was! Du lebst unseren Traum“ oder auch „Super! Wie können wir Dich unterstützen?“. Es gab aber natürlich auch verhaltene Reaktionen. Vielleicht hat es doch den einen oder anderen gegeben, der ein bisschen Neid gespürt hat. Dass ich mich etwas traue, was sich der ein oder andere vielleicht auch wünscht, war glaub ich für einige seltsam. Und gerade für ältere Generationen ist es manchmal auch schwer zu verstehen, dass man einen sicheren Job für einen „verrückten“ Traum an den Nagel hängt. Da ist der Wunsch nach Sicherheit schon tiefer verankert. Ich denke, einigen Familienmitgliedern hat es damals bestimmt auch Angst gemacht, dass ich da etwas anstrebe, was evtl. keine wirkliche Perspektive hat. Wirklich wissen konnte am Anfang ja tatsächlich keiner wo die Reise hingeht. Nichts desto trotz hat  mich meine Familie und viele Freunde aber von Anfang an unterstützt. Das war wirklich toll!

Die Makrönchen Manufaktur ist insbesondere in Berlin bekannt. Mit zwei Cafés, einem Online-Shop, Backkursen und Lieferservice macht ihr die Hauptstädter mit bunten Leckereien glücklich. Was waren bisher die größten Herausforderungen der Manufaktur und wie habt ihr sie gemeistert?

© Makrönchen Manufaktur

© Makrönchen Manufaktur

Laura: Tja, Herausforderungen gibt es irgendwie immer. Da kommt man nicht drum rum. Aber ich denke, Probleme kommen, um gelöst zu werden. Und um einen wachsen und gelassen werden zu lassen. 
Ich bin ganz ehrlich: Die größten Herausforderungen entstanden bei uns eigentlich immer, wenn das Geld knapp wurde. Dann ist alles doppelt so schlimm. Dann ist es noch schlimmer, wenn man falsche Mitarbeiter eingestellt hat. Dann ist es noch dramatischer, wenn irgendwas kaputt geht und auch noch viel schrecklicher, wenn plötzlich ein großer Kunde zur Konkurrenz wechselt. Geldsorgen schränken einen nicht nur im Handeln ein. Auch die Kreativität leidet enorm.
Leider sind wir davon nicht verschont geblieben. So ein kleines Business mit  klitzekleinen, handgefertigten Produkten lukrativ und rentabel zu betreiben ist nicht einfach. Wenn es dann noch die erste Selbständigkeit ist (so wie es bei mir ja der Fall war), dann ist der ein oder andere Stein im Weg schon fast vorprogrammiert. Gelöst habe ich die Probleme immer mit einem klaren Kopf. Hektisch werden bringt nichts. Einmal habe ich mich für ein paar Tage sogar ganz alleine in die Stille der Uckermark auf einen Bauernhof verzogen, hab mir unsere Probleme genau angesehen und Lösungen erarbeitet. Das hat im wahrsten Sinne des Wortes gefruchtet.

Was war das Wichtigste was Du für Dich die letzten Jahre gelernt hast? Gab es Momente in denen Du gezweifelt hast dass dein Vorhaben vielleicht doch nicht das richtige ist?

© Makrönchen Manufaktur

© Makrönchen Manufaktur

Laura: Wow, das ist echt schwer zu beantworten, weil es so unglaublich viel ist, was ich seit der Gründung der „Makrönchen Manufaktur“ gelernt habe. Das Wichtigste ist für mich glaub ich: Geduld! 
Ich war nie sehr geduldig. Ich wollte immer, dass meine Ziele schnell erreicht werden. Aber das bringt nichts. Man stolpert nur. Eine gute Freundin, die auch Restaurant-Inhaberin ist, sagte mal zu mir „Das Gras wächst auch nicht schneller, wenn man dran zieht!“. Und ja – genau so ist es: Die Dinge brauchen Zeit und Raum, um sich zu entfalten.
Natürlich gab es auch Augenblicke, wo ich gezweifelt habe. Vor allem waren das Momente, wo ich vielleicht zu ungeduldig war. Da gab es dann Zeiten, in denen ich mir selbst Fehler eingestehen musste. Und diese dann auch irgendwie wieder ausbügeln musste. Das war echt nicht schön!
Aber in dem Moment, wenn dann wieder ein Kunde mit strahlenden Augen im Laden steht und sagt „Oh, das ist ja so ein süßer Laden!“ oder „Mmmhhh, das sind wirklich die besten Macarons, die ich je gegessen hab!“ dann ist jeder Zweifel einfach wie weggeblasen!


 

„Das Gras wächst auch nicht schneller, wenn man dran zieht!“

 


Und wie groß ist inzwischen dein Team und wie viele Makrönchen produziert ihr täglich?

© Makrönchen Manufaktur

© Makrönchen Manufaktur

Laura: Mein Team aus „Makrönchen-Engeln“ besteht inzwischen aus vier festen Mitarbeitern und – je nach Saison – zwischen 8 und 12 Aushilfen. Zusätzlich runden auch immer Uni- oder Schülerpraktikanten unser Team ab. Aufgrund der vielen unterschiedlichen Vertriebswege gibt es auch ziemlich viele Aufgabenbereiche – von der Backstube über Service & Verkauf in den Laden-Cafés bis hin zur Abwicklung und Organisation von Onlineshop-Bestellungen und  großen Events. Ich selbst bin inzwischen fast nur noch mit strategischen Fragen, Organisation und Hintergrund-Tätigkeiten (ich sage nur: irgendwas ist immer kaputt…) beschäftigt. Zwischendurch kreiere ich auch gern immer wieder neue Makrönchen-Sorten und andere Leckereien. Aber ein Großteil meiner Arbeit findet schon am Rechner statt. Auch etwas, was ich tatsächlich am Anfang gar nicht so gedacht hätte. 
Aber bei den vielen Produkten, die inzwischen bei uns gebacken werden, würde ich als „Hobbybäckerin“ auch nicht mehr mit unseren Konditorinnen mithalten können.

© Makrönchen Manufaktur

© Makrönchen Manufaktur

Die Mädels backen in unserer kleinen Backstube inzwischen schon wirklich sehr, sehr viele Makrönchen. Mit unserer Jahresproduktion könnten wir sicherlich einmal den KuDamm rauf und runter pflastern. Zusätzlich gibt es bei uns jetzt ja auch noch viele andere Köstlichkeiten – kleine Petit Fours, Tarteletts, Mousse-Törtchen, Plätzchen und Kuchen. Und alle Backwaren, die es bei unserem Frühstück gibt, werden auch bei uns handgefertigt. Aus der kleinen Mini-Manufaktur, die sie 2011 noch war, ist inzwischen schon echt ein ganz schön großes Mädchen geworden. Aber ich bin wirklich sehr stolz auf mein Team. Das geht schon meist alles sehr gut Hand in Hand.

Was würdest Du anderen GründerInnen raten, die vor haben sich im Bereich der Gastronomie, selbständig zu machen?

Laura: Ich weiß, dass für Viele ein eigenes Café oder Restaurant der Lebenstraum schlechthin ist. Und ich liebe Träume und deren Verwirklichung! Ich rate allerdings jedem, der den Sprung in die gastronomische Selbständigkeit wagen will und vorher noch nie etwas mit Gastronomie am Hut hatte, sich vorher genau über die Gründe für seinen Traum Gedanken zu machen. Sollte der Wunsch, ein Café zu eröffnen, daher kommen, dass man sich mehr Ruhe und weniger Stress im Arbeitsleben erhofft , dann sollte man eventuell noch einmal über eine „Traum-Alternative“ nachdenken. Wenn man aber für sich entschieden hat (ganz egal ob Bauch oder Kopf oder eine Kombination aus beidem), dass man wirklich in die Gastronomie einsteigen möchte (was natürlich auch ganz, ganz viele spannende und unvergessliche Momente bereithält) dann rate ich dazu, sich einen Roten Faden zu überlegen und dann einfach mutig zu sein! Macht die Dinge, wie Ihr denkt! Steht zu Euren Ideen! Wenn man ein Café oder Restaurant besitzt, meint tatsächlich fast jeder, mitreden zu können. Jeder geht regelmäßig essen und gibt einem dann auch regelmäßig gut gemeinte Ratschläge. Das soll nicht heißen, dass Tipps, Anregungen oder konstruktive Kritik schlecht sind. Ganz im Gegenteil! Aber man sollte sich auch stets die eigene „Story“ vor Augen führen und auch eine Weile dabei bleiben. Es bringt nichts, alle vier Wochen wieder die komplette Produktpalette zu ändern. Wie gesagt: Ein bisschen Geduld schadet definitiv nicht! Und ein kleiner finanzieller Puffer für schlechte Zeiten sicher auch nicht…


„Macht die Dinge, wie Ihr denkt! Steht zu Euren Ideen!“

 


Konntest Du deine Backleidenschaft in den letzten Jahren aufrecht erhalten? Und welches Makrönchen ist Dein Favorit?

© Makrönchen Manufaktur

© Makrönchen Manufaktur

Laura: Du glaubst es kaum, aber in den ersten drei Jahren der „Makrönchen Manufaktur“ hab ich selbst zuhause überhaupt gar nicht mehr gebacken. Auch nicht mehr gekocht. Nach 10 bis 12 Stunden in der Küche konnte ich keine Töpfe und Backformen mehr sehen. Inzwischen kommt die Leidenschaft aber wieder zurück und ich koche und backe wieder sehr, sehr gerne. Und süße Sachen esse ich sowieso immernoch gerne. Mein Liebslingsmakrönchen ist unsere Madagsakar Vanille und Maracuja. Aber alle anderen sind auch toll – auch unsere herzhaften Sorten wie zB Wasabi oder Ziegenkäse-Mango! Super ist ja, dass unsere Sorten je nach Saison auch immer ein wenig variieren. So wird es definitiv nie langweilig beim Naschen!

Vielen Dank Laura für das Interview!

Erfahrt mehr über Laura und Ihren bisherigen Weg bei unserem femsemble am 12. Mai in Berlin!

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