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Mein Sprung in die Selbständigkeit

24. Oktober 2019

Ja, ich bin es wirklich: selbständig. Was nun so einfach uns selbstverständlich klingt, war eine lange Reise. Da ich weiß, dass einige von euch auch mit dem Gedanken spielen, sich selbständig zu machen, möchte ich euch heute mit auf diese Reise nehmen. Eins kann ich schon vorweg nehmen: Den Sprung habe ich bisher nicht bereut, sondern vielmehr, es nicht schon viel früher gewagt zu haben …

Alles begann während des Mutterschutzes und vielleicht sogar schon kurz vor der Geburt meiner ersten Tochter im Frühjahr 2015: Das Gefühl, dass es noch mehr geben muss, dass in mir ein Ziel schlummert fernab aller Corporate Karrierepfade. Meine Angestelletenverhältnisse waren immer sehr intensiv. Ich bin ein extrem pflichtbewusster Typ und habe mich zum Teil richtiggehend abgearbeitet. Es wurde auch (zum Teil) belohnt mit weiteren Verantwortungsbereichen, Führung usw. Aber in fast allen Unternehmen kam ich nach spätestens zwei Jahren an den Punkt, dass ich eigentlich wieder was Neues sehen möchte. Mir war nie langweilig, aber ich fühlte mich nicht erfüllt. So richtig konnte ich diese Leere und die Suche nach etwas jedoch nie in Worte fassen. Hochschwanger arbeitete ich noch munter an meinen Überstunden, merkte aber eine innere Gereiztheit und Unzufriedenheit.

Während meiner Elternzeit war ich erstmal fast ein Jahr arbeitstechnisch ruhig gestellt und merkte, dass ich einfach ein Arbeitstyp bin, aber auch ein Mensch mit gaaaaanz vielen Interessen, eine sogenannte Scanner-Persönlichkeit. Das war mir zwar schon früher bewusst, aber irgendwie hatte ich dies in den letzten Jahren sträflich vernachlässigt. Also entschied ich mich, eine Ausbildung zur Fitnesstrainerin zu machen. Neben meinem eigentlichen Job im Personalwesen ein ganz anderes Feld, in das ich mich reinknien konnte. Das Ziel war, mit Rückkehr in meinen alten Job nebenbei Mamas zu trainieren, um nach der Geburt fit zu werden und sich gleichzeitig zu vernetzen. Und was soll ich sagen: Es klappte prima und macht mir ganz viel Spaß. Von Montag bis Donnerstag war ich nach wie vor bei meinem alten Arbeitgeber, freitags und samstags schwitzend an der frischen Luft mit den Müttern unterwegs.

Eine lähmende Angst vor dem Schritt in die Selbständigkeit

Ich beschäftigte mich immer mehr mit Themen rund um das Gründen, Start-ups, Selbständigkeit usw. Aber ich hatte eine unglaubliche Angst, wirklich diesen Schritt zu wagen. Zwar bin ich ein Mensch, der Veränderungen liebt und diese meist pro-aktiv angeht, aber die Selbständigkeit war für mich wie ein großes tiefes Loch. Ja, ich muss es zugeben: Ich hatte eine unglaubliche Angst vor finanzieller Unsicherheit. Trotzdem wurde ich nicht müde, mich mit diesem Thema zu beschäftigen, füllte Tagebücher voller Ideen, Werte und Zukunftsvorstellungen. Schon da kristallisierte sich heraus, dass für mich Flexibilität und Freiheit (momentan) einen ganz großen Stellenwert haben, natürlich auch bedingt durch die Familie. Und ich entwickelte parallel eine Faszination des digitalen Nomadentums. Ich spürte, dass es in so eine Richtung gehen sollte …

Dann kam für meinen Mann das Jobangebot in Zürich und unser Umzug in die Schweiz. Nun witterte ich die Chance, mich endlich in die Selbständigkeit zu stürzen, da ich ja zunächst keinen Job haben sollte. Allerdings bekam ich von meinem aktuellen Arbeitgeber die Möglichkeit offeriert, von Zürich aus zu arbeiten. Einerseits natürlich toll, auf der anderen Seite verfluchte ich es, da die Sicherheitsfalle natürlich wieder komplett zuschnappte und ich mich beruflich weiterhin in die schöne Komfortzone einkuscheln konnte. Nebenher ließ mich das Thema Selbständigkeit nicht los, ich las Blogs dazu, hörte Podcasts und war selbst sauer auf mich, dass ich diesen Schritt einfach nicht gehen konnte und wollte. Auch Coachings halfen nicht, den Knoten zu lösen.

Paradoxerweise entwickelte es sich sogar in eine andere Richtung: Ich nahm ein Jobangebot einer globalen Unternehmensberatung an. Irgendwie fühlte ich mich geschmeichelt: Ich als zweifache Mutter habe sozusagen im Ausland ein Angebot eines renommierten Unternehmens erhalten. Anfangs war ich auch sehr euphorisch, aber je näher der Starttermin rückte, desto mulmiger wurde mein Gefühl. Ich konnte jedoch nicht klar ausdrücken, dass ich diesen Job nicht angehen möchte, sondern schob andere Gründe vor: Zum Beispiel, dass die Betreuungsmöglichkeit durch den Schuleintritt meiner älteren Tochter schwierig werden würde mit dem neuen Job …

Als ob eine innere Sonne langsam aufgeht

Kurz vor Antritt bei meinem zukünftigen neuen Arbeitgebers machte ich die schon so lang herbeigesehnte Zertifizierung zum Karrierecoach in München: Es war sehr intensiv und brachte alle Punkte, die ich in den vergangenen Jahren aus Büchern, Gesprächen, Zeitschriften, Podcasts und eigenen Überlegungen in meinem kleinen Gedankenbüchlein zur Selbständigkeit notiert hatte, in eine Ordnung. Ich merkte innerlich eine Stärke in mir und auch, als ob innerlich eine Sonne aufgeht. Zwar ganz langsam, aber immer kraftvoller. Am letzten Tag der Ausbildung las ich, dass Aimie eine Nachfolgerin für FIELFALT sucht. Schon vor einigen Jahren hatte ich mir als Wunsch immer wieder notiert, dass ich Frauen in ihrem Selbstwert und Selbstbewusstsein unterstützen und inspireieren möchte. Sei es durch einen Blog, Kurse oder Coachings. Das genaue Ziel hatte ich nicht vor Augen. Als ich Aimies Mail las, kam dies alles hoch und aus einem Implus heraus antwortete ich ihr.

Wieder zu Hause in Zürich berichtete ich meinem Mann davon und auch davon, dass ich endlich ehrlich zu mir selbst sein muss und endlich, endlich meine Selbständigkeit angehen möchte. Er hatte in den Jahren zuvor schon immer wieder aufgeworfen, dass ich der Typ für eine Selbständigkeit sei und es doch endlich angehen soll, er würde dies auch unterstützen. Von daher war er fast so euphorisch wie ich und die Sonne in mir leuchtete immer stärker. Es fühlte sich wie eine Befreiung an, endlich meiner Intuition nachzugehen und mein Potential ausleben zu dürfen, endlich meinen Weg angehen zu können. Natürlich existierten nach wie vor Unsicherheiten, aber die Entscheidung brachte so eine Kraft mit sich, dass ich ein richtiges Urvertrauen hatte.

Die Entscheidung brachte immens viel Rückenwind mit sich

Und ich wurde in diesem Urvertrauen bestätigt: Zwei Tage nach meiner Entscheidung bekam ich einen Anruf von einer Freundin, dass sie für ein Projekt dringend ab sofort Unterstützung benötigt und ob ich sofort einsteigen könne. Ich konnte es fast nicht glauben, dass die Sorge um Kundenakquise und fianzielle Sicherheit so schnell im Keim erstickt wurde. Auch die Betreuungssituation unserer Kinder löste sich in unserem Sinne und ich kam mit Aimie überein, FIELFALT zu übernehmen. Selbst wenn ich das im Nachhinein aufschreibe, kann ich immer noch nicht glauben, wie leicht manches klappt, obwohl man sooooo eine große Angst vor dem Schritt hatte.

Manchmal ärgere ich mich, dass ich den Sprung nicht schon viel früher gewagt habe, aber vermutlich war meine persönliche Zeit dafür zuvor einfach noch nicht reif. Und natürrlich ist mein Leben nicht nur eitel Sonnenschein. Aber wisst ihr, wie toll es sich anfühlt, endlich einen Lebenstraum angegeangen zu sein und für seinen Mutr belohnt zu werden? Selbst wenn ich in Zukunft wieder in ein Angestelltenverhältnis eintreten sollte: Ich bauche mir keine Vorwürfe mehr zu machen, Chancen verpasst und Träume nicht gelebt zu haben. Und dieses Gefühl ist unvorstellbar. Meine Werte Freiheit und Flexibilität lebe ich zwar gar nicht in einem großen Ausmaß aus, aber es tut verdammt gut zu wissen, dass ich es noch viel mehr ausleben könnte.

Zusammenfassend ist meine Reise in etwa so zu beschreiben, als ob man immer auf den 10 Meter Sprrungturm im Freibad schielt, sich aber letzendlich doch nicht traut, zu springen. Erst bewundert man alle, die springen und dabei anscheinend irssinnig viel Spaß haben. Irgendwann nähert man sich immer näher diesem Turm, erklimmt sogar vielkleicht ein paar Stufen, klettert jedoch aus Angst vor der eigenen Courage wieder runter. Und irgendwann ist die Zeit gekoommen: Man wird wie ein Magnet angezogen, ist zwar noch etwas scheu, beschreitet aber Schritt für Schritt den Weg nach oben. Dann steht man oben und weiß, dass man nun bereit ist für den Sprung. Und auch wenn man nicht weiß, wie man im Wasser aufkommt, ist das egal. Man schielt herunter, genießt die Aussicht und vielleicht auch die bewundernden Blicke der Zuschauer, denn ein solcher war man vor nicht allzu langer Zeit auch. Dann nimmt man tief Luft und … springt … und es fühlt sich absolut richtig an!

Foto: ©Tommaso Fornoni on Unsplash

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