FA: Fielseitiges & Aspekte

Motivation: „Weg von“ gegenüber „hin zu“

23. Januar 2020

Neulich habe ich etwas sehr Interessantes gelesen: Hunde sind viel schneller, wenn sie etwas jagen als wenn sie selbst gejagt werden. Also sprintet ein Hund viel schneller einem Kaninchen hinterher als wenn er von einem tollwütigen anderen Vierbeiner gejagt wird. Und um ehrlich zu sein geht es uns doch genauso …

Gejagt werden …

Natürlich haben wir meistens das Glück, nicht wegrennen zu müssen vor Angst, dass uns jemand beißt oder uns etwas Schlimmeres antut. Aber es macht einen Unterschied, woher die Motivation und der innere Antrieb kommt. Möchte man weg von etwas, hat man oft ein negatives Gefühl: Der Job, der nervt, die Beziehung, die nicht gut funktioniert, der Körper, mit dem man nicht zufrieden ist, die Wohnung, die plötzlich viel zu klein ist usw. Man fühlt sich in der eigenen Komfortzone nicht mehr wohl. Irgendwann tut es so weh und das Unwohlsein ist so groß, dass man merkt: So geht es nicht weiter, ich muss etwas tun. Also kündigt man Job oder Wohnung oder begibt sich erstmal auf die Suche nach etwas Neuem, Passenderem. Vielleicht hält man auch erstmal nach einem neuen Partner Ausschau, bevor man sich trennt … Der Beigeschmack ist jedenfalls immer etwas bitter, es fühlt sich an, als ob man zu enge Kleidung trägt. Es passt nicht mehr und man möchte sich die Kleider am liebsten gleich vom Leib reißen. Stellt man sich einen armen gejagten Hund vor, empfindet man auch eher Mitgefühl und Unwohlsein.

… oder selbst jagen?

Etwas anders ist das Gefühl, wenn die Motivation hin zu etwas in uns heranreift: Endlich mal im Bikini am Strand wohlfühlen, den nächsten Entwicklungsschritt im Job angehen, eine Wohnung, die hell ist und genug Platz bietet oder einen Partner, mit dem man gerne Hand in Hand durch das Leben schreitet. Oft spielt dabei die Visualisierung eine große Rolle: Je detaillierter ich mir alles ausmale, desto besser. Also im Kopf schon mal die neue Wohnung einrichten, mir in allen Farben den nächsten Strandurlaub im neuen Bikini vorstellen und vor meinen inneren Auge die neuen Tätigkeiten und Herausforderungen des angestrebten Jobs ablaufen lassen. Coaches raten, dass man einen Schritt weiter geht und alles nicht nur im Kopf erstehen lässt, sondern es physisch gestaltet mit Hilfe eines Vision Boards. Auf jeden Fall ist das Gefühl, wenn man zu etwas möchte, viel positiver: Man freut sich, muss bei der Visualisierung vielleicht schmunzeln und verspürt zum Teil einen ungemeinen Tatendrang, die neuen Ziele anzugehen. Auf dem Weg zum Ziel spürt man sogar oft eine Art Flow. Der Hund hat ja meist auch Freude daran, das Kaninchen oder die Karte zu jagen.

Es spielerisch angehen

Ganz ehrlich: Bei mir waren die großen Entscheidungen des Lebens oft eine Mischung aus „weg von“ und „hin zu“, gerade in beruflichen Belangen. Den nächsten Schritt (Firmenwechsel, höhere Position, Selbständigkeit) bin ich immer dann angegangen, wenn ich merkte: Der momentane Zustand passt nicht mehr, engt mich ein, hält keine Perspektiven für mich bereit oder fängt vielleicht sogar an zu langweilen. Gleichzeitig habe ich nach dem nächsten Schritt geschielt und mich dort hinein gefühlt. Ähnlich erging es mir meist bei Umzügen: Ja, die Wohnung ist zwar schön, aber mich nerven die langen Arbeitswege oder ein größerer Balkon wäre toll, Ruhe in der Nacht auch manchmal was Schönes und dann habe ich doch neulich eine atemberaubend schöne Wohnung gesehen, auch noch in meinem Lieblingsviertel …

Letztendlich ist eine „hin zu“ Motivation sicherlich erstrebenswerter, da wir sie mit Vorfreude und Energie angehen und hoffentlich auch mit Spaß. Für den Hund ist das Jagen auch ein Spiel. Aber oft spielt die „weg von“ Motivation ebenfalls mit rein. Der Hund findet das Herrchen schließlich auch langweiliger als die Beute. Wichtig ist doch, dass wir den nächsten Schritt nur gehen, wenn die Ist-Situation nicht mehr ausreicht: Ob wir uns in der Komfortzone unwohl fühlen oder über den Tellerrand geschaut haben und ganz neue Möglichkeiten erspähen konnten, ist vielleicht manchmal nebensächlich. Hauptsache, wie gehen etwas Neues an und entwickeln uns.

Wie ergeht es euch? Meist „weg von“ oder eher „hin zu“?

 

Foto: ©Unsplash

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  • Reply
    Anna Stachow
    24. Januar 2020 at 23:16

    Hallo Alex, ich denke, wenn wir von etwas weg gehen, dann gehen wir immer auf etwas anderes zu (auch wenn noch unsichtbar ist für uns). Und andersrum.

    Aber abgesehen davon, ist es für mich insgesamt ganz anders, ob ich im ‚weg von-‚ oder ‚hin zu‘-Modus bin. Der größte Unterschied ist, dass ich innerlich eng statt innerlich weit bin. Das heißt, entweder ich bin getrieben und habe Scheuklappen auf oder ich bin energievoll geladen und Zugang zu meiner Neugier.

    Sicher ist es manchmal nicht klar abzugrenzen, aber im Schnitt lässt sich doch oft eine starke Tendenz erkennen. Und wenn wir merken, wir handeln eher aus Angst als aus Liebe (das ist der Kern, finde ich), dann finde ich es empfehlenswert innezuhalten und zu erforschen, was es für andere Möglichkeiten geben könnte.

    Herzlich, Anna

    • Reply
      Alexandra
      26. Januar 2020 at 12:35

      Liebe Anna, danke für dein Kommentar. Ja, die innerliche Weite (und Aufgeschlossenheit) ist absolut essentiell, das stimmt. Und offen zu sein für neue Möglichkeiten finde ich sowieso essentiell! Ganz liebe Grüße, Alex

  • Reply
    Natalie
    31. Januar 2020 at 9:17

    Hallo Alex,
    ein interessanter Text. Wie Anna oben auch schon beschrieben habe, ist ein Prozess ja nie einseitig. Ich denke außerdem, dass es immer eine Balance zwischen Beständigkeit und damit auch Sicherheit und Wandel und damit Veränderung geben muss. Nur wenn wir eine sichere Basis haben, sind wir wirklich frei und offen für neue Wege. Die „weg von“-Motivation klingt für mich dann, nach deiner Definition, auch eher nach einer Entscheidung aus Angst, nach einem Weglaufen. Bei einer „hin zu“-Motivation wäre es eher eine Entscheidung aus Liebe, was höchstwahrscheinlich auf Dauer zu sehr viel mehr Zufriedenheit führt.
    Liebe Grüße
    Natalie

    • Reply
      Alexandra
      31. Januar 2020 at 11:10

      Absolut, liebe Natalie! Ich muss auch immer wieder zwischen Beständigkeit und Wandel jonglieren. 🙂

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