FA: Fielseitiges & Aspekte

Nicht gut genug? Wie ich meinem inneren Kritiker den Kampf angesagt habe!

2. April 2020

Gastautorin: Marie-Christin Holland

 

„Was bildest du dir denn eigentlich ein? Nimm dich mal nicht so wichtig! Das war noch gar nichts! Das ist nicht gut genug!“ Da war er wieder, mein innerer Kritiker. Angeblich wollte er mich mal wieder beschützen, vorm Scheitern und vor der Ablehnung der anderen.

Wer der innere Kritiker ist

Jede Stimme in deinem Kopf, die nicht freundlich oder liebevoll zu dir spricht, ist dein innerer Kritiker. Geboren wird er meist in der Kindheit mit der Aufgabe, darauf aufzupassen, dass wir uns nicht in Gefahr bringen und auf das hören, was unsere Autoritätspersonen, z. B. unsere Eltern, uns sagen. Er warnte uns, wenn wir vom „richtigen“ Weg abkamen. Er sagte: „Das darfst du nicht…“, „Du solltest…“, „Du musst…“ oder „Das macht man nicht…“ Kommt dir das bekannt vor?

Der innere Kritiker ist für uns Erwachsene kein Freund und Beschützer mehr

In der Kindheit hat er eine Aufgabe, wenn wir erwachsen sind, ist er überflüssig. Er sieht er nur, was du falsch machst und du kannst es ihm nie recht machen. Denn im Zweifel findet er immer etwas, was er an dir auszusetzen hat. Wie alles im Leben kann das auch Vorteile haben – je nachdem, wie du damit umgehst, wie z. B. bei mir: Er hat mich zu Höchstleistungen angetrieben. Ohne ihn hätte ich vielleicht nicht mein „Ziel“ erreicht, Teamleiterin im Marketing zu werden. Aber egal, wie viele Erfolge ich angehäuft hatte oder wie viel Anerkennung mir entgegengebracht wurde, es war nie gut genug.

Kurz vorm Burnout

Immer wieder hat mich mein innerer Kritiker und die Angst vor Ablehnung ans Ende meiner Kräfte getrieben. Denn weil ich nie gut genug und zufrieden mit mir selbst war, bin ich immer wieder über meine Grenzen hinausgegangen: Schneller, höher, weiter. Irgendwann hat sich vor ein einigen Jahren dann mein Körper mit Symptomen gemeldet: Magenschleimhautentzündung, Kopfschmerzen, chronisch gestresst – alles war dabei. Denn der hatte endgültig die Schnauze voll. Und ich danke ihm heute sehr dafür, denn er hat mich gezwungen, hinzuschauen.

In einem Buch von Boris Grundl habe ich mal gelesen „Krankheit ist immer eine Botschaft des Lebens an dich selbst. Sie sagt: Halte inne, denke nach und ändere etwas.“ Dieses Zitat ist bis heute so präsent, dass ich es gerade einfach so herunterschreiben kann, denn es hat irgendwie mein Leben geprägt: Heute achte ich auf mich und höre auf die Botschaften meines Körpers.

Schluss mit dem inneren Kritiker

Es war also an der Zeit, meinem inneren Kritiker den Kampf anzusagen, um etwas in meinem Leben zu ändern – wobei es im Grunde gar kein wirklicher Kampf war. Vielmehr ging es darum, meinen Kopf von den Urteilen und Auffassungen über mich selbst zu befreien und mich selbst so anzunehmen, wie ich bin.

Von Selbstachtung zu Selbstliebe

Eigentlich wollte ich am Anfang nur, dass all das weg geht. Das der innere Kritiker einfach nur verstummt und ich ein glückliches und zufriedenes Leben führen kann. Aber jeder, der sich schon mal mit Persönlichkeitsentwicklung beschäftigt hat, weiß auch, dass nach der Erkenntnis die Annahme folgt, bevor eine Veränderung überhaupt erst möglich wird.

Dem inneren Kritiker zuhören

Also habe ich meinem inneren Kritiker die Bühne gegeben, die er brauchte. Ich habe ihm zugehört und einfach mal all das aufgeschrieben, was er mir die ganze Zeit so erzählt. Es war schockierend und weit entfernt von nett.

Dem inneren Kritiker ein Gesicht geben

Dann habe ich ihn liebevoll „Grübli“ getauft und ihm immer, wenn er sich gemeldet hat, zugehört und mich für seinen Ratschlag bedankt. Ich bin sozusagen mit mir selbst in den Dialog gegangen. Und dann habe ich die Dinge von dem Zeitpunkt an so gehandhabt, wie ich sie für richtig gehalten habe: Weg von „Ich muss…“ hin zu „Ich möchte…“ und immer mit dem Gedanken im Hinterkopf: Ich bin ok, so wie ich bin – mit meinen Fehlern und Schwächen. Und du bist es auch, vergiss das nie.

 

Marie ist Gründerin von marketingich.de – einer Plattform, die Marketern dabei hilft weiterzukommen – sei es fachlich rund um das Thema Marketing-Automation oder in der persönlichen Weiterentwicklung, je nachdem wo der Schuh gerade drückt. 

 

Titelbild: ©Fuu J on Unsplash

  • Reply
    Marie von marketingich.de
    2. April 2020 at 14:24

    Vielen Dank nochmal an Alex von FIELFALT, dass ich die Plattform für den Beitrag bekommen habe. Denn das Thema liegt mir so am Herzen. In dem Zusammenhang empfehle ich dir auch gerne noch ein Buch, das sich genau mit dem Thema des Beitrags beschäftigt: Freundschaft mit sich schließen und den inneren Kritiker zähmen. Das Buch heißt „So gewinnen Sie mehr Selbstvertrauen“ von Rolf Merkle. Den Link zum Buch sowie meine 5 wichtigsten Erkenntnisse aus dem Buch findest du in meinem aktuellen Blogbeitrag: https://marketingich.de/blog/5-erkenntnisse-so-gewinnen-sie-mehr-selbstvertrauen

    Ich wünsche dir viel Freude dabei, dich selbst so anzunehmen, wie du bist!

    Alles Liebe
    Marie

    • Reply
      Alexandra
      6. April 2020 at 20:51

      Danke für den Buchtipp, liebe Marie!

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