FA: Fielseitiges & Aspekte

NO ESCAPE

18. August 2019

Über Urlaubszeiten …

Aktuell ist bei vielen von euch Urlaubszeit. Vielleicht liegt der Urlaub auch gerade hinter euch und ihr stolpert wieder in euren Alltag. Oder er ist zum Greifen nah.

Wie dem auch sei: Ich hoffe, ihr müsst unweigerlich lächeln, wenn ihr an den Sommerurlaub denkt und spürt in euch ein warmes Gefühl. Ist ja auch klar: Es macht Spaß, andere Kulturen und Gepflogenheiten zu entdecken, mit den Lieblingsmenschen die ganze Zeit zusammen sein zu können, ganz viel Freude und ganz wenig Druck im Kopf zu haben. Bei vielen von uns ist damit ein Gefühl von Freiheit verbunden. 

Herrlich, woanders Fußspuren zu hinterlassen

… und Auszeiten

Und da wir dieses Gefühl so sehr lieben und uns der Alltag oft verschlingt, gibt es neben der Urlaubszeit zumindest kleine Freiheitsinseln: Wochenenden, Feiertage und tägliche Auszeiten. Wie oft hört man im eigenen Umfeld, dass das Wochenende zu kurz war, der Urlaub dringend nötig ist oder zum Glück bald ein Feiertag naht. In unserer heutigen schnelllebigen Zeit gibt es ja sogar Ruhepole für zwischendurch: Ein Entspannungsbad, die Yoga-Stunde oder der Kaffee mit der Lieblingskollegin.

Aber ist es nicht traurig, dass wir anscheinend solche Oasen und Auszeiten von unserem Alltag, von unserem Leben brauchen? 

Versteht mich nicht falsch: Auszeiten sind toll. Ich freue mich auch darauf, wieder am Strand zu sein, andersartige Gerichte zu probieren, am Wochenende stundenlang im Schlafanzug relaxen zu können oder an Weihnachten viel Zeit mit der Familie zu verbringen. Ebenso freue ich mich auf den Donnerstag, wenn ich mich auf ein Glas Wein mit meiner besten Freundin treffe oder auf die Yogastunde am Dienstag oder auf …. Genauso sehr freue ich mich aber auch auf den Start eines neuen Projektes, auf einen tollen Austausch, einen Workshop, einen Kundentermin oder einfach darauf, ein To Do erledigen zu können. Und dass nicht erst, seitdem ich selbständig bin, sondern auch als Angestellte.

Genauso spannend: Neue Projekte angehen

Ja, ich gebe es zu: So schön der jeweilige Urlaub immer war, ich freute mich dann auch wieder sehr auf meinen Schreibtisch, meine Kollegen, meinen Vorgesetzten und meine Aufgaben. Denn die sogenannten „Auszeiten“ könnte es ohne den Alltag nicht geben. 

Und ist es nicht traurig, wenn man sich nur von Wochenende zu Wochenende hangelt, den Urlaub jeden Morgen herbeisehnt und in viel kürzeren Abständen immer wieder das Gefühl hochkommt, eine Auszeit dringend brauchen zu müssen? 

Ganz viel Lebenszeit

Während meiner Coachingausbildung ist mir bewusst geworden, dass ich nicht mehr zwischen Alltag und Auszeiten unterscheiden und versuchen möchte, meine LEBENSZEIT einfach für mich wundervoll zu gestalten. Es klappt nicht immer und ich möchte noch Vieles in mein Leben einbringen und Anderes aussortieren, aber ich wage es. Das bedeutet für mich, Pflicht und Kür mehr zu verbinden, verstärkt auf mein Bauchgefühl zu hören und mein Leben so anzugehen, dass die Auszeiten ausbleiben können.

Eine ehemalige Kommilitonin von mir brachte es neulich in einem Gespräch auf den Punkt: „No Escape.“ Sie orientiert sich beruflich gerade komplett neu und zieht nach Spanien ohne nennenswerte Spanischkenntnisse. Ohne Job, ohne Netzwerk, ohne Sprachkenntnisse in ein neues Land. Ihr neues persönliches Motto „No Escape“ ist für sie so stark, dass sie sich keine großen Sorgen macht und ihr Leben einfach anders gestalten möchte: Nicht mehr Auszeiten nehmen müssen, nicht mehr den nasskalten Winter ertragen müssen und sich immer den Sommer herbeizusehen, nicht mehr die Wochen über sich ergehen lassen, um dann irgendwann endlich in den Urlaub aufbrechen zu können, sondern das Jetzt, das Leben zu genießen und das, wonach sie sich sehnt, jeden Tag spüren zu können (Sonne, Strand, gutes Essen, südländische Mentalität). Ich war ganz verzaubert von ihrer neuen „No Escape“ Mentalität.

Leben nach „No Escape“

Aber genau darum geht es: Unseren Alltag zu dem schönsten unseres Lebens zu machen, Auszeiten und Glücksmomente jeden Tag zu integrieren und sich glücklich zu schätzen an dem, was man hat. Und wenn man merkt, dass ein Großteil des Alltags für einen selbst einfach furchtbar ist (Wetter, Job, Beziehungen), etwas zu ändern. Dann brauchen wir keinen Urlaub vom Alltag, dann ist der Urlaub die Kirsche auf dem Sahnehäubchen – und wir freuen uns auch auf das Eis darunter, auf unseren Alltag. Und ganz vielleicht nennen wir dann beides einfach „Leben(-szeit)“.

Lasst es uns probieren – ich bin auf eure „No Escape“ Gedanken und Momente gespannt! 

Motto „No Escape“
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