FA: Fielseitiges & Aspekte

Sind wir gefangen in „Minderheiten Gedankenmustern“?

28. Mai 2020

Was für Gedanken der Film „Hidden Figures“ und der Rücktritt von Jennifer Morgan aus dem SAP-Vorstand bei mir auslösen…

 

Lebte ich als Mädchen buchstäblich in einer rosaroten Blase?

Ich bin so aufgewachsen, dass Mädchen und Jungen gleichermaßen alles offen steht. Zwar hatten meine Eltern auch die klassische Rollenverteilung (Vater hat gearbeitet, Mutter war Hausfrau), aber sie haben mich mit dem nötigen Selbstbewusstsein ausgestattet, (fast) alles erreichen zu können – unabhängig von meinem Geschlecht.

Vielleicht wuchs ich in einer Blase auf, aber das erste Mal., dass ich wirklich mit dem Thema Gleichberechtigung konfrontiert wurde, war während meines Studiums: Bei einem geselligen Beisammensein mit Kommilitonen und mit Freunden, die ihr Studium bereits beendet hatten, entdeckten zwei Freunde, dass sie erhebliche Gehaltsunterschiede auf ihren Abrechnungen zu verzeichnen hatten. Beide waren bei dem gleichen Konzern beschäftigt, beide in der identischen Position, beide mit derselben Ausbildung, gleicher Berufserfahrung etc. Es handelte sich bei diesen Freunden um einen Mann und um eine Frau. Ich glaube, ich muss fast nicht erwähnen, dass die Frau das erheblich geringere Gehalt bekam. Wir alle waren ziemlich geschockt – vermutlich war für meine Freunde dieses Thema bislang auch nicht in diesem Umfang präsent.

Aber so richtig wurde das Thema Gleichberechtigung für mich absolut bedeutend, als ich das erste Mal Mutter wurde. Ich beschäftigte mich mit Rollenverständnissen, mit Teilzeit etc. Ich merkte, dass ich das klassische Rollenverständnis für mich nicht lebbar fand, lehnte mich aber nur geringfügig dagegen auf. Vielleicht, da ich es doch nicht anders kennen lernte und in meinem Umfeld kein Vorbild kannte.

Nach Morgans Rückritt aus dem Vorstand: Doch noch ein weiter Weg für uns?

Seitdem beschäftige ich mich viel mit dem Thema und habe auch mein Verständnis von Feminismus und Frauenquote stark überdacht: Fand ich damals Feminismus negativ behaftet und wollte ich aufgrund meiner Leistung und nicht durch eine Quote befördert werden, merke ich mittlerweile, dass (nach wie vor) Incentives gesetzt werden müssen und wir vielleicht die Kämpfe unserer vorherigen Generationen nicht mit dieser Intensität angehen, jedoch weiter verfolgen müssen.

Als ich im April 2020 mitbekam, dass Jennifer Morgan vom SAP-Vorstand zurücktrat, war ich wirklich bestürzt. Ich weiß nicht die Hintergründe, aber das erste Gefühl war: Es ist doch noch ein weiter Weg für uns…

Behandeln wir alle Menschen gleich?

Ähnliches erging mir, als ich neulich den Film „Hidden Figures“ sah: Es geht um drei dunkelhäutige Frauen, die in den 60er Jahren bei der NASA im Hintergrund fantastische Arbeit leisteten.

Der Film führte die damaligen Umstände für die Frauen auf. Obwohl ich schon so oft darüber gelesen habe, hat es mich tief schockiert: getrennte Bürotrakte, getrennte Toiletten, getrennte Eingänge, getrennte Kaffeeküchen usw. Unvorstellbar und einfach nur traurig. Ja, natürlich sind wir mittlerweile weiter. Aber sind wir das wirklich? Einen Tag, nachdem ich den Film sah, las ich, dass unter den COVID-19 Todesfällen in den USA viel mehr dunkelhäutige Menschen sind…

Sind wir wirklich so fortschrittlich?

Ich möchte nicht Gleichberechtigung und Women of Color in einen Topf werfen. Zudem gibt es noch so viele weitere Minderheiten. Aber manchmal stehe ich in dieser zauberhaften fortschrittlichen Welt und denke: Wie weit sind wir wirklich?

 

Titelbild: ©Photo by Giacomo Ferroni on Unsplash

 

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