EL: Entwicklung & Laufbahn

Teil- oder Vollzeit oder …?

8. April 2021

Ja, vielleicht ist es schön und ein Luxuspronlem, dass Viele sich diese Fragen (s. Titel des Artikels) stellen können, leider kommt es aufgrund dieser Entscheidungen aber ganz oft zu Anfeindungen. Eigentlich kann man es nicht richtig machen. Egal, wie man sich entscheidet. Eines möchte ich vorweg nehmen: Entscheidet so, wie es (momentan) am besten für euch und euch als Familie ist und versucht, andere Kommentare zu ignorieren. Wie es bei mir aktuell aussieht und die Gründe dafür, schildere ich in diesem Artikel

 

Bis zur Geburt unseres ersten Kindes habe ich in Vollzeit gearbeitet (wie vermutlich die meisten), dann in Teilzeit. Zuerst 60%, mittlerweile bin ich bei 80% angelangt.

Warum 80%?

Für mich wurden die Jobs, Aufgaben und Inhalte erst spannend, wenn ich mindestens 60% gearbeitet habe. Darunter wäre ich zu wenig greifbar, nicht voll eingebunden gewesen und hätte demzufolge nicht wirklich spannende Sachen betreuen können.

Mein jetziger Job wäre mit 60% schwierig gewesen. 100% möchte ich jedoch auch ungern arbeiten. Wir alle kennen das: Wenn man 20 Stunden arbeitet, arbeitet man meist nicht genau 20 Stunden, sondern etwas mehr. Bei 40 Stunden ist es genauso. Mit zwei kleinen Kindern mindestens 40 Stunden zu arbeiten (bzw. meistens mehr) habe ich mir dann doch nicht zugetraut. Und ich brauche einen „Puffertag“ (dazu gleich mehr).

Organisation und Logistik ist alles

Klingt wenig romantisch, aber so ist es leider. Gerade bei Teilzeitjobs ist die Logistik essentiell. Man kann nicht rumtrödeln, wieder eine Tasse Kaffee mit den Kollegen trinken etc. Ich habe das Gefühl, dass ich noch effizienter arbeite, seitdem ich in Teilzeit bin. Ohne Kinder konnte ich einfach eine Stunden abends dranhängen. Nun geht dies nicht mehr, da die Kleinen darauf warten, abgeholt zu werden. Die Zeit ist also sehr limitiert und ich versuche, das Beste herauszuholen und das Wichtigste zu schaffen.

Mein schon erwähnter „Puffertag“ hilft mir dabei sehr: Ist ein Kind krank, muss ich selbst zum Arzt oder Behördengänge erledigen, kann ich dies eher reinschieben als bei einer Arbeitszeit von 100%. Und auch wenn dieser Termin an einem Tag stattfinden muss, an dem ich arbeite, kann ich die Stunden an diesem Puffertag nachholen. Das bedeutet, dass die Kinder an diesem Tag zwar nicht von morgens bis abends fremd betreut werden, jedoch einen halben Tag, an dem ich Sachen erledigen kann oder eben arbeitstechnische Aufgaben abarbeite, zu denen ich nicht gekommen bin.

Aufteilung und Balance

Ich habe das Gefühl, dass mein Mann und ich – seitdem ich 80% arbeite – untereinander viel mehr Aufteilung praktizieren. Bei 60% war ja klar, dass ich in der freien Zeit mehr im Haushalt mache und mehr Organisatorisches übernehme. Nun teilen wir uns komplett auf, auch was das Hinbringen und Abholen der Kinder betrifft. Nur an meinem Puffertag übernehme ich dies meistens. Es ist also eine gesündere Balance. Vielleicht schade, dass ich dazu fast Vollzeit arbeiten muss, auf der anderen Seite habe ich leider vorher schlecht „nein“ sagen können, ich musste ja nicht arbeiten.

Money, Money, Money

Klar ist auch, dass ich mit 80% eine andere Position habe und auch anders verdiene als wenn ich 50% arbeiten würde. Somit fühle ich mich noch mehr auf Augenhöhe mit meinem Mann. Ich möchte ganz klar betonen, dass dies mein eigenes Gefühl ist. Zudem ist es schön, dass nicht nur einer die finanzielle „Last“ auf den Schultern für die Familie tragen muss.

Außerdem kann ich natürlich alterstechnisch ganz anders vorsorgen, zahle mehr Geld ein und kann über mein eigenes Geld frei verfügen.

Unabhängigkeit

Ich habe den besten Mann der Welt, aber einer meiner wichtigsten Werte ist die Unabhängigkeit. Falls etwas passieren sollte (unsere Ehe geht in die Brüche, mein Mann verdient nichts mehr…) bin ich nicht auf ihn oder den Staat angewiesen. Natürlich kann mir und in meinem Job auch etwas passieren, aber es ist ein gutes Gefühl, frei zu sein und entscheiden zu können bzw. Optionen zu haben.

Entwicklung

Jahrelang aus dem Job raus zu sein, ist nicht wirklich gut für den weiteren Weg. Ich meine damit nicht nur, dass man fachlich den Anschluss verpasst, sondern auch in puncto Kommunikation, technischen Neuerungen etc. hinterherhinkt. Ich wollte nicht jahrelang aussetzen und später irgendeinen Job annehmen. So weiß ich: Ich bin Mutter und Ehefrau, aber auch Kollegin und Vorgesetzte.

Fun, Fun, Fun

Ich muss gestehen: Ich arbeite unheimlich gerne, deswegen nehme ich den Stress als Working Mom sehr gerne in Kauf. Es ist einfach toll, Sachen voranzutreiben und Lösungen zu finden, international zu arbeiten und sich immer neuen Herausforderungen zu stellen. Für mich ist es das wert.

Kampf gegen den Rabenmutterglauben

In anderen Ländern kennt man diesen Ausdruck gar nicht und es war für mich in Zürich wie eine Befreiung. Musste ich mich in Deutschland rechtfertigen, warum ich 60% arbeite (was? so viel?), musste ich dies auch in Zürich (was? so wenig?). Dies resultiert vor allem daraus, dass in Zürich sehr viele andere Kulturen zusammenkommen, arbeiten und leben. Für Französinnen, Britinnen oder Amerikanerinnen ist es normal, dass eine Mutter schnell in den Job zurückkehr und Vollzeit arbeitet.

Last but not least

Es ist herausfordernd, eine Working Mom zu sein, aber ich kann es mir (momentan) nicht anders vorstellen. Der geschriebene Text ist jedoch sehr subjektiv. Natürlich kann man auch ohne Job eine Beziehung in Balance führen, ohne Geld unabhängig agieren etc. Und jede sollte entscheiden, wie sie und ihre Familie es stemmen möchte. Vollzeitmamas haben für mich den höchsten Respekt (ich glaube, irgendwann würde ich ausrasten). Lasst uns alle so leben wie es für jede Einzelne und deren Familie passt. Ich bitte euch nur um eins, Mädels: Macht euch nicht abhängig von euren Männern. Sorgt vor, macht euch über eure Rente Gedanken (ob ihr arbeitet oder nicht). Nicht nur für euch, sondern auch für eure Kinder. Denn ihr seid deren Vorbilder!!

 

Titelbild: ©Icons8 Team on Unsplash

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