EL: Entwicklung & Laufbahn

Warum YouTube mich zu einer guten Chefin macht – und warum mehr Frauen gründen sollten

7. Oktober 2020

Gastautorin: Hannah Kaiser von Klein, aber

 

Was macht eine gute Chefin aus? Dass sie besonders tough ist und strenger als die meisten männlichen Kollegen? Dass sie immer 150 Prozent gibt und immer noch mehr findet, wo andere schon aufgehört haben zu suchen? Früher war das leider oft so. Frauen mussten jahrzehntelang beweisen, dass sie genauso leistungsfähig, intelligent und führungsstark sind wie Männer. Heute ist das anders … na ja, zumindest etwas. Noch immer gibt es viele Branchen, in denen sich Frauen doppelt so hart beweisen müssen als Männer. Ich bin da als Geschäftsführerin einer YouTube-Agentur schon oft ziemlich allein in einer Männerdomäne. Klar, Film und TV sind (nicht nur hinter der Kamera) ja auch eindeutig männlich geprägt. In den letzten Monaten habe ich immer deutlicher gemerkt: Meine Erfahrung als Creatorin, als YouTuberin, macht mich zu einer guten Chefin. Und zwar für Frauen und Männer gleichermaßen. Das zeigt sich in drei Beobachtungen, die ich in den letzten Jahren gemacht habe:

Wir müssen uns frei machen von Titeln und Hierarchien.

Natürlich bin ich Gründerin und Geschäftsführerin – eine gewisse Hierarchie ist hieran rein traditionell abzulesen. Für mich bedeutet das aber auch, dass man sowas wie ein Backup für seine MitarbeiterInnen ist. Ich helfe Ihnen dabei, eigenverantwortlich und selbstständig zu arbeiten. Jobtitel zwängen uns in ein enges Korsett, und durch YouTube habe ich gelernt, das alles noch mehr loszulassen. Auf der Videoplattform bist du einer von hunderten Creatorn, du arbeitest im Team, bist auf das Feedback deiner Freunde und Fans angewiesen – hier lernt man ganz schnell, dass Hierarchiedenke total fehl am Platze ist.

Keiner kann dir beibringen, eine gute Chefin zu sein.

Das musst du schon ganz alleine für dich herausfinden. Genauso wie du zu Beginn nicht weißt, wie du einen erfolgreichen YouTube-Kanal aufbaust, welche Themen für deine Zuschauer interessant sind oder wie du die vielen Zahlen im Dashboard eigentlich richtig auswertest. Beim Chefinsein ist es irgendwie ähnlich: Gerade in den ersten Monaten habe ich oft erlebt, dass ich nicht so genau wusste, wie ich mit dieser Rolle umgehen soll – schließlich hört man ja auch immer wieder sowas wie „Geh nicht zu freundschaftlich mit deinen Mitarbeitern um”, „Mach dies nicht, aber auf jeden Fall das …”. Ich habe in den letzten Jahren gelernt, solche Regeln mit Vorsicht zu genießen. Sie können hilfreich sein und einem manchmal ein Gerüst bieten, aber oft sind sie auch hinderlich und halten einen davon ab mutig zu sein und Neues auszuprobieren. Als Youtuberin lernst du schnell, wenn du langfristig einen erfolgreichen Youtube-Kanal haben möchtest, dann musst du dich und deine Inhalte alle paar Jahre immer wieder neu erfinden. Diese Mentalität hab ich aufs Chefin sein übertragen. Manchmal nutze ich die gängigen Regeln für mich, manchmal schreibe ich meine eigenen und manchmal werfe ich sie einfach wieder über den Haufen und probiere was Neues. Man lernt nämlich nie aus. Ich würde sagen: Finde deinen eigenen Weg, Chefin zu sein.

Frauen haben oft unbegründet Angst vorm Scheitern.

In Deutschland gibt es noch immer viel weniger Gründerinnen als Gründer. Und das nervt mich! Uns Frauen wird noch immer diese vorsichtige Art anerzogen – bloß nicht zu mutig sein, bloß nicht zu forsch. Wenn man eine gute Idee hat, lohnt es sich, diese auch umzusetzen – ein Problem, das du lösen kannst, wird sicher auch jemand anderen beschäftigen. Wer gründet, kann so keinen wichtigen Beitrag für die Gesellschaft leisten. Ich kann sagen: Zu Gründen ist das beste, was mir passiert ist. Ich habe die Möglichkeit, das zu tun, was ich liebe und andere damit anzustecken – und zwar jeden Tag. Und auch hier merke ich, dass ich viel von meinem „zweiten Job” als YouTuberin für das Business lernen kann. Auch bei einem YouTube-Kanal geht es darum, zunächst mal ein MVP herauszubringen – und dann immer weiter zu entwickeln. Eben genau die selbe iterative Vorgehensweise wie bei der Gründung eines Unternehmens.

YouTube ist ein Teil meines Jobs. Der andere ist es, Geschäftsführerin einer Agentur zu sein – und beides widerspricht sich kein bisschen. Ich hoffe, dass ich auch andere Frauen dazu motivieren kann, sich bei der Arbeit nicht verstellen zu müssen. Für mich ist das das größte Learning: Am besten arbeitet man, wenn man einfach man selbst sein kann. Und zwar ganz egal, in welcher Position.

 

Hannah Kaiser ist Geschäftsführerin von Klein aber, Deutschlands Nr. 1 YouTube-Agentur. Mit ihren beiden YouTube-Kanälen „Klein aber Hannah” und „Klein aber lecker” versammelt sie regelmäßig mehr als 400.000 Abonnenten vor dem Bildschirm. Gleichzeitig ist Hannah Coach und macht eine Ausbildung zur Heilpraktikerin für Psychotherapie. Audience Development und das Zusammenführen von Marken und Influencern mit ähnlichen Werten ist ihre Passion.

 

Titelbild:  ©CoWomen on Unsplash

 

 

 

 

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