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Wo sind die inspirierenden Führungskräfte?

25. Juni 2020

Kene Angst, dies soll kein Artikel für Führungskräfte sein mit den besten Tipps, Ansätzen etc. (Wer dazu detaillierte Fragen hat, kann mich sehr gerne kontaktieren, ich beschäftige mich beruflich (wie privat) viel mit diesem Thema. 🙂 )

Dies soll viel mehr ein Artikel darüber sein, wie ich selbst Führung wahrnehme und was Führung für mich bedeutet.

Über gute und nicht so gute Führungskräfte

Als Personalerin habe ich viel mit Führungskräften der verschiedenen Ebenen zu tun. Ich selbst habe natürlich auch einen Vorgesetzten und ich war auch schon selbst in verschiedenen Postionen Führungskraft. Ich habe gerade mal durchgezählt: Bisher hatte ich 12 Führungskräfte. Manche blieben lange, manche sehr kurz, manche hatten eine doppelte Führung inne… Eins haben alle gemeinsam;: Sie waren allesamt männlich und weiß („white boys“ Phänomen). Ich möchte hier nicht auf die Thematik Diversity eingehen, aber ich würde mich sehr freuen, wenn meine Töchter in dreißig Jahren etwas Anderes über ihre Führungskräfte schreiben können.

Aber ich schweife ab: Von den 12 Vorgesetzten waren 3-4 richtig schlecht. Und zwar nicht nur als Führungskraft, sondern z. T. auch menschlich wirklich daneben. Eins hatten sie gemeinsam; Sie haben unnötige Aggressionen und Konkurrenzkämpfe in die Teams gebracht, haben selten Mitarbeiter wirklich einbezogen … eigentlich konnte man schon froh sein, wenn man einen „guten Morgen“ vernehmen konnte. Sie fanden sich selbst einfach wahnsinnig toll und haben nicht auch nur eine Sekunde daran gedacht, dass vielleicht auch ihr Verhalten daran liegt, dass eine hohe Fluktuation bei ihnen im Bereich liegt. Einige Jahre später habe ich für mich die drei Faktoren identifiziert, wieso auch ich irgendwann die Flucht ergriffen habe: Es gab keine Wertschätzung, kein Vertrauen und auch keine Motivation, Mitarbeiter zu fördern und weiterzubringen. Im Gegenteil: Mitarbeiter wurden meist gebremst. Ich erinnere mich nur allzu gerne an eine Äußerung in meinen jungen Berufsjahren: „Alex, mach mal langsam. Sonst bekommen wir zu viel Stress und alle anderen Angst.“ Der Satz hat sich bis heute tief bei mir eingeprägt.

Zum Glück haben mich jedoch die meisten Vorgesetzten „einfach machen lassen“, mir Vertrauen geschenkt, mich unterstützt und mit mir und dem Team auf Augenhöhe kommuniziert. Besonders meine drei ersten Vorgesetzten während meiner Ausbildung sind mir besonders im Gedächtnis geblieben. Vielleicht verkläre ich rückblickend auch diese Zeit, aber die drei sind mir nach wie vor extrem positiv in Erinnerung. Vor allem, weil sie sich nie über jemandem aus dem Team gestellt haben, authentisch waren und transparent kommunizierten. Mittlerweile würde ich vielleicht mit der ein oder anderen Entscheidung auch nicht sonderlich glücklich sein, damals war für mich aber nur wichtig, mich wohl zu fühlen und mich zu entwicklen.,

Gute Führung ist harte Arbeit …

Mit weiteren tollen Chefs war ich auch nicht immer zu 100% einverstanden, dennoch habe ich sie als Personen (und als Führungskräfte) geschätzt. Und irgendwann auch gemerkt: Puh, das ist ganz schön Arbeit.

Dies wurde mir besonders bewusst, als ich selbst zum ersten Mal Führungskraft wurde. Natürlich ist man voller Visionen und höchst motivier und möchte das Team auch auf ein hohes Motivationslevel bringen. Dass Menschen, ihre Ziele und Bedürfnisse und auch ihre Führung- sowie Kommunikationsvorlieben grundlegend verschieden sein können, war mir damals in voller Tiefe noch nicht bewusst.

Und auch einige Jahre später und unzählige Bücher und Vorträge sowie Trainings zu diesem Thema weiter, habe ich natürlich immer noch nicht die Erfolgsformel gefunden, aber für mich gute Ansätze identifiziert.

Nach wie vor finde ich es sehr schade und auch verwerflich, dass oft in den Unternehmen Mitarbeiter mit den größten Fachkenntnissen oder der längsten Betriebszugehörigkeit in den Genuss der Führungsriege kommen. Auch, wenn eigentlich fast von Anfang an klar ist, dass diese Personen eben nicht in Führungspositionen gehören. Sie sind vielleicht fachlich absolut versiert, haben aber ggf. gar kein Interesse daran, eine Mannschaft zu navigieren. (Natürlich gibt es auch wahnsinnig gute Führungskräfte, die bzgl. Expertenwissen niemand schlagen kann.) Ich hoffe, hier findet endlich mal ein Umdenken statt, welches auch gelebt wird. Zuerst müssen wir uns dann wohl davon verabschieden, dass nur der, der die höchste Mitarbeiteranzahl untrer sich hat, auch wirklich top im Job ist.

… kann aber auch viel Spaß bereiten

Und wenn ich gerade dabei bin, mir etwas zu wünschen, wünsche ich mir noch mehr herausragende Führungskräfte. Führungskräfte, die etwas wagen, die Vorbild sind, die authentisch agieren, motivierten, Entscheidungen treffen, über den Tellerrand schauen. Welche, die selbstreflektierend sind und sich verbessern möchten. Und ganz wichtig: Die Spaß an Führung haben.

Denn Führung bedeutet nicht nur, Menschen zu leiten und Budgets im Auge zu haben. Es kann so viel mehr sein: Lebensentscheidend. Wenn ihr selbst an eure beste und eure schlechteste Führungskraft (zurück)denkt, könnt ihr euch selbst vor Augen führen, welchen Einfluss diese Person auf euch, eure Motivation, euren Job und euer Umfeld hatte. Und vielleicht auch auf euren weiteren Weg. Wer sich dessen bewusst ist und trotz dieser Verantwortung sofort „ja“ ruft, schön! Denn Führung kann auch absolut viel Spaß machen!!

Also: Wo sind sie, die inspirierenden (weiblichen) Führungspersönlichkeiten? Ich würde sie zu gerne kennenlernen (und auch gerne für FIELFALT portraitieren). 🙂

 

Titelbild: ©Photo by Jehyun Sung on Unsplash

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