FA: Fielseitiges & Aspekte

Wie gründet man eine Meeresbildungsinitiative, Tharaka Sriram?

11. März 2021

Tharaka Sriram hat 2015 die Meeresbildungsinitiative „Ocean Education“ ins Leben gerufen, mit der sie für die Schaffung eines weltweiten Netzwerkes von streng geschützten Meeresschutzgebieten kämpft. Uns gibt sie ein paar Einblicke.

 

Liebe Tharaka, 2015 hast du die Meeresbildungsinitiative „Ocean Education“ ins Leben gerufen. Möchtest du erzählen, wie es dazu gekommen ist?

Bis 2008 habe ich vor allem zum Thema Frauenrechte gearbeitet. Dann war ich 2008 als Freiwillige in Peru, für eine NGO, die sich für die Rechte von Frauen in Gewerkschaften einsetzt. In einem kleinen Küstenort kam ich in Kontakt mit Fischersfrauen, die von häuslicher Gewalt betroffen waren. Der Grund: Ihre Männer, die Fischer, konnten nicht mehr genug Fisch fangen, um ihre Familien zu ernähren. Durch den Frust entwickelte sich eine Negativspirale und die Frauen waren die Leidtragenden. Da verstand ich, dass ich nichts über das Meer wusste. Ich fing an, mich schlau zu machen. Nach einiger Zeit stieß ich auf Meeresschutzgebiete. 2015 beschloss ich dann, Menschen über Meeresschutzgebiete aufzuklären.

Was genau macht Ocean Education und welches Ziel verfolgst du?

Derzeit gebe ich Vorträge und Workshops zu den Themen Meeresschutz und alles, was dazu gehört, vor allem über das Thema Meeresschutzgebiete. Das Ziel ist, Menschen jeglichen Alters, Geschlechts, Bildungshintergrundes etc. die Schönheit und Zerbrechlichkeit des Ozeans und seiner Bewohner nahezubringen, damit sich die Menschen für das Meer engagieren.

Wieso ist in deinen Augen Natur- und Umweltschutz so eng mit Frauenrechten verknüpft?

Hier gibt es verschieden Aspekte:

Im Rahmen von EXXpedition, der Frauen Forschungsmission zu Plastik und Umweltgiften, habe ich mehr darüber gelernt, wie und dass Frauen durch mehr Körperfettanteil stärker von Umweltgiften betroffen sind und daher z.B. öfter an Krebs erkranken. Frauen sind außerdem meist für die Ernährung und Versorgung der Familie verantwortlich und bekommen früher die Konsequenzen von Klimawandel, schwindender Bodenqualität etc. zu spüren. Darüber hinaus setzen sich Frauen vermehrt für die Zukunft und Nachhaltigkeit ein, ihnen liegt das Wohl der kommenden Generationen am Herzen.

Es gibt einige Initiativen; was macht Ocean Education so besonders?

Der Fokus liegt auf Meeresschutzgebieten, die streng geschützt sind. Dafür machen sich weltweit nur wenige Organisationen stark. Zudem ist der Aspekt des Tierrechts wichtig – mir geht es nicht darum, das Meer zu bewahren, um in Zukunft (noch) mehr Ressourcen für den Menschen entnehmbar zu machen (Fisch, Erdöl, Erdgas, etc.), sondern um die Freiheit und das Wohlbefinden seiner Bewohner und um ihrer selbst willen.

Hast du nicht auch manchmal das Gefühl, gegen Windmühlen zu kämpfen?

Es gibt ein Zitat von Bertolt Brecht, das mein Lebensmotto ganz gut beschreibt: „Wer kämpft kann verlieren. Wer nicht kämpft, hat schon verloren.“ Rechte müssen immer wieder erkämpft werden und beim Meeresschutz gibt es viel Widerstand – wirtschaftliche Interessen und Profitgier, politische Machtspiele, Korruption, Ignoranz. Daher lohnt sich der Kampf immer. Und ich denke, dass wir als Menschen auch in der Pflicht stehen, unser Handeln zu hinterfragen, wie es sich auf andere Lebewesen auswirkt, die wir nicht zur Gänze verstehen können und die nicht stark genug sind, sich uns Menschen gegenüber zu wehren. Wenn wir nicht hinschauen, wer dann?

Zu guter Letzt: Wie kann man dich unterstützen?

Ich bin auf der Suche nach einer guten Unterwasserkamera und Tauchausrüstung. Wenn mich da jemand unterstützen will, sehr gerne. Ansonsten: Wer das Meer schützen will, auf Fisch und sonstige Lebewesen aus dem Meer verzichten.

 

Weiterführende Informationen:

https://exxpedition.com/voyage/fiji-to-vanuatu/

https://nowthisnews.com/videos/her/all-women-group-of-scientists-exxpedition-studying-ocean-pollution

 

Titelbild: ©Photo by Jakob Owens on Unsplash

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