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FORGESTELLT: IVONNE SENN – MONEY COACH, DIE GELD WIE EINEN LOVER LIEBT

15. March 2016
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Warum Ivonne Geld als ihren Lover bezeichnet

Ivonne Senn hat selbst als Finanzexpertin die Erfahrung gemacht, wie es ist, kein oder zu wenig Geld auf dem Konto zu haben und dann auch damit umzugehen. Sie beschäftigte sich intensiv mit dem Thema und stellte sich immer wieder die Frage, warum so viele Beziehungen zwischen Besitzer und Geld scheitern oder angespannt erscheinen. Deshalb entschied sie sich ihr Glück in die Hand zu nehmen und als Money Coach ihre Erfahrungen und ihr Expertenwissen weiterzugeben. Wie sie das macht und welche wichtigen Tipps sie jedem von uns geben kann, besser mit Geld umzugehen lest ihr heute in unserem FORGESTELLT:

Liebe Ivonne, neben Deinem Mann hast Du außerdem einen Lover. Wie kam es dazu?

Ivonne: Oh ja, das war wirklich eine Amour fou. Jeder von uns hat diesen „Lover“ namens Geld, aber mein Mann und ich hatten unterschiedliche Erwartungen daran, was er für uns tun sollte. Und so haben wir an ihm herumgezerrt, bis er schließlich gesagt hat: „Das wird mir zu viel, ich gehe.“ Was immer genau meine größte Befürchtung war: dass das Geld mich irgendwann verlassen würde. Die Panik, die eingesetzt hat, als es wirklich so weit war, war durchaus mit ganz heftigem Liebeskummer vergleichbar. Wie sollte ich nur weiterleben? Aber so, wie man sich nach dem Ende einer Beziehung Zeit nehmen sollte, um zu analysieren, was schiefgelaufen ist, was man von einem Partner erwartet und welche Fehler man beim nächsten Mal nicht mehr machen will, so hat auch dieser Einschnitt in meinem Leben dafür gesorgt, dass ich meine Beziehung zum Geld hinterfragt und aufgeräumt habe, um sie auf eine gesündere Basis zu stellen.

Was ist in Eurer Beziehung besonders wichtig? Und weshalb glaubst Du dass so viele Beziehungen scheitern?

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© Thomas Senn

Ivonne: Ich habe herausgefunden, dass für eine gute Beziehung zum Geld die gleichen sechs Säulen wichtig sind wie für eine Beziehung zu einem geliebten Menschen. Und dass wir diese Säulen erst einmal in der Beziehung zu uns selbst errichten müssen, um in allen anderen Beziehungen Erfolg zu haben. Denn Geld ist ein Spiegel unserer Beziehung zu uns selbst und verrät uns sehr genau, wo wir erfolgreich sind und wo wir scheitern, wo wir lieben und wo wir Angst haben. Eine wichtige Säule ist natürlich die Liebe: So leicht es uns manchmal fällt, zu einem anderen Menschen zu sagen „Ich liebe dich“, so schwer fällt es uns, zu sagen: „Ich liebe mich.“ Ich zumindest habe immer gedacht, das wäre anmaßend und eitel und egoistisch, schließlich bin ich ja nicht perfekt. Aber erwarten wir von unserem Partner, dass er perfekt ist, damit wir ihn lieben können? Nein, wir mögen ihn mit all seinen Stärken und Schwächen. Und das müssen wir auch mit uns tun. Ohne Selbstliebe geht es nicht. Und ohne Selbstliebe können wir schon gar nicht an den Punkt kommen, an dem wir sagen „Ich liebe Geld“. Aber eine Beziehung ohne Liebe ist zum Scheitern verurteilt.


 

“Das angespannte Verhältnis zum Geld kommt daher, dass wir nicht darüber reden.”

 


 

Wie kam es dazu dass Du dich aktiv mit dem Thema „Geld“ auseinandergesetzt hast?

Ivonne: Mir blieb gar nichts anderes übrig. Obwohl ich immer sehr gut verdient habe, war am Ende des Monats der Dispo oft ausgereizt. Ich dachte, das müsste so sein – weil ich es einfach nicht anders hinbekommen habe. Jahrelang ging das auch gut, ich habe es immer irgendwie hinbekommen. Aber als das Finanzamt auf einmal eine „nachträgliche Vorauszahlung“ in fünfstelliger Höhe haben wollte, brach mein Kartenhaus zusammen. Es war klar, dass es so nicht weitergehen konnte.

Warum haben eigentlich viele ein angespanntes Verhältnis zum Thema Geld? Erfahrungsgemäß habe ich bisher keinen Unterschied erfahren, egal ob eine Person viel oder wenig verdient. Oder gibt es einen Unterschied?

Ivonne: Menschen, die Probleme mit zu wenig Geld haben, glauben, dass mehr Geld diese Probleme lösen kann. Menschen, die Probleme mit viel Geld haben, wissen, dass das nicht stimmt.

Das angespannte Verhältnis zum Geld kommt daher, dass wir nicht darüber reden. Nicht mit unseren Eltern, unseren Kindern, unseren Partnern. Auf der einen Seite wird Geld in unserer Gesellschaft als etwas Rationales betrachtet – es wird ja schließlich durch Zahlen dargestellt und daher muss es doch vom Kopf her zu lösen sein, oder? Auf der anderen Seite werden ihm schon beinahe mystische Kräfte zugesprochen. Als wäre Geld ein eigenes, sehr launisches Wesen. Es macht „Menschen schlecht“, es „zerstört Freundschaften“, es „löst Probleme“, es ist „ungerecht“. Aber Geld ist nichts und Geld kann nichts – außer das, was wir aus und mit ihm machen. Geld ist rational, wenn wir es in Zahlen ausdrücken und addieren oder subtrahieren. Aber was wir glauben, was diese Zahlen zu bedeuten haben, was sie über uns und unser Leben aussagen, welche Macht wir ihnen einräumen – das ist rein emotional und hat mit dem Geld an sich nichts zu tun.

Wie hast Du deine Beziehung zu Geld wieder auf Vordermann gebracht? Und an welchem Punkt hast Du für dich entdeckt, dass Du gerne andere dabei unterstützen möchtest ein besser mit dem Thema Geld umzugehen?

Ivonne: Nach dem Vorfall mit dem Finanzamt war mir klar: Diese alles vereinnahmende Angst wollte ich nie wieder empfinden. Durch einen Zufall – oder eine Fügung des Universums, wer weiß das schon – bin ich auf Meadow DeVor gestoßen, die damals in den USA als MoneyCoach gearbeitet hat. Bei ihr konnte ich das erste Mal über meine Probleme reden – und wurde verstanden. Ich habe erkannt, wo die Wurzel dieser Probleme liegt, nämlich in Vorstellungen, die ich von anderen Leuten übernommen hatte, in den Geschichten, die ich daraus für mich gesponnen habe, und in den Gefühlen, die diese Geschichten hervorrufen.

Und ich habe gelernt, wie ich das ändern kann. Diese unendliche Freiheit zu fühlen, dass ich so nicht weiterleben muss, dass ich Frieden mit meinem Geld schließen und die Angst aus unserer Beziehung verbannen kann, war überwältigend. Ich wollte unbedingt, dass andere Menschen, die sich in einer ähnlichen Situation befinden wie ich, dieses Gefühl auch erleben. Denn mal ehrlich, wenn wir finanzielle Probleme haben, glauben wir doch, wir wären die Einzigen. Zu erfahren, dass es anderen auch so geht und dass man etwas dagegen tun kann, ist ungemein erleichternd. Das spüre ich täglich bei meinen Klienten. Im Gegensatz zu Gewichtsproblemen sieht man jemandem finanzielle Schwierigkeiten nicht an. Bei mir hat auch keiner geahnt, wie es um mich steht. Es war leicht, die Fassade aufrechtzuerhalten, dass alles super ist, obwohl es das nicht war.

Und wann hast du den Schritt hin zur Selbstständigkeit gewagt? Was waren für dich die Gründe ein Angestelltenverhältnis zu verlassen?

Ivonne: Selbstständig bin ich schon sehr lange. Ich bekam vor gut 15 Jahren das Angebot, als feste Freie mitzuhelfen, eine Werbeagentur aufzubauen, und habe zugegriffen. Was viele nicht wissen: Ich habe BWL mit Schwerpunkt Marketing und – Achtung, jetzt kommt’s – Finanz- und Rechnungswesen studiert und später jahrelang erfolgreich die Finanzen kleinerer und mittlerer Werbeagenturen gemanagt. Ich wusste also genau, wie man mit Zahlen umgeht – und habe es privat trotzdem vermasselt.

Ich habe in dieser ersten Zeit als Freie festgestellt, dass mir das selbstständig arbeiten wesentlich mehr liegt als das angestellt sein. Ich arbeite einfach besser, wenn ich für mich verantwortlich bin und weiß, dass man mich für die Arbeit schätzt, die ich leiste, und nicht dafür, dass ich eine gewisse Anzahl an Stunden in einem Büro sitze.


“Ich arbeite einfach besser, wenn ich für mich verantwortlich bin und weiß, dass man mich für die Arbeit schätzt, die ich leiste, und nicht dafür, dass ich eine gewisse Anzahl an Stunden in einem Büro sitze.”

 


 

Wie entstand der Vergleich von Geld zu einem „Lover“? Was ist das Besondere an Deinem Coaching? Wieso verbindest Du es mit Yoga?

Ivonne: Der Vergleich von Geld mit einem Lover kam mir, als ich überlegt habe, ob es eigentlich bestimmte Zutaten gibt, die für eine gute Beziehung zwischen zwei Menschen unabdingbar sind. Ich habe angefangen, zu recherchieren, und dabei die oben schon erwähnten sechs Säulen gefunden:

#1 Respekt

#2 Empathie

#3 Liebe

#4 Aufmerksamkeit

#5 Tuchfühlung

#6 Experimentierfreude

Während der Recherche fiel mir auf, dass diese Punkte auch für eine gesunde Beziehung zu uns selbst wichtig sind – es reicht z.B. nicht, nur meinen Partner zu respektieren; ich muss auch mich und meine Vorstellungen, Erwartungen etc. respektieren. Von da war es nur noch ein kleiner Schritt, zu versuchen, ob das auch für die Beziehung zum Geld gilt. Und siehe da: Das tut es. Ich habe diese sechs Punkte konsequent auf mein Geld und mich angewandt und unglaubliche Veränderungen auf meinem Konto und in meinem Leben gesehen.

Ich denke, das ist vielleicht auch das Besondere an meinem Coaching: Zum einen gibt es kaum einen Fehler mit Geld, den ich nicht auch gemacht habe (außer Glücksspiel). Mich kann also nichts schocken. Und zweitens gebe ich nichts weiter, was ich nicht selber ausprobiert habe. Ich bin sozusagen mein eigenes Versuchskaninchen, und erst, wenn etwas bei mir funktioniert hat, gebe ich es meinen Klienten an die Hand.

Die Kombination aus Coaching und Yoga ist aus der Erfahrung mit verschiedenen Klienten gewachsen. Vielen Menschen fällt es schwer, Zugang zu ihren Gefühlen zu finden. Sie können zwischen „Ich fühle mich gut“ oder „Ich fühle mich schlecht“ und „Es geht so“ unterscheiden, aber wie gut oder schlecht sie sich genau fühlen und woher dieses Gefühl kommt, was es ihnen sagen will, verstehen sie nicht. Für tief greifende Veränderungen (und eine entspannte Beziehung zum Geld zu erreichen ist für viele eine sehr tief greifend Veränderung) ist es jedoch wichtig, dass der Kopf als Sitz der Logik und der Körper als Sitz der Gefühle zusammenarbeiten. Aus dem Grund unterstützen wir in unseren Workshops* das Coaching mit Yoga und Meditationen, was einfach eine großartige Kombination ist.

Welches sind die meisten „Fehler“ die mit Geld begangen werden?

Ivonne: Der offensichtlichste Fehler im Umgang mit Geld ist, mehr auszugeben, als man einnimmt. Der zweite ist, nicht über Geld zu reden. Wenn ich mich getraut hätte, mit meinem Mann offener zu reden, wären uns einige schwere Zeiten erspart geblieben. Der dritte Fehler ist, die Augen zu verschließen und zu denken: „Irgendwann wird alles besser.“ Das wird es nicht, wenn man nicht aktiv etwas dafür tut.


 

“Der offensichtlichste Fehler im Umgang mit Geld ist, mehr auszugeben, als man einnimmt”

 


 

Gibt es einige wichtige Tipps, die jeder ab heute umsetzten könnte? Und welche fallen den Menschen besonders schwer und warum?

Ivonne: Am schwersten tun sich die meisten Menschen damit, sich einfach mal mit ihrem Geld zu beschäftigen. Es ist normal, dass man dem, was einem unangenehme Gefühle bereitet, ausweicht, aber genau wie in einer Liebesbeziehung führt das auch in der Beziehung zum Geld dazu, dass man sich immer weiter entfremdet. Und dann anfängt, nur noch das Schlechte in dem anderen zu sehen, das, was einen nervt, und dabei bleiben die Liebe und die Beziehung irgendwann auf der Strecke.

Als sofort umsetzbaren Tipp schlage ich vor, einfach mal eine Woche einen Zehn-Euro-Schein mit sich herumzutragen. Nicht im Portemonnaie, sondern in der Hosen- oder Jacketttasche. Nachts sollte er auf dem Nachttisch neben dem Bett liegen, morgens darf er gerne mit ins Badezimmer. Kurz, er ist immer dabei und wird nicht ausgegeben. Und dann nach der Woche einfach mal gucken, wie sich das anfühlt. Ob sich an der Sicht aufs Geld etwas geändert hat – und was genau.

Und zu guter Letzt – welche Eigenschaften liebst Du an Deinem „Lover“ und welche würden dir lieber erspart bleiben?

Ivonne: Ich liebe an meinem Lover, dass er mich nie im Stich gelassen hat. Ich habe ihn beschimpft, aus dem Haus getrieben, ihm die Liebe entzogen. Und doch war er immer da, hat geduldig auf den Moment gewartet, in dem ich erkannt habe, dass es nie an ihm gelegen hat. Ich weiß jetzt, dass alle Fehler, die er möglicherweise hat, ein Spiegel meiner Fehler sind, und da ich ja gerade lerne, mich mit eben diesen Fehlern zu lieben, gibt es nichts, was ich mir an ihm anders wünsche. Schließlich treibt er mich dazu an, das zu tun, was sowieso ein Wesenszug von mir ist: Immer weiter lernen und entdecken und experimentieren.

Vielen Dank Ivonne!

Bildquelle: © Thomas Senn


 

* Workshop Deeply R.E.L.A.T.E

Für Einsteiger und bisherige Teilnehmer, die tiefer in die Arbeit eintauchen möchten. Vorstellung und Anwendung der verschiedenen Coachingtools, die helfen, die eigenen Gedanken und Gefühle zu erkennen, anzunehmen und zu verändern.

Viele praktische Übungen und Anleitungen, die du sofort ein- und umsetzen kannst, wie das Gefühlsbarometer, dein Sättigungspunkt, dein Verhältnis zu Zahlen etc. Intensives Coaching anhand aktueller Themen der Teilnehmer.

Für tief greifende Veränderungen im Leben müssen Kopf und Körper zusammenarbeiten. Deshalb kombinieren wir das Coaching mit einfachen, aber wirkungsvollen Yogaübungen und Meditationen.

Dauer des Workshops: 2 Tage
Nächster Termin: 9. und 10. April 2016 in Hamburg
Anmeldung hier: Deeply R.E.L.A.T.E.

MEHR INFORMATIONEN: Vertiefungsworkshop „Deeply R.E.L.A.T.E.“


 

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