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20 Sekunden Mut

21. Oktober 2020

Gastautorin: Susanne Johannsen

 

Mir ist diese Woche ein Zitat über den Weg gelaufen, das mich nicht mehr loslässt: „Manchmal musst du nur 20 Sekunden unglaublich mutig sein, um Großes zu erzielen!“

Es stammt aus dem Film „Wir kaufen einen Zoo“. Entgegen aller Bedenken kauft darin ein Familienvater einen privaten Zoo, der kurz vor der Schließung steht. Er folgt seiner Vision, diesen Zoo zu erhalten und zu einem besonderen Erlebnis für Mensch und Tier werden zu lassen.

Mir wird oft gesagt, ich sei mutig. Das habe ich selbst nie so gesehen, aber Mut beginnt eben für jeden Menschen an unterschiedlicher Stelle.

Was bedeutet für dich Mut?

Für meinen Sohn bedeutet Mut, wenn er sich traut, von der dritten Treppenstufe zu springen oder einem Hund vorsichtig die Hand entgegenzustrecken. Davon abgesehen ist natürlich sein Papa der mutigste Mann auf der Welt, da der ja so groß und stark ist…

Mut bedeutet, sich etwas zu trauen oder auch zuzutrauen. Wir überschreiten eine innere Grenze und wagen etwas, das wir vorher nicht gewagt hätten.

Der so genannte Sprung ins kalte Wasser heißt, sich aus der eigenen Komfortzone zu lösen und sich auf das Ungewisse einzulassen. Was erwartet mich in diesem kalten Wasser?

Diese Form von Mut verspricht Wachstum!

Unabhängig von Erfolg oder Misserfolg, der aus der mutigen Handlung folgt. Egal, wie es ausgeht, Du wirst etwas lernen. War es ein Erfolg, wirst du erleichtert und glücklich sein. Es bestätigt dein Handeln. Deinen Mut! Diese Bestätigung sorgt für Selbstvertrauen und dafür, dass wir uns ab sofort in diesem Punkt mehr zutrauen werden und sicher dabei fühlen.

War das Ganze ein Misserfolg, hast du immer noch etwas gelernt und bist gewachsen! Auch, wenn die erste Reaktion oft ist, dass sich so manch einer in sein Schneckenhaus zurückzieht und sich in seinen Vorurteilen und der eigenen Kritik bestätigt sieht. Das Selbstvertrauen sinkt dann erst einmal und ein weiterer Versuch fällt schwer. An dieser Stelle braucht es meist einige Selbstermutigungen, das genaue Hinschauen, was schon gut lief und woran das Ganze letztlich gescheitert ist, um es noch einmal zu versuchen. Oder eine andere Person, die versichert, dass es gar nicht so übel war. Sie kann einem über die Brücke helfen, um die Situation aus einer anderen Perspektive betrachten zu können.

Eines ist klar: Diese Erfahrung hättest du niemals gemacht, wenn du es nicht gewagt hättest. Du hättest nichts gelernt und somit keine Ahnung, was funktioniert und was nicht. Am Ende würdest du dir vermutlich ständig die Frage stellen: „Was wäre, wenn …?“ Zu erleben, dass die Welt davon nicht untergeht, dass niemand einem den Kopf abreist und wir nun etwas anderes ausprobieren dürfen, ist definitiv kein Verlust! Was zählt ist, dass man etwas gewagt hat. Du hast es probiert und entweder hat es funktioniert oder nicht. Du hast das Leben bei den Hörnern gepackt und dich in neue Gefilde gewagt. Du hast an Stärke gewonnen.

Das Ergebnis ist immer ein Gewinn!

Mut kann auch sein, wenn wir uns auf einen anderen Menschen zubewegen. Wenn wir ihm in einer Angelegenheit entgegenkommen, in der wir nicht einer Meinung sind. Viel zu oft bestehen Menschen auf ihrem Standpunkt. „Wie ich es denke, ist es richtig!“ Aus dieser Meinung wird dann schnell eine Überzeugung und an dieser lässt sich leider oft schwer rütteln. Dabei hat jeder Mensch Überzeugungen und Werte, nach denen er handelt. Diese beruhen auf Glaubenssätzen, die wiederum auf individuellen Prägungen und Erfahrungen beruhen. Für alles gibt es einen Grund.
Dieser Grund ist selten, jemand anderen mit dem eigenen Verhalten kränken zu wollen. Vielmehr werden damit eigene Bedürfnisse und Wertvorstellungen erfüllt. Diese sehen bei jedem Menschen anders aus. Leider werden sie selten kommuniziert bzw. ist es Vielen gar nicht bewusst, dass hinter dem Verhalten und den Gefühlen ein unerfülltes Bedürfnis und eine tiefe Überzeugung steckt.

Was steckt also hinter der Aussage oder der Handlung eines Menschen? Warum verhält er sich, wie er sich verhält? Was treibt ihn an? Es lohnt sich und ist für ein gutes Miteinander ausschlaggebend, sich in den anderen hineinversetzen zu können bzw. dies zu versuchen oder nachzufragen. Gegenseitiges Verständnis und die Akzeptanz des Andersseins sind Voraussetzungen für gute Beziehungen.

An erster Stelle steht hier immer der Mut.

Der Mut, den ersten Schritt zu machen und auf den anderen zuzugehen. Für mich ist es immer sehr erleichternd, wenn ich meinen Gefühlen und Gedanken Luft verschaffen kann. Am liebsten ist es mir, wenn ich dazu aufgefordert werde. Aber auch, wenn das nicht passiert, spreche ich an, was mich bedrückt. Ich kann es nicht behalten, denn es verursacht schlechte Laune und körperliche Reaktionen bei mir. Es arbeitet so lange in mir, dass ich es unmöglich ignorieren kann. Nicht immer sind die Adressaten glücklich mit dem, was sie zu hören bekommen. Aber ich bemühe mich, es wertschätzend zu sagen. Denn letztendlich sorge ich für Klarheit und biete dem Anderen die Möglichkeit, mir seinen oder ihren Standpunkt zu erläutern.

20 Sekunden Mut ist ein genialer Tipp, den du dir für jede Entscheidung und in jeder Unsicherheit heranziehen kannst.

Stelle dir dabei die folgenden Fragen:

  • Was wäre das Schlimmste, was passieren kann?
  • Wie geht es mir, nachdem ich mich getraut habe?
  • Wie geht es mir, wenn ich mich nicht traue?

Die Komfortzone ist eine ziemlich fiese Angelegenheit, denn sie schafft es, Vieles zu verhindern. Wir können dann Meister im Selbstbetrug sein und uns tausend Ausreden einfallen lassen, die erklären, warum es vermeintlich besser ist, den Schritt nicht zu wagen.

Neben der Komfortzone ist auch unser Bedürfnis nach Sicherheit ein wesentlicher Aspekt, weshalb wir uns nicht erlauben, mutig zu sein. Ich rede hier nicht vom Bungeespringen oder ähnlichen Adrenalin-Vergnügen. Ängste wie z.B. etwas zu verlieren, nicht oder erst recht zu bekommen oder auch, nicht mehr geliebt zu werden, bedienen alle unser Sicherheitsbedürfnis und dieses kann sehr stark sein.

  • Wird es wirklich so sein, wie du es Dir gerade ausmalst?
  • Stimmt es, dass du dann nicht mehr geliebt wirst?
  • Wenn ja, was bedeutet das für dich?
  • Ist es dieser Mensch dann wert? Was kannst du tun, wie kannst du kommunizieren, um das zu verhindern und trotzdem für deine Sache losgehen zu können?
  • Verlierst du wirklich etwas und wenn, wäre das dann tatsächlich so schlimm?

Bei großen Entscheidungen kannst du dir eine klassische Plus-/Minusliste erstellen. Auf die eine Seite schreibst du, was dich zurückhält, auf die andere Seite, was dich zieht. Welche Aspekte überwiegen? Überprüfe die Punkte, die dich zurückhalten, nach ihrem Wahrheitsgehalt und vergleiche sie dann noch einmal mit dem, was du dir versprichst.

20 Sekunden Mut oder Augen zu und durch – ich möchte dir mit diesem Beitrag Mut zusprechen. Vermutlich geht es dir wie mir, dass du dir selbst oft am meisten im Weg stehst. Aber glaub mir bitte eines – es sind nur Gedanken. Und Gedanken kann man hinterfragen und verändern. Byron Katie sagt, dass Gedanken erst wahr werden, wenn du sie glaubst. Es ist eine Entscheidung, die du triffst.

  • Also: bist du wirklich nicht gut genug für diesen Job?
  • Wirst du wirklich eine böse Abfuhr erhalten, wenn du einen Menschen ansprichst?
  • Wirst du wirklich in Armut enden, wenn du etwas Neues wagst?
  • Werden sich Menschen von dir abwenden, weil du einen Weg gehst, der sich für dich richtig anfühlt?

Es gibt Entscheidungen, die weh tun und dennoch getroffen werden müssen. In der 4. Ausgabe des „I AM“ Magazin – by Laura Malina Seiler” bin ich gerade auf die faszinierende Story von Angela Maxwell gestoßen, die seit sechs Jahren zu Fuß durch die Welt läuft. Sie hat alles hinter sich gelassen. Heimat, Freunde, Familie, Partner, Job – um ihrem inneren Ruf zu folgen. Sie sagt selbst, dass sie die Freiheit hatte, sich dafür zu entscheiden. In meinen Augen braucht es auch eine gehörige Portion Mut, so eine Entscheidung zu treffen und dann natürlich auch täglich auf ihrem Weg.
Ich würde mir ja vermutlich jede Nacht in die Hose machen, allein im Zelt und nicht zu wissen, was bzw. wer um mich herum schleicht…:) Weitere Infos: www.shewalkstheearth.com Angela Maxwells Geschichte ist ein Beispiel für eine mutige Entscheidung.

Es gibt zig davon – im Großen wie im Kleinen.

Wir alle sind jeden Tag mutig! Auch du!

„Mut ist eigentlich kein Substantiv, sondern ein Verb. Denn Mut verlangt, etwas zu tun. Den ersten Schritt nach vorn zu machen, dahin, wo die Angst sitzt. So stärken wir die Mut- Muskeln. Und letztlich uns selbst.“ (Angela Maxwell)

Es grüßt dich deine Susanne

 

Über die Autorin: Susanne Johannsen ist Coach und unterstützt in erster Linie Frauen in Veränderungsprozesse und in größeren Herausforderungen/Krisen, die ihnen das Lebens stellt. Ihre Vision ist es, einen Beitrag zu mehr Zufriedenheit und Glück zu leisten, indem sie Menschen mehr mit sich selbst in Verbindung bringt. Dieser Artikel erschien zuerst auf Susannes Blog: https://susanne-johannsen.de/blog/

 

Titelbild: ©Photo by Doug Tunison on Unsplash

  • Reply
    20 Sekunden Mut - Susanne Johannsen - Coaching und Beratung
    21. Oktober 2020 at 8:48

    […] Hier gehts zum Artikel: 20 Sekunden Mut […]

  • Reply
    Johanna
    21. Oktober 2020 at 10:57

    Was für ein schöner Artikel, liebe Susanne!
    Wie oft sprechen wir anderen Menschen (unseren Kindern ganz besonders) Mut zu, zweifeln aber zu viel an uns selbst? Ich hab den Artikel sehr gern gelesen und als kleine Erinnerung gesehen, dass ich auch mein eigener Cheerleader in Sachen Mut sein kein!

  • Reply
    Susanne Johannsen
    4. November 2020 at 11:49

    Vielen Dank, liebe Johanna. Es hat mich total gefreut, Deinen Kommentar zu lesen! Alles Liebe für Dich, Susanne

  • Reply
    Lenina
    7. November 2020 at 11:14

    Danke für den richtig tollen Beitrag! Die Tipps sind sehr hilfreich! Liebe Grüße

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