FI: Forgestellt & Inspiration

FORGESTELLT: Sara und Sali Nuru von nuruCoffee

3. Juli 2019

Die beiden Schwestern Sara und Sali Nuru haben gemeinsam ein Kaffeelabel gegründet, das Gutes tut. Sie beziehen den Kaffee aus der Heimat ihrer Familie, aus Äthiopien, und unterstützen Frauen vor Ort, die normalerweise in der Wertschöpfungskette am meisten benachteiligt sind. Durch den Verkauf ihres Kaffees hier in Deutschland können sie den Frauen in Äthiopien Mikrokredite anbieten und ihnen eine Chance auf ein besseres Leben ermöglichen, selbstbestimmt und unabhängig.

Wir sprachen mit Sara und Sali im heutigen FORGESTELLT über Kaffee, Äthiopien und die Herausforderungen von Geschwistern, die gemeinsam ein Unternehmen gründen. Und eine Frage gab es auch zu „Germany’s Next Topmodel“, aber nur eine.

Wie würdet ihr euch gegenseitig in drei Wörtern beschreiben?

Sali über Sara: Lustig, herzlich, ehrlich

Sara über Sali: Loyal, tiefgründig, herzlich

Wie kam Euch die Idee zur Gründung von nuruCoffee?

Sara: Zum einen war es uns wichtig Äthiopien auch mal von einer anderen Seite zu zeigen und zum anderen wollen wir ein Bewusstsein für fairen Kaffee Konsum schaffen. Obwohl Kaffee das größte Exportgut des Landes ist und das Ursprungsland des Kaffees, wissen das die wenigsten. Also gründeten wir nuruCoffee.

Unsere Mission dahinter: Mit dem Verkauf von fair gehandeltem Bio-Kaffee aus Äthiopien, die Menschen zu unterstützen, die in der Wertschöpfungskette am meisten benachteiligt werden: dies sind vor allem Frauen. Wir bieten den Frauen heute mittels Schulungen, Trainingskursen und Mikrokrediten eine Perspektive und die Chance, ein unabhängiges Leben zu führen

Was ist eure Vision? Wo wollt ihr mit NuruCoffee hin?

Sali: Wir wollen eine Brücke zwischen Äthiopien und Deutschland schlagen um aufzuzeigen, dass Frauen überall die gleichen Visionen haben und wir diese durch gegenseitige Unterstützung erreichen können. Unser Ziel ist es Frauen in Äthiopien eine Perspektive zu geben. Die Selbstständigkeit stärkt die Frauen in ihrer Selbstwertschätzung, ihrer Identität und in ihrer Fähigkeit Probleme selbst zu lösen. Wir wollen mit nuruCoffee  möglichst viele Haushalte erreichen, um somit ein Bewusstsein für das Land Äthiopien zu schaffen und gleichzeitig fairen und nachhaltigen Konsum fördern.

Was waren eure bislang größten Herausforderungen und wie habt ihr sie lösen können?

Sali: Ich glaube am Anfang, sich zu trauen. Die Zweifel zur Seite zu schieben und einfach loszulegen. Wenn einer von uns mal down ist, gibt der andere Gas und ermutigt den anderen. Wir ergänzen uns hier sehr gut.

Ihr reist regelmäßig nach Äthiopien. Gab es bisher ein Erlebnis seit der Gründung, das euch besonders in Erinnerung geblieben ist? Ein „Wow“-Erlebnis?

Sara: Ja, sehr viele sogar. Am meisten aber ist uns eine Frau in Erinnerung geblieben, die mit ihrem ersten Mikrokredit erst Getränke verkaufen konnte, dann ein kleines Restaurant eröffnete, im hinteren Bereich ihres Hauses. Bei der letzten Reise hat sie uns ihr neues Projekt gezeigt. Ein 3-Stöckiges Gebäude mitten im Dorf, aus richtigem Beton. Sie will dort mehrere Geschäfte eröffnen. Das hat uns schwer beeindruckt. Die Mikrokredite haben nicht nur ihr Leben und das Leben ihrer Familie verändert, sondern hatte auch Auswirkungen auf das ganze Dorf und das Dorfbild. Eben eine richtige Business Lady 🙂

Sali: Bis heute hat mich das am meisten beeindruckt.

Glaubt ihr, dass es für euch als Schwestern einfacher ist, ein Unternehmen zu gründen – oder vielleicht sogar eher schwieriger?

Sara: In vielen Bereichen ist es ein Vorteil. Wir vertrauen uns blind und können ehrlich und offen über alles sprechen, auch wenn es mal unangenehm wird. Wenn wir kleine Erfolge haben, ist der Moment noch schöner da wir ihn gemeinsam erleben. Aber klar, wir sind Schwestern, wenn es mal kracht dann richtig 😉

Wie beginnt ein normaler Arbeitstag für euch?

Sali: Mit ’ner Tasse Kaffee – nuruCoffee natürlich!

Wer inspiriert euch?

Sara: Jedes Mal wenn wir nach Äthiopien reisen, wissen wir warum wir das alles machen. In Äthiopien zu sein, mit den Menschen zu sprechen ist für uns sehr inspirierend. Das und das Gefühl etwas selber zu schaffen, ist die Hauptmotivation. Aber auch andere Gründerinnen die wir in Deutschland treffen inspirieren uns immer wieder. Frauen wie du und ich, die einfach ihr Bestes geben, an sich selbst und ihre Idee glauben und nicht aufgeben.

Welches Buch liegt grad auf eurem Nachttisch?

Sara: Juli Zeh – Unterleuten. Ein Gesellschaftsroman über die wichtigen Fragen unserer Zeit: Gibt es im 21. Jahrhundert noch eine Moral jenseits des Eigeninteresses? Woran glauben wir? Und wie kommt es, dass immer alle nur das Beste wollen, und am Ende trotzdem Schreckliches passiert?

Sali: Rana Ahmad – Frauen dürfen hier nicht Träumen. Rana Ahmad verließ ihre Familie und ihr Heimatland Saudi-Arabien, weil sie nicht mehr an Gott glaubte, wohl aber an ein Leben als selbstbestimmte Frau. Ihre Erlebnisse als Atheistin im saudischen Gottesstaat sowie ihre Flucht nach Deutschland schildert sie in dem bewegenden Buch „Frauen dürfen hier nicht träumen – Mein Ausbruch aus Saudi-Arabien, mein Weg in die Freiheit“

Wenn ihr eine Botschaft an junge Frauen in der Welt senden könntest, wie würde diese lauten?

Sara: Folge Deinen Intuitionen!

Sara, denkst du, dass deine Erfahrungen aus „Germany’s Next Topmodel“ dir geholfen haben, als Gründerin dein eigenes Startup aufzubauen? Was genau hat dir geholfen?

Sara: Die frühe Selbstständigkeit durch GNTM hat mir definitiv geholfen, meinen eigenen Weg zu gehen und meiner Intuition zu folgen.

Herzlichen Dank Euch beiden für das Gespräch und viel Erfolg mit nuruCoffee!

Foto: ©Immo Fuchs für LOV Cosmetics

Facebookpinterestlinkedinmail

    Kommentiere den Beitrag