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FORGESTELLT: Sung-Hee und ihr Fotografieprojekt „Female Diversity“

20. März 2018
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Sung-Hee ist Fotograf aus Leidenschaft und hat mit ihrem Fotografieprojekt „Female Diversity“ nun ein Herzensprojekt begonnen. Ihr geht es darum, ganz normale weibliche Körper und deren Schönheit zu zeigen, fernab von den vorherrschenden Idealen, die u.a. die Modeszene vorgibt. Wie ihr die Idee zu dem Projekt kam und was sie an ihrem Job besonders liebt, erzählt sie uns im heutigen FORGESTELLT.

Liebe Sung-Hee, Welche 3 Bücher sollte man unbedingt gelesen haben?

Sung-Hee:

Welche 3 Wörter beschreiben Dich am Besten?

Sung-Hee:

  • Morgens: Ruhe suchend
  • Tagsüber: in Arbeit vertieft
  • Abends: kommunikativ

Wie sieht ein typischer Start in den Tag bei Dir aus?

Sung-Hee: Um ca. 6:00 Uhr stehe ich auf und starte den Tag mit zwei Tassen grünem Tee, mein Lebenselixier. Am liebsten mit einem Buch dazu. Vor kurzem habe ich mit dem so häufig empfohlenen Journaling begonnen – was ich nicht mehr missen möchte. Oder ich mache morgens Sport. Ab 7:00 Uhr wird mein Sohn wach, dann beginnt das Morgenprogramm als Mutter.

Erzähl bitte einmal, was genau „Female Diversity“ ist.

Sung-Hee: Ich beschäftige mich mit der Darstellung der Frau und des weiblichen Körpers in der Fotografie. Leider dominiert immer noch ein ganz bestimmter Frauentyp die Medienwelt, vor allem in der Mode. Die Definition von Schönheit ist nach wie vor jung und schlank. Und alles, was nicht einem idealen Bild entspricht, wird kaschiert oder retuschiert. Mit meinem Projekt möchte ich die weibliche Vielfalt darstellen. Die Schönheit in ihrer Einzigartigkeit und Individualität. Ich möchte zeigen, dass Schönheit auch jenseits von Jugend und einem schlanken, als perfekt geltende Körper zu finden ist. Den Fokus lenke ich auf Details, die meistens kaschiert oder retuschiert werden.
Ich denke, dass viele Frauen ihre eigene Schönheit verkennen weil sie nicht in das vorgefertigte Bild passen. Und das ist schade. Ich möchte Frauen mit meinen Fotografien inspirieren, sich, wie sie sind anzunehmen und ihre eigene Schönheit zu zelebrieren.

Wie kam Dir die Idee zu dem Projekt?

Sung-Hee: Die Idee hatte ich bereits mehrere Jahre bevor ich gestartet bin. Ich habe das Projekt aus den üblichen Gründen immer vor mir hergeschoben, es kamen Jobs, das übliche Business musste laufen. Dann stellte ich die „brotlose“ Kunst hinten an. Im Sommer 2017 habe ich dann endlich angefangen! Und seither hat das Projekt eine wesentlich höhere Priorität.

Wie ist bisher das Feedback zu deinen Bildern?

Sung-Hee: Das Feedback ist sehr ermutigend. Neben den vielen positiven Kommentaren von Frauen, wie toll sie die Bilder finden, kam ich zu einer Nominierung des Fotografiepreises GoSeeAward 2017 und ich durfte einen Teil der Bilder auf der photo17 in München auf der Praterinsel ausstellen.

Was muss sich am Selbstbild von Frauen ändern?

Sung-Hee: Die Wahrnehmung und die Sicht auf den eigenen Körper. Weg von der Definition wie und wann ein Körper schön ist, hin zur Individualität.

Was liebst Du besonders an deinem Job?

Sung-Hee: Die eigene fotografische Reise. Die eigene Sicht für andere sichtbar zu machen um dadurch eine Geschichte zu erzählen.

Du bist schon viele Jahre als Fotografin tätig – warum hast Du dich für diesen Beruf entschieden?

Sung-Hee: Den Wunsch mit einer Spiegelreflexkamera zu fotografieren hatte ich zum ersten Mal mit zwölf. Mein Vater jedoch wollte mir seine geliebte Nikon SLR nicht leihen, deshalb fotografierte ich mit einer einfachen Sucherkamera – häufig meine Freundinnen – bis ich mir nach meinem Abitur eine eigene Spiegelreflex Kamera, damals noch analog, leisten konnte. Immer noch meine Freundinnen fotografierend wusste ich ab dem Zeitpunkt, dass ich Fotografin werden möchte.

Welchen Tipp kannst Du aus deiner Erfahrung anderen geben, die sich selbstständig machen wollen?

Sung-Hee: Die Frage finde ich sehr schwierig zu beantworten. Es kursieren so viele Tipps und Ratschläge zu Unternehmertum und Selbständigkeit. Viele dieser Ratschläge werden aus dem Zusammenhang gerissen und können leicht missverstanden werden. Ein funktionierendes Business ist wie ein großes Mosaik. Es braucht sehr viele Teile, die zusammen funktionieren müssen. Das aufzubauen braucht viel Zeit, Ideen, Mut, Hingabe und die Bereitschaft, ständig dazu zu lernen.

Ich habe mal einen Spruch gehört, Unternehmertum und Selbständigkeit ist wie von einer Klippe zu springen und während des Fall den Fallschirm zu bauen – ich finde das trifft es.

Dennoch kann ich mir für mich nichts anderes vorstellen. Es macht mir unglaublich viel Spaß und die unangenehmen Aspekte werden durch die vielen tollen Erlebnisse kompensiert.

Was sind Deine größten Herausforderungen?

Sung-Hee: Den Weg gehen, der für mich selbst der Richtige ist, auch wenn es rational betrachtet oft „einfachere“ oder „sinnvollere“ Wege gibt.

Gerade zu Beginn der Selbstständigkeit, wie hast Du es geschafft auf Dich aufmerksam zu machen?

Sung-Hee: Klein anfangen, viel fotografieren und sich weiterentwickeln. Es gibt nur viele kleine Schritte aus denen nach und nach ein großer Schritt wird.

Wie sehen Deine Pläne für die Zukunft aus?

Sung-Hee: Für mein Projekt Female Diversity möchte ich noch viele Frauen fotografieren und diese Fotos dann zu einem Ganzen bringen.
Mein nächstes Projekt habe ich bereits im Kopf. Es geht wohl weiter damit, viel zu fotografieren!
Menschen porträtieren gehört natürlich auch dazu.

Wie bildest Du dich weiter und was tust Du aktiv dafür Dein Business weiterzuentwickeln?

Sung-Hee: Das Wichtigste für mein Business ist die fotografische Weiterentwicklung. Ich realisiere viele freie Produktionen, um meine Ideen umzusetzen, zu experimentieren und mich kreativ weiterzuentwickeln. Das Reflektieren über das fertige Projekt ist genauso wichtig, um zu sehen, was man beim nächsten Mal noch besser machen kann.
Ansonsten bin ich ein großer Fan von Online-Trainings geworden. Ich habe Kurse zu Businessthemen, Video-Schnitt, Fine Art Photography, Porträtfotografie oder auch Schreiben gemacht. Die etwas umglamourösen Weiterbildungsmaßnahmen wie zum Beispiel Buchhaltung und Steuererklärung gehören auch dazu – man muss die eigenen Zahlen kennen!

Hast du Vorbilder oder Frauen, die dich inspirieren?

Sung-Hee: Sehr viele: Annie Leibovitz, Sarah Moon, Stella McCartney, Alicia Keys, Lady Gaga, Serena Williams, Marie Forleo, Diane Kruger, Meryl, Streep, Oprah, Lily Brett, Charlie Howard oder Twiggymoli (Tshepang Mollison). Und natürlich alle meine Musen für Female Diversity: Luciana, Tina, Methy, Ute, Greta, Camille, K., Jutta und Ariane, Danny und Hülya!

Welche 3 Tipps für das perfekte Foto kannst Du unseren Leserinnen mit auf den Weg geben?

Sung-Hee: Klarheit darüber, was man genau fotografieren möchte. Klingt trivial, ist es aber nicht. Genauso wie ein Autor genau wissen muss, was er mit Worten mitteilen möchte, sollte das ein Fotograf wissen, was er visuell kommunizieren möchte. Wenn man einen Menschen fotografiert, kann man sich fragen, was man dem Betrachter über den Menschen mitteilen möchte. Wenn man gezielt und konzeptionell fotografiert, werden die Ergebnisse aussagekräftiger. Es muss nicht unbedingt tiefgründig sein. Fokus können auch zum Beispiel Sommersprossen oder ein besonders markantes Profil sein. Dann lenkt man den Fokus in Komposition, Licht und Perspektive so, dass es das wichtigste Merkmal des Bildes ist.

Hier findet ihr eine Auswahl an Bildern aus der Female Diversity Reihe:

Vielen Dank, liebe Sung-Hee, für das Interview!

Über die Autorin: Ann-Kathrin ist 29, kommt aus dem schönen Harz und ist seit einigen Jahren in Berlin zu Hause. Sie reist gerne, liebt Konzerte, den Sommer in Berlin und Serien.

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