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FIELSEITIG: Wie und warum ich mich von meinem Studium getrennt habe

18. Oktober 2016
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Irgendwie bin ich unzufrieden.

Soll ich das Studium trotzdem durchziehen?

Alle studieren, nur ich nicht!

Mein erstes Wagnis

Schon vor meinem Abitur stand für mich fest, dass ich eine Ausbildung machen möchte. Ich bin ein absoluter Praxismensch und eine Macherin, weshalb ich nach dem 13. Jahrgang froh darüber war, dass ich mit der vorgegebenen Theorie vorerst durch war.

Eines Nachmittags spuckte mir meine Suchanfrage bei Google eine Ausschreibung für einen letzten Ausbildungsplatz bei Lufthansa Cargo in München aus (im Nachhinein hat sich herausgestellt, dass dieser längst vergeben war und nur durch eine Absage kurzfristig erneut ausgeschrieben wurde). Wenige Tage später landete meine Bewerbung im Briefkasten, ein Telefoninterview, ein Vorstellungsgespräch in Frankfurt und eine Zusage mit anschließenden Tränen folgten. Erst nachdem die Zusage kam ist mir bewusst geworden, was dieser Ausbildungsplatz für mich persönlich und mein Leben bedeutet. Ich verabschiedete mich von meiner Familie, meinen Freunden und meiner damaligen Liebe, um weit weg von Hamburg den Berufseinstieg zu wagen.

Ich muss studieren

Nach meiner durchaus erfolgreich abgeschlossenen Ausbildung und meiner Übernahme habe ich mich direkt für ein berufsbegleitendes Studium an der FOM angemeldet. Warum war mir damals noch nicht bewusst, das kann ich euch erst heute sagen.

Aus meiner Sicht war eine Ausbildung nicht ausreichend, nicht gut genug. Viele meiner Freundinnen haben studiert und ich habe mich oftmals selbst als weniger Wert angesehen, weil ich „nur“ eine Ausbildung gemacht habe. Mein Vater ist Rechtsanwalt und meine Mutter ist Lehrerin. Sie haben nie ausgesprochen, dass ich studieren soll oder muss, jedoch  habe ich ihren Lebensweg für mich so interpretiert. Ich dachte, dass sie nur nach einem Studium stolz auf mich wären und mich erst dann richtig lieb haben.

All das war nicht die Realität wie sich herausgestellt hat.

Ich bin keine Studentin

Nachdem  ich im 3. Semester begann Klausuren zu schieben und alle anderen Tätigkeiten dem Lernen und den Unibesuchen vorzuziehen, breiteten sich ein schlechtes Gewissen und große Selbstzweifel in mir aus. Zu diesem Zeitpunkt sah ich mich auf der einen Seite als Versagerin und auf der anderen Seite wusste ich, dass ich etwas verändern und auf gar keinen Fall einfach so weitermachen wollte. Ich habe meinen Freunden und meiner Familie eine Zeit lang (Not)Lügen erzählt, um nicht aufzufliegen. Es war mir peinlich. Ich habe mich sehr für mein Verhalten geschämt. Ich hatte Angst vor Ablehnung, weil ich dachte, dass ich nur durch Leistung Anerkennung und Liebe von meinen Mitmenschen bekomme.

Diesen Kreislauf aus Angst, Selbstzweifeln und Lügen habe ich sehr lange laufen lassen.

Glück im Unglück

Auch wenn es grundsätzlich nicht gut ist, bin ich dankbar dafür, dass mich das Leben vor eine gesundheitliche Herausforderung gestellt hat. Unter anderem ist mir dadurch bewusst geworden, dass nur ich etwas an meiner verzwickten Situation ändern kann und habe letztendlich die Reißleine gezogen. Die negativen Gefühle waren selbstverständlich nicht von heute auf morgen weg. Ich habe meinen Lieben erst Wochen später von meiner Entscheidung erzählt. Entgegen meiner Erwartungen war es für jeden absolut nachvollziehbar und verständlich.

Diese Entscheidung hat mein Leben verändert und ich würde es jedes Mal wieder tun. Durch dieses Erlebnis habe ich gelernt, auf meinen Willen und meine Bedürfnisse zu achten und diese ernst zu nehmen. Ich lebe nicht für andere, sondern für mich. Es bringt gar nichts sich Gedanken für die anderen zu machen oder sich zu vergleichen, denn jeder Mensch muss seinen ganz individuellen Weg finden, gehen und Selbstverantwortung übernehmen.

Wichtig war für mich auch die Erkenntnis, dass ich mir Liebe nicht verdienen muss. Ich habe in den letzten Jahren gelernt, dass nichts wichtiger ist als mir selbst Liebe und Anerkennung zu schenken. Der Studienabbruch war für mich eine Lehre und eine der besten Entscheidungen, die ich getroffen habe.

Mein Leben

Erst letzte Woche hat mich Aimie während der Rückfahrt von einer Veranstaltung im Auto gefragt, warum ich diesen Studienabbruch in Interviews erwähne. Eine gute Frage, denn an sich war das natürlich nichts Besonderes oder Erwähnenswertes. In dem Moment ist mir bewusst geworden, dass es für mich ein einschneidendes und bedeutsames Erlebnis war.

Es gibt nicht richtig oder falsch, schwarz oder weiß, gut oder schlecht. Es zählt einzig und alleine, was Du willst, was Dich glücklich macht und wofür Du dich entscheidest.

Ich wusste damals nicht, dass ich Flugbegleiterin werde, dass ich eine Community mit Blogazine gründe oder das ich eine Coaching-Ausbildung mache. Ich bin heilfroh, auch wenn es zwischenzeitlich nicht immer einfach war und auch viele Tränen geflossen sind, dass ich mich damals dazu entschlossen habe meinen eigenen Weg zu gehen.

Der Weg ist das Ziel

Auch heute fühle ich mich unter vielen Akademikern und bei Vorstellungsrunden manchmal unwohl und auf eine bestimmte Art und Weise „kleiner“. Dann jedoch mache ich mir ganz kurz bewusst, was ich alles erlebt habe, wie viele verschiedene Großkonzerne und Jobs ich mit meinen jungen Jahren kennengelernt habe und wie viele wunderbare Menschen ich durch meine FIELSEITIGKEIT kennengelernt habe.

Ich liebe mein Leben, mit all seinen Höhen und Tiefen.

 

Solltest du Fragen haben oder möchtest mir direkt eine Nachricht hinterlassen, dann melde dich gerne und jederzeit bei mir unter kira@fielfalt.de!

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  • Reply
    Lu
    18. Oktober 2016 at 12:24

    Liebe Kira,

    ein sehr toller Artikel und sehr inspirierend! Ich kann mich in einigen Punkten wieder finden und bin begeistert davon, wie Du Dich Deinen Ängsten gestellt hast!

    Es macht Spaß, den eigenen Weg zu finden, seinen eigenen Lebensstil zu definieren und zu merken, wie sehr man die eigenen Bedürfnisse immer mehr unabhängig von dem umsetzt, von dem man glaubt, dass es andere erwarten. Ein sehr toller und spannender Prozess. 🙂

    Und nein, ein Studium allein ist nicht Alles. Die Hauptsache ist es, was zu finden, was Freude macht und womit man sich weiter entwickeln kann. Herrlich!

    Fühl Dich gedrückt!

    Liebe Grüße
    Lu

    • Reply
      Kira Siefert
      18. Oktober 2016 at 20:12

      Liebste Lu,

      ich drück dich fest zurück und danke dir sehr für dein Feedback.

      Hab einen wundervollen Abend.

      Kira

  • Reply
    Petra
    18. Oktober 2016 at 17:32

    Sehr schoen erzaehlt…es ist nicht einfach, unangenehme entscheidungen zu treffen…und oft verfolgt es einen sehr lange, ob man nicht doch anders entsvheiden haette sollen. Also ich sehe, du bist zur ruhe gekommen, empfindest die entscheidung als fuer dich richtig und kannst deine naechsten lebensschritte gut und bewusst planen. Alles in allem….gut gemacht!

    • Reply
      Kira Siefert
      18. Oktober 2016 at 20:09

      Liebe Petra,
      ich danke dir für deine lieben Worte, vielen Dank.
      Liebste Grüße,
      Kira

  • Reply
    Marion
    3. November 2016 at 11:36

    Schöner Artikel.
    Bemerkenswert ist doch, dass es uns in dem Moment, in dem wir eine Entscheidung fällen, dann auch gelingt, mit den Konsequenzen klarzukommen. Der Weg, wie es weitergeht, eröffnet sich dann schon. Und die Erwartungen unserer Umgebung, der Familie und Freunde – nun, die muss man auch mal wagen zu enttäuschen. Im Wort steckt es schon drin: ent-täuschen. Hallo, ihr habt euch getäuscht. Mein Weg ist anders, als ihr gedacht habt. Aber es ist mein Weg.
    Alles Gute!

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