FI: Forgestellt & Inspiration

FORGESTELLT: Ursula und Anna Brosch von Pearls of Africa

22. Oktober 2019

Das heutige Portrait verdanke ich meiner Schwägerin und meinem Schwager. Als Glücksbringer für meinen Schritt in die Selbständigkeit und für die Übernahme von FIELFALT schenkten sie mir eine wundervolle Kette von Pearls of Africa. Ich war neugierig, was dahinter steckte und so entstand dieses Portrait, worüber ich mich (natürlich neben meiner Perlenkette) sehr freue. Ursula ist die Ideenzünderin von „Pearls of Africa“ und hat für ihr Herzensprojekt die ganze Familie begeistert. Ihr Mann und ihre drei Töchter unterstützen sie und „Pearls of Africa“ von Deutschland und von Afrika aus. Anna übernimmt hierbei den kreativen Part und ist verantwortlich für das Marketing. Ursula (auf dem Titelbild die zweite von links) und Anna (auf dem Titelbild ganz rechts) berichten, was es mit Pearls of Africa auf sich hat und wie es ist, als Mutter und Tochter zusammen zu arbeiten, um die Welt besser zu machen.

Was genau ist Pearls of Africa?

„Eine Liebesbeziehung zwischen den Kontinenten, zwischen Schwarz und Weiß, zwischen Frauen, die sich achten und gegenseitig inspirieren – Frauen, die versuchen, das Beste füreinander zu geben.“

PEARLS OF AFRICA ist unser Herzensprojekt, dass wir 2012 als Familienengagement (Ursula, Dieter, Maria, Steffi und Anna) in Zusammenarbeit mit der „Emmanuel Group“ („Gott mit uns“), einer Flüchtlingsfrauengruppe in Uganda, ins Leben gerufen haben. Genauer gesagt ist PEARLS OF AFRICA ein deutsch-ugandisches/afrikanisches Upcycling-Schmuckprojekt bzw. eine Schmuckmarke mit der Mission „Hilfe zur Selbsthilfe“. (Upcycling auf afrikanische Art :))

Die faire Marke PEARLS OF AFRIKA, also Perlen Afrikas, steht für lebendigen, afrikanischen und farbenfrohen Perlenschmuck sowie Wohnaccessoires aus Recyclingpapier. Darunter sind Perlenketten, Perlenarmbänder und Perlenohrringe jeglicher Form, Größe und Couleur gemeint, als auch Dekorationsschalen und -teller. Hierbei ist jedes Teil ein Unikat! Denn jedes Schmuckstück wird in liebevoller und traditioneller Handwerksarbeit von den bis zu 60 Flüchtlingsfrauen in Kireka, einem Vorort von Ugandas Hauptstadt Kampala, hergestellt. Mit dem Projekt wollen wir die Frauen, welche jede für sich durch den Krieg persönliche Schicksalsschläge erlitten, hat, vor Ort in Ihrer Selbstständigkeit und Eigenverantwortung fördern. Schöner Nebeneffekt: wir unterstützen unmittelbar den lokalen Markt, denn alle Materialien für die Produktion werden lokal bezogen. So stammt das Papier u.a. aus lokalen Druckereien, ebenso wie der Lack, Fäden oder Ohrringanstecker aus lokalen Geschäften stammen. Unser Ziel ist es, die wunderschönen Arbeiten und afrikanische Kultur unter unsere Kunden zu bringen und irgendwo auch „greifbar“ zu machen, das Schicksal der Frauen zu teilen und Ihnen eine sichere Einkommensquelle mit unseren Aufträgen zu ermöglichen.

Mit unserem Engagement setzen wir bewusst auf Nachhaltigkeit und den fairen Handel, bewahren Tradition und Handwerkskunst, fördern Produzenten in Afrika und die damit verbundenen Geschäfte der Wertschöpfungskette. Diese Philosophie und Werte unterstützen wir mit den Mitgliedschaften Weltladen-Dachverband e. V. und Bündnis Eine Welt Schleswig-Holstein e.V. (BEI).

Über uns: Heimathafen unserer Familienorganisation ist Scharbeutz an der schönen Ostsee, unweit von Lübeck. Dort sitzen Dieter und Ursula und halten die Fäden in der Hand. Maria lebt in Stuttgart, Steffi steuert die Kommunikation mit den Frauen aus dem Sudan und Anna arbeitet von Köln aus mit.

Wie ist die Idee zu Pearls of Africa entstanden?

Um ehrlich zu sein, waren das gleich mehrere glückliche „Zu-Fälle“ (oder doch „Fügung“?). Unsere Tochter/Schwester Stephanie ist September 2008 nach Uganda gezogen und Sylvester 2009 haben wir sie für einen gemeinsamen Familienurlaub besucht. Auf unserer zweiwöchigen Reise durch dieses unglaublich abwechslungsreiche und faszinierende Land sind wir auf einem lokalen Handwerkermarkt in Kampala zum ersten Mal mit den schönen Papierarbeiten in Berührung gekommen. Und natürlich haben wir gleich einige Exemplare als eigene Erinnerungsstücke und vor allem schöne Geschenkideen für Freunde eingepackt, wo sie auf große Begeisterung gestoßen sind.

Als Stephanie kurze Zeit später in Uganda auf ihren zukünftigen Ehemann stieß und zur „deutsch-italienischen“ Hochzeitsfeier nach Kampala einlud, durften wir unter den Hochzeitsgästen auf ihre italienische Freundin, Giulia stoßen. So ergab es sich in einem „zufälligen Gespräch“ mit Giulia, dass Sie eine Zusammenarbeit mit einer Flüchtlingsfrauengruppe namens „Emmanuel Group“ in Kampala hatte, welche Sie aufgrund ihrer Rückkehr nach Italien leider beenden musste. Wir fanden heraus, dass die Gruppe 2006 gegründet wurde und neben der Arbeit im Steinbruch oder auf dem Gemüsemarkt auch Papierschmuck für den lokalen Touristenmarkt herstellt. Es stellte sich also für uns die Frage, was mit der Gruppe geschehen würde bzw. ob und welchen Beitrag wir eventuell dazu leisten könnten – wohlbemerkt aus Deutschland heraus. Und kurze Zeit später stand die Antwort fest: Ursula hatte entschieden: wir wollen helfen und mit den Frauen ein gemeinsames Projekt wagen! So entstand PEARLS OF AFRICA. Es war zu 100 % unser Wunsch, uns in eine sinnstiftende Arbeit einzubringen und gemeinsam mit der Frauengruppe einen Weg zu finden, ihre Schmuckstücke auf einem neuen Markt zu präsentieren. Und natürlich auch aufgrund unserer sehr positiven Erfahrungen und Rückmeldungen mit den „Souvenirs“ …

 

Was ist an Pearls of Africa so besonders und einzigartig?

So einiges! Einzigartig ist jedes einzelne Schmuckstück, dass sich in seiner ganz persönlichen Form und Farbe von jedem Weiteren abhebt. Das Material, aus dem es gemacht ist, sein Herstellungsprozess und die Schicksale, die es zum Leben bringen. Jedes Teil hat seine ganz eigene Geschichte. Einzigartig an den Perlen ist aber auch, dass die Produzentinnen bzw. die Frauen von uns wie «Künstlerinnen» betrachtet werden, welche wunderschöne Arbeiten herstellen. Die Frauen bekommen vielleicht zum ersten Mal in ihrem Leben Anerkennung und Achtung und werden für Ihre Arbeit(-en) geschätzt. Das möchten wir mit PEARLS OF AFRICA fördern.

Als «Besonders» betrachten wir auch unsere Zusammenarbeit. Wir behandeln uns gegenseitig mit Respekt und geben den Frauen eigene Handlungsspielräume als auch Verantwortung, die es für eine Geschäftsbeziehung braucht. Das heißt, die Frauen kommunizieren, verhandeln und gestalten die Partnerschaft eigenständig mit.

Ganz besonders ist allerdings für uns die Tatsache, dass wir durch die Präsentation und den Verkauf der Papierschmuckstücke das Konzept schaffen, Menschen an Ort und Stelle langfristig eine selbständige Arbeit und ein sicheres Einkommen zu ermöglichen (in Anbetracht der Flüchtlingsströme). Die Frauen können und wollen in ihrer Heimat leben und arbeiten, und ihre Zukunft selber gestalten. Mit unserem Vorhaben wollen wir Sie unterstützen und darauf Rücksicht nehmen. Von daher ist es uns (wie auch Freunden und Unterstützern des Projekts) eine ganz persönliche Freude und Herzenswunsch, die Emmanuel Group mit ihren besonderen Papierarbeiten zu repräsentieren.

Ich glaube, wie bei jedem Job und Herzensprojekt gibt es Höhen und Tiefen. Was waren für euch bisher prägende High- und Lowlights in Bezug auf „Pearls of Africa“?

Ursula: Der Besuch der Flüchtlingsfrauengruppe vor Ort in Kireka im Mai 2015 war für mich ein ganz prägender und einzigartiger Moment. Die begeisterten Kunden und Kundinnen, denen wir auf allen Märkten und Messen begegnen, sind für mich ein weiteres persönliches Highlight. Als Lowlight bezeichne ich im Gegenzug dazu die Menschen, die gedankenlos und egoistisch durchs Leben gehen.

Anna: Meine Highlights oder Meilensteine bei Pearls of Africa waren die Entstehung der Website, die Zusammenarbeit mit Lena Hoschek (Modedesignerin aus Österreich, Kollektion Hot Mama Africa) oder unsere Anerkennung des Weltladen Dachverbandes. Aber auch jede neue Kunden- und Geschäftsbeziehung die aus Akquise, Märkten und Messen generiert wird, ist jedes Mal ein absolutes Highlight für mich!! Und zuletzt alles „Kreative & Marketingtechnische“, dass sich im Zuge unserer Projektentwicklung ergibt, auch wenn es noch so „klein“ sein mag, u.a. ein Fotoshooting, neue Produkte, neue Flyer etc.. Lowlights gibt es natürlich auch: Das ist, wenn Vorhaben aus bestimmten Gründen nicht umgesetzt werden können. (Das drückt meine Stimmung ;))

Habt ihr auch schon mal daran gedacht, alles hinzuwerfen? Was hilft euch in diesen Momenten und gibt euch Antrieb, doch weiterzumachen?

Ursula: Ja, das ist schon passiert. Und da hat mich mein christlicher Glaube tatsächlich durch alle Höhen und Tiefen getragen und immer motiviert weiterzumachen, da er auch immer mein Handeln am Nächsten reflektiert.

Anna: Es gibt immer Leerlaufphasen oder Zweifel, ob sich das Projekt noch trägt oder wie es zukünftig weitergehen wird. Aber solange die Familie an das Projekt glaubt, geht es immer vorwärts. Die Familie, der starke Glaube und die Überzeugung an das Projekt spielen dabei die treibende Rolle. Kraft bekommen wir zusätzlich von außen, durch Freunde und Bekannte und vor allem durch Kunden, die das Projekt und was wir auf die Beine gestellt haben, toll finden.

 

Ihr habt lange Jahre in Afrika gelebt und seid 1997 wieder nach Deutschland gekommen. Wie war dieser kulturelle Wechsel für euch?

Ursula: Sehr heftig ist untertrieben. Aber ich lerne aus allen Erlebnissen und Erfahrungen, um sie bestens einzusetzen, siehe unser Projekt.

Anna: Ich bin mit 15 Jahren zum ersten Mal nach Deutschland gekommen, in diesen „neuen“ Lebensabschnitt. Da war ich mitten in der Schulzeit und habe „einfach weitergemacht“ (Abitur, Studium, Arbeit etc.). Natürlich ist das Leben komplett anders in Deutschland als in Afrika, vor allem, nachdem wir in verschiedenen Ländern und Kulturen Afrikas gelebt haben. Erst im Nachgang merke ich, dass es seine Spuren hinterlassen hat und man sich seiner Herkunft bewusst werden muss, wer man wirklich ist. Das Leben, die Menschen und die Kulturen haben einen prägenden Einfluss auf mich hinterlassen. Und ich glaube, das Fernweh hat keinen von uns in der Familie jemals verlassen.

Habt ihr neben „Jewels for a better life“ noch ein weiteres persönliches Motto?

Ursula: Matthäus 25,40: Darauf wird der König ihnen antworten: Amen, ich sage euch: Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.

Anna: Ich glaube mit einem Motto würde ich nicht auskommen!! Aktuell denke ich, jeder Mensch soll auf sein Herz hören und den Weg gehen bzw. finden, der ihn zu seinem persönlichen Glück führt. Und den Spaß dabei nicht vergessen. Lachen, rausgehen, Neues wagen, neue Menschen kennenlernen und Orte bereisen, Freunde treffen…Das tun, was einem Freude bringt!

Was habt ihr zuletzt gewagt oder ausprobiert und welche private und/oder berufliche Herausforderung möchtet ihr als nächstes angehen?

Ursula: Unser nächstes großes Ziel ist die Vollbeschäftigung.

Anna: Ich habe eine Auszeit genommen und mich dem Projekt meiner Familie gewidmet. Das war ein großer Schritt für mich, weil ich vorher in großen Firmen gearbeitet habe. Und als nächstes? So wie es aussieht geht die Reise weiter, und zwar hinaus in die große weite Welt!!

Zu guter Letzt: Was möchtet ihr der FIELFALT Community mit auf den Weg geben?

Ursula: Seine Talente verschenken, geben und teilen. Das macht außerordentlich glücklich!

Anna: Eigentlich das, was ich zum Thema Motto erzählt habe: Finde heraus, wer du bist, was du liebst und dann ab die Post. Bleib dir selbst treu und lass dich nicht von deinem Vorhaben oder Weg abbringen.

 

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Foto: ©privat; Titelbild: v.l.n.r Marie-Christine Brosch (Maria Brosch), Ursula Brosch, Dieter Brosch, Stephanie-Andrée Beltramini (Steffi Brosch), Anne-Hélène Brosch (Anna Brosch)

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