FI: Forgestellt & Inspiration

FORGESTELLT: Dr. Annett Kleinschmidt, Schönheitschirurgin und Praxisinhaberin

27. September 2021

Wie man als Schönheitschirurgin, Praxisinhaberin und Familienmensch noch viel Gutes tun kann, lest ihr in diesem schönen Portrait. Annett zeigt, wohin einen Mut und Entschlossenheit bringen können (nicht nur beruflich, sondern auch privat) und wie sich die Einstellungen zum Leben nach ehrenamtlichen Aufenthalten in Paraguay doch wieder relativieren.

 

Liebe Annett, wofür bist du in deinem Leben dankbar?

Für vieles, in erster Linie darüber, dass meine Familie und ich gesund sind – ich sehe als Ärztin doch häufig das Gegenteil. Und ich bin glücklich darüber, einen liebevollen Partner, tollen Sohn sowie wunderbare Eltern und Freunde zu haben.

Welche deiner Eigenschaften hat dich bisher im Leben am weitesten gebracht?

Ich würde sagen Zielstrebigkeit, Mut, Neugier und Entschlossenheit. Ich lerne gerne täglich dazu – mein Leben lang – arbeite zielstrebig und mit großem persönlichen Einsatz. Mein persönliches Glück in Dankbarkeit zu genießen und an andere Menschen weiterzugeben, macht mir viel Freude und gibt mir selbst viel zurück.

Du hast mittlerweile eine eigene Praxis. Wie ist es dazu gekommen und wie sahen deine beruflichen Meilensteine davor aus?

Das alles aufzuzählen sprengt wahrscheinlich den Rahmen dieses Formats. Ich habe mein Medizinstudium an der Medizinischen Hochschule Hannover und an den Universitätskliniken Zürich (Schweiz), Newport Beach / Orange County (U.S.A.), Kapstadt (R.S.A.) und Peking (China) absolviert. Unter anderem war ich dabei auch in der Antarktis  und der Arktis als Schiffsärztin auf dem russischen Eisbrecher Professor Molchanow MOL 29 tätig.

Den Facharzt für Allgemeinchirurgie und die anschließende Ausbildung zur Fachärztin für Plastische und Ästhetische Chirurgie absolvierte ich in Berlin und Sao Paulo (Brasilien). An die wunderbare Ausbildungszeit dort –  in der ich u. A. bei den Ikonen der neuzeitlichen plastischen Chirurgie Antonio Graziosi und Fausto Viterbo lernen durfte –  denke ich noch heute mit größter Freude zurück. Anschließend war ich sieben Jahre als Oberärztin in der Abteilung für Plastische und Ästhetische Chirurgie im Helios Klinikum Emil von Behring in Berlin tätig, bevor ich 2016 meine Praxis DOCURE mit eigenem ambulantem OP- Zentrum in Berlin nah am Kurfürstendamm eröffnete.

Warum ich statt Chefärztin zu werden meine eigene Praxis gründete? Viele Gründe, der wichtigste mein Sohn und meine Familie. Das war in der Klinik unvereinbar. Und es war eine sehr gute Entscheidung :).

Was ist dein Kerngebiet und warum hast du dich ausgerechnet darauf spezialisiert?

Zuerst habe ich den Facharzt in Chirurgie absolviert und dann den zweiten Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie draufgesetzt. Mich reizte die Vielseitigkeit des Fachgebietes der Plastischen Chirurgie: Der rekonstruktive Teil, mit dem man in jedem Land der Welt arbeiten kann, die rekonstruktive Chirurgie, die Verbrennungs- und Handchirurgie, aber auch die ästhetische Chirurgie, zu der neben hoher handwerklicher chirurgischer Präzision auch ein künstlerisch-ästhetischer Blick gehört.

In meiner Praxis bin ich sehr breit aufgestellt. Bedingt durch die langen Jahre am OP-Tisch großer Kliniken kann ich fast jede ästhetische und plastische Operation durchführen. Am meisten operiere ich Brust-Operationen jeglicher Art, Bodycontouring durch Liposuction oder Lipofilling, Intimoperationen und unterschiedlichste Gesichtseingriffe. Der häufigste ästhetische Gesichtseingriff ist die Korrektur sogenannter „Schlupflider“.

Seit über 10 Jahren reist du auch mit einem Team nach Paraguay, um dort Kinder zu operieren. Wie ist es dazu gekommen?

Schon mit 4 Jahren wusste ich, dass ich Ärztin werden wollte, um Menschen zu helfen. Mein Opa war Landarzt im Spreewald und das hat mich schon immer fasziniert. Bereits in der Ausbildung habe ich an vielfältigen Hilfsprojekten der WHO und Interplast teilgenommen. Es ist nicht jeder so privilegiert, wie wir hier in Europa. Aber alle Menschen haben das gleiche Recht auf körperliche Unversehrtheit und medizinische Versorgung. Vor nunmehr 12 Jahren gründete ich dann gemeinsam mit 2 Kollegen Interplast Berlin-Paraguay. Wir wollten nachhaltig und unprätentiös helfen.

 

©Interplast Berlin-Paraguay, 2019

 

Wie genau kann man sich deinen ehrenamtlichen Einsatz in Paraguay vorstellen?

Wir sind 11 erfahrene Ärzte und Pflegekräfte und operieren bei jedem Einsatz zwei Wochen lang ehrenamtlich und kostenlos kleine und auch einige erwachsene Patienten ohne Krankenversicherung in Presidente el Franco, Paraguay. Dieses „Berliner Engagement“ ermöglicht jedes Mal rund 80 Kindern und Erwachsenen ein „normales“ Leben ohne Schmerzen, Missbildungen und gesellschaftliche Ausgrenzung.

Paraguay ist mein Herzensprojekt und wenn ich dort bin, weiß ich wirklich, warum ich Ärztin geworden bin. Ich bin jedes Mal erfüllt und überwältigt von den Schicksalen und den bewegenden Dankesbekundungen der kleinen Patienten und ihrer Familien. Auch den anderen geht es so, meine Kollegin Dr. Tina Meister brachte es gut aus den Punkt „Man kommt hierher, um den Menschen hier einen ganz kleinen Teil von dem zurückzugeben, was wir im Überfluss besitzen und in Ländern wie Paraguay so sehr fehlt. Am Ende eines Einsatzes geht man beschämt, denn es fühlt sich an, als hätte man mehr bekommen als gegeben.“

Was sind in Paraguay die größten Herausforderungen, denen du begegnest?

Definitiv Hygiene und Ausstattung. Aber die Konstanz der Hilfseinsätze seit 2010 – bei denen auch lokales Personal geschult wird – hat die Qualität der dortigen medizinischen Versorgung und der verwendeten Apparaturen und Geräte deutlich verbessert. Im Laufe des Projektes wurde die Kapazität des barackenartigen öffentlichen Krankenhausen in Presidente el Franco von 8 auf 62 Betten erweitert und es gibt nun zwei auf einfachem Niveau gut ausgestattete OP-Säle.

Wir kümmern uns auch unterjährig, um Nachsorge, Unterstützung der lokalen Ärzte und darum medizinisches Gerät zu besorgen und zu verschiffen, zuletzt einen professionellen Sterilisator. Dann natürlich um die Spendengenerierung, Arbeits- und Aufenthaltserlaubnisse und vieles mehr. Langweilig wird uns nicht, alle Organisations- und Planungsarbeit sowie die Arbeit vor Ort erledigen wir ehrenamtlich neben unserem Beruf.

Die Improvisation und Teamarbeit sowie die Dankbarkeit der Patienten und Angehörigen machen diese Einsätze so besonders für mich.

©Fernando Freire, Berliner Ehrennadel für besonderes soziales Engagement, 2020

Und was sind für dich in deinem Alltag in Deutschland die größten Herausforderungen?

Jede Operation jedes Schwierigkeitsgrades ist eine Herausforderung, die volle Konzentration und Aufmerksamkeit, präoperative Planung und Respekt vor dem Patienten bedeutet.
Und natürlich sind es nicht nur die Operationen. Von meinen Händen – im wahrsten Sinne des Wortes – hängt das ganze Praxisteam ab. Ich muss mich also auf das Operieren konzentrieren. Das ist in der Praxis aber gar nicht so einfach. An allen Ecken und Enden bin ich gefragt, in der Praxis für Terminierungen und Anfragen, auch die Mitarbeiter wollen gehegt und gepflegt werden. Aktuell gestalten wir die Webseite neu, meine freien Mitarbeiter für Social Media und Öffentlichkeitsarbeit wollen kontinuierlich Input und Korrekturen von mir. Annett könnte es problemlos mehrfach geben 😊.

Und ein bisschen Privatleben gibt es ja auch noch. Ich möchte meine liebe Familie und auch mich selber dabei nicht vergessen.

Was würdest du LeserInnen raten, die beruflich eine ähnliche Richtung wie du einschlagen möchten?

Nur Mut: Es gibt nichts Gutes, außer man tut es. Sehr wichtig – und das kann ich nicht genug betonen ist Erfahrung aus der Klinik und sich dann mit durchdachtem Konzept und gutem Netzwerk trauen. Mut und Zielstrebigkeit werden immer belohnt.

Wo können wir dich in deiner Freizeit antreffen?

Ich mache viel Sport, jogge durch Berlin, bin im Yoga- und Sportstudio. Zudem versuche ich qualitative Zeit mit meiner Familie zu verbringen, mit meinem Sohn, meinem Partner, meinen Eltern. Wie machen auch häufiger Kurztrips in die Natur oder nach München und in die Berge.

Aktuell genieße ich es, dass es endlich wieder ein Kulturprogramm in Berlin gibt. Dem Impfen sei Dank. Mit lieben Freundinnen nutzen wir das gerne aus und machen auch mal einen „Mädelsabend“.

Zu guter Letzt: Was möchtest du in den kommenden Monaten privat und beruflich wagen?

Übernächste Woche erklimme ich mit meiner Familie die Zugspitze. Endlich ist mein Sohn alt genug, um da mithalten zu können. Ich freue mich schon sehr auf frische Luft und frische Gedanken. Die letzten Monate waren sehr stressig. Zusätzlich zum normalen „Wahnsinn“ haben wir freitags noch ehrenamtlich geimpft. Das war – auch logistisch mit Anbindung zum RKI und viel Dokumentation – ein Riesenaufwand.

Beruflich – muss ich zugeben – bin ich momentan froh, das Bestehende erfolgreich „gewuppt“ zu bekommen. Bevor ich da Neues wage, muss erst einmal die neue Website stehen und wir brauchen eine neue Empfangskraft, die eingearbeitet werden muss. Eigentlich gibt es auch im Alltag immer wieder neue kleine „Wagnisse“.

 

Weiterführende Links:

https://www.docure.de
https://www.instagram.com/docure.plastische.chirurgie/?hl=de
https://www.facebook.com/DocureDrKleinschmidt/
https://www.youtube.com/channel/UCps_6QCph2f0fOWlJllUKOg

 

Titelbild: ©Heidi Scherm

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