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FORGESTELLT: Nelli Inhaberin Bikrambox Hot Yoga in Berlin

19. August 2016
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Ich bin von Natur aus jemand, der neugierig ist und gern neue Dinge ausprobiert – so kam es auch dazu, dass ich mit einer Kollegin vor über zwei Jahren zum Hot Yoga gegangen bin. Ich hatte wirklich Respekt davor, denn jeder, der mich kennt, weiß, dass mein Kreislauf wohl einer der schlechtesten der Welt ist. Also schien mir nichts merkwürdiger als freiwillig in einem 38,5 Grad heißen Raum Yoga zu praktizieren! Wenn man Dinge nicht ausprobiert, kann man nicht schlecht darüber reden – also ging ich mit! Eine Probierkarte gibt es oben drauf! 20€ für 10 aufeinanderfolgende Tage, finde ich ein sehr faires Angebot, um den Kreislauf auf die Probe zu stellen. Heute möchte ich euch Nelli, die Gründerin und Inhaberin des Yogastudios Berlin Hot Yoga vorstellen.

Liebe Nelli, stell dich doch bitte einmal unseren Lesern vor. Wer bist du und was machst du normalerweise so den lieben langen Tag?

Nelli: Ich bin Nelli Nolde, 32 Jahre alt, Inhaberin von Berlin Hot Yoga und habe zwei Kinder im Alter von fünf Jahren und vier Monaten.

Wenn ich nicht im Studio bin, verbringe ich die Zeit meistens mit meiner Familie, Freunden und lese liebend gerne alternative Gesundheitsratgeber.

Wie kam es zu der Idee ein Bikram-Yoga Studio zu gründen? Ab wann wurde es zu deinem Traum? Gab es eine spezielle Situation, die diesen Wunsch ausgelöst hat?

Nelli: Mit der Idee eines eigenen Yogastudios habe ich schon geliebäugelt, bevor ich überhaupt Lehrerin wurde. Das waren aber nur unkonkrete Träume, die unrealistisch schienen, viel zu weit weg und an zu viel Verantwortung gebunden. Ich wollte in erster Linie Reisen! Und das eben als Yogalehrerin und am liebsten um die ganze Welt. Als mein Sohn 2010 zur Welt kam, war die Reisefreiheit massiv eingeschränkt und plötzlich war es gar nicht so leicht den eigenen Lebensunterhalt als freiberufliche Yogalehrerin zu verdienen. Die meisten Yogakurse finden genau dann statt, wenn die Kita geschlossen ist. So reifte langsam die Idee ein eigenes Studio zu eröffnen, ein größeres Aufgabenfeld zu schaffen und als Chefin auch mehr Flexibilität in den Arbeitszeiten zu haben. Zumindest dachte ich damals, dass das so funktioniert. 🙂

Nachtrag: Inzwischen ist das Angebot um einiges erweitert worden. Es gibt Yin Yoga oder auch warm Vinyasa Yoga zum ausprobieren, aber auch an die Mamas wurde gedacht. Schaut einfach mal auf der Homepage vorbei.

Es gibt ja verschiedene Meinungen zu Gründerinnen mit Kindern. Wie ist es bei dir – würdest du sagen es ist alles easy going?

© Nelli Nolde

© Nelli Nolde

Nelli: Als Mama ein Unternehmen zu gründen, zu leiten und am Leben zu erhalten ist so überhaupt nicht easy going. Die Verantwortung, der finanzielle Druck und ein Studio, das sieben Tage die Woche geöffnet hat, egal ob Feiertag oder nicht, haben mich schon so manches Mal an die absolute Erschöpfung und auch Frustration gebracht. Wie in allen Bereichen des Lebens, hat die Selbstständigkeit als Mama ihre Vor- und Nachteile. Ich genieße es, im Sommer meinen Sohn früher von der Kita abholen zu können und meine Arbeitszeiten mehr oder weniger flexibel und selbstbestimmt organisieren zu können. Wobei man als Gründerin auch nur so flexibel ist, wie der Erfolg des Unternehmens.

Wenn es finanziell knapp wird, muss ich mehr Unterrichten, egal ob die Sonne scheint oder nicht. Während der Schwangerschaft habe ich die Selbstständigkeit verflucht. Ohne Mutterschutz und ohne Rücklagen musste ich auf der Matte stehen, trotz Müdigkeit, Übelkeit, Sodbrennen und Hitzewallungen. Am Ende hat es sich aber gelohnt und so sitze ich auch jetzt im Home Office mit Baby im Tragetuch. Man wächst mit seinen Herausforderungen und man entspannt sich auch mit jeder Neuen etwas mehr. Wichtig für mich, ist die Trennung von Arbeit und Zeit mit der Familie. Wenn ich das Studio verlasse, lese ich nur im Notfall E-Mails oder organisiere nebenbei. Manchmal ist es nicht zu vermeiden, aber glücklicherweise habe ich ein Team an Lehrern, die ihre Arbeit gut machen und mich auch nur im Notfall anrufen.

Ich habe selten so jemanden, wie dich getroffen, der so entspannt ist und so eine Aura ausstrahlt. Wie schaffst du den Spagat zwischen beruflichem Wahnsinn und entspannter Yogini?

Nelli: Vielen Dank für das Kompliment. Glücklicherweise geht es in meinem Beruf um Entspannung. Es geht darum, im Gleichgewicht zu leben. Yoga hilft mir dabei, entspannt zu bleiben und den Fokus auf das wirklich Wichtige im Leben zu behalten. Wenn der Kopf raucht und ich nicht mehr weiter weiß, übe ich 10 Minuten Handstand. Das stellt alles auf den Kopf und ich fühle mich wieder leichter. Yoga lehrt mich gelassen zu bleiben, egal was Außen von mir ist. Wenn nichts mehr geht, bleibt einem nur ein tiefer ruhiger Atemzug und die Erkenntnis, dass sich die Erde immer weiterdreht und nach anstrengenden Phasen kommen immer leichtere und schöne, die all die Arbeit ausgleichen.

Ich erledige die Dinge, wie ich es eben schaffe. Manchmal bleibt etwas Monatelang liegen und ich hätte es gern früher abgearbeitet, aber das geht mit Baby eben nicht. Also lasse ich es los und mache es, wenn die Zeit dafür da ist. Wenn ich in meinem Studio selber praktiziere und am Ende in der Entspannung liege, überrollt mich immer wieder eine Dankbarkeit, die mich alle Sorgen vergessen lässt. Wenn ich in die glücklichen Gesichter meiner Schüler sehe, fühle ich, dass es die richtige Entscheidung war. Keine Leichte aber eine, die mich weiterbringt. Und ehrlich gesagt, bin ich auch nicht immer so entspannt. An dieser Stelle muss ich meinem Mann danken, der meinen Sorgen immer geduldig zuhört. Er erlebt mich nicht immer so entspannt, wie meine Schüler 😉

Wenn du so auf dein bisheriges Leben zurückschaust, würdest du alles genau so noch einmal durchleben und entscheiden?

Nelli: Ja, ich würde alles genauso machen. Entscheidungen zu bereuen, ist nicht besonders hilfreich. Ich hoffe immer, dass ich mit meinen Entscheidungen lernen und wachsen kann. Das gelingt mir mal mehr und mal weniger. Alle meine Entscheidungen haben mich dahin gebracht, wo ich heute bin und für diesen Weg bin ich mehr als dankbar.

Wow, wow, wow. Also ich weiß nicht, wie es euch geht, aber ich bin einfach nur begeistert! Ich hoffe euch hat das Interview ebenso gefallen, wie mir. Wenn ihr Fragen habt, dann kommentiert gern unter unserem: FORGESTELLT: Nelli Inhaberin Bikrambox Hot Yoga in Berlin. Ansonsten freue ich mich, den ein oder anderen mal auf der Matte zu sehen!

Namasté!

Eure Julia

Bildquelle: © Nelli Nolde

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