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FORGESTELLT: Sema Gedik, Modedesignerin

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Sema Gedik

hat mit Auf Augenhoehe das weltweit erste Modelabel für kleinwüchsige Menschen gegründet. Im Interview gibt sie Einblicke in die Geschichte hinter ihrem Label und spricht darüber, was sie antreibt.

Wie bist du auf die Idee gekommen, Mode für Menschen mit Kleinwuchs zu designen?

Sema: Ich habe eine kleinwüchsige Cousine. Sie hat immer Probleme, passende Kleidungsstücke zu finden. Sie muss immer zum Änderungsschneider rennen, während ihre Freundinnen schnell etwas zum Anziehen finden. Deshalb ist sie häufig frustriert.

Inzwischen hast du dein eigenes Label Auf Augenhoehe, konntest deine Entwürfe auf der Mercedes Benz Fashion Week in Berlin präsentieren, warst für den German Design Award nominiert und wurdest von der Bundesregierung ausgezeichnet. Dabei wolltest du ursprünglich nur eine kleine Kollektion als Abschlussarbeit herstellen.

Sema: Genau. Ich habe im Oktober 2013 im Rahmen der Bachelorarbeit mit Auf Augenhoehe angefangen. Meine Recherchen von damals ergaben, dass es noch keine Labels oder Kollektionen für Kleinwüchsige gab. Ich bin nur auf vereinzelte Schneider gestoßen, die schon mal Kleidung für Kleinwüchsige nähen. Das hat mich zusätzlich angespornt! Ich habe zunächst nur drei kleinwüchsige Menschen vermessen. Anhand der Messungen fertigte ich 13 Kleidungsstücke an. Ich habe überhaupt nicht geplant, das Projekt groß aufzuziehen. Meine Hochschule hat mir 2015 die Möglichkeit gegeben, meine kleine Kollektion auf dem Laufsteg der Fashion Week in Berlin zu präsentieren. Die Resonanz war durchweg positiv – auch über die Grenzen Deutschlands hinaus! Plötzlich entwickelte das Projekt eine Eigendynamik, die mich zunächst überwältigte. Ich bekam Anfragen von Journalisten und von kleinwüchsigen Menschen aus aller Welt.

Sema macht ihre Models für den Mercedes Benz Fashion Week Laufsteg fertig.

Und dann gab es keinen Weg zurück?

Sema: Ich hatte viele Zweifel, ob ich es schaffe, da etwas größeres draus zu machen. Aber mir war auch schnell klar: Dieses Projekt ist wie ein Baby, das neu geboren wurde. Ich kann es jetzt nicht einfach aufgeben. Ich muss mich darum kümmern, es aufziehen, dafür sorgen, dass es sich bestmöglich entwickelt. Außerdem fühle ich mich den Menschen gegenüber verantwortlich, die darauf warten und hoffen, endlich ihnen entsprechende und passformgerechte Kleidung zu bekommen. Fast täglich bekomme ich Anfragen, wann es soweit ist.

Welche Vorstellungen hast du denn für die weitere Entwicklung deines „Babys“?

Sema: Seit Anfang 2017 ist Auf Augenhoehe als Label eingetragen! Ich freue mich so! Ich arbeite daran, dass kleinwüchsige Menschen möglichst bald und ohne großen Aufwand an Kleidungsstücke kommen, die ihnen wirklich passen. Keine Einkäufe in Kinderabteilungen und kein Rennen zum Änderungsschneider mehr. Sie sollen sich gleichberechtigt, eben „Auf Augenhoehe“, mit anderen Modekonsumenten fühlen. Doch bis dahin ist es noch ein langer Weg: Es gibt noch keine Schneiderpuppen, keine internationale Konfektionsgrößentabelle und keine Schnittkonstruktionen, nach denen man in größerer Zahl Kleidungsstücke für Kleinwüchsige fertigen könnte. Die Konfektionstabelle steht allerdings kurz vor der Vollendung! Ich habe viele Monate in unterschiedlichen Ländern Messungen an mehreren Hundert Menschen mit Kleinwuchs durchgeführt. Gerade analysiere ich die Ergebnisse. Danach werde ich Schnittkonstruktionen erstellen. Es gibt auch noch keine wirklich passenden Schuhe für Kleinwüchsige. Parallel zu der Konfektionsgrößentabelle entwickle ich eine Größentabelle für Schuhe. Da das internationale Interesse sehr groß ist, wird es einen Onlineshop geben. Aber ich hätte auch gerne einen Laden.

Was waren die größten Hürden auf deinem Weg?

Sema: Die Körperproportionen zu verstehen war eine echte Herausforderung! …und im Anschluss die ersten Kleidungsstücke herzustellen. Ich weiß nicht mehr, wie häufig ich abgemessen und angepasst habe. Ich habe zum Beispiel bei einem Shirt die Achseltiefe geändert, dann hat es aber im Rücken oder in den Schultern nicht mehr gepasst. Und ich musste noch einmal messen. Und noch einmal… Das war teilweise so frustrierend und deprimierend. Ich musste wirklich viel Geduld bewahren. Ich bin sehr froh, dass ich nun den Dreh raus habe.

Wie würdest du deine Designs beschreiben?

Sema: Ich will keine freakige, sondern raffinierte Mode machen. Meine Schnitte sind zeitlos und zeitgemäß.

Was inspiriert dich?

Sema: Alles mögliche! Am meisten inspirieren mich Gespräche. Aber auch Zeitungs- oder Magazinlektüre, Fachbücher, Dokumentationen, Radio… Ich halte alles in meinem Ideen-Buch fest. Ich hoffe sehr, dass ich viele von meinen Ideen Stück für Stück in die Realität umsetzen kann.

Weitere Infos zu Auf Augenhoehe: www.aufaugenhoehe.design

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