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FORGESTELLT: Mai Goth Olesen, Gründerin und Geschäftsführerin von Meal-Saver

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Mai Goth Olesen

hat sich als studierte Umweltingenieurin lange mit dem Thema Lebensmittelverschwendung beschäftigt. Im September 2016 hat sie beschlossen, aktiv etwas dagegen zu tun – das war die Geburtsstunde der App Meal-Saver. Im Interview spricht sie über ihre Vision, Resteverwertung „zum Mainstream zu machen“ und schwärmt als ehemaliger Frikadellen-Fan von ihrer neuentdeckten Liebe zum vegetarischen Essen.

Wie funktioniert Meal-Saver?

Dieser prächtige Salat wäre beinahe im Müll gelandet.

Mai: In Deutschland werden in der Gastronomie etwa 40 Prozent der Lebensmittel weggeschmissen! Darüber sind auch die Gastronomen unglücklich. Oft müssen sie am Ende des Tages übrig gebliebene Speisen entsorgen – obwohl sie noch frisch und essbar sind. Das Meal-Saver Konzept: Wir liefern an Restaurants biologisch abbaubare Boxen. Diese werden mit überschüssigem Essen gefüllt und in der Meal-Saver-App angeboten. Die App-Nutzer können die Boxen direkt über die App kaufen und anschließend im Restaurant abholen. Eine Box kostet zwischen zwei und vier Euro. Das Ergebnis ist eine Win-Win-Situation: Die Gastronomen verdienen noch ein bisschen Geld, bekommen neue Kunden und das überschüssige Essen kommt nicht in die Tonne. Die Kunden sparen Geld und können verschiedene Gerichte probieren.

Wie bist du auf diese Idee gekommen?

Mai: Ich will Lebensmittelrettung und Nachhaltigkeit zum Mainstream machen! Schon seit anderthalb Jahren habe ich mit dem Gedanken gespielt, etwas in diesem Bereich zu gründen. Ich bin in einer kleinen Stadt in Dänemark aufgewachsen. Dort haben wir in unserem eigenen Garten viel angepflanzt und ich weiß, wie lange es dauert und wie viel Mühe es kostet bis eine Tomate essreif ist. Deshalb war ich schon immer vorsichtig damit, Lebensmittel wegzuschmeißen. Als ich in Kopenhagen Umweltingenieurwesen studiert habe, habe ich containert. Es wurde so viel Gutes weggeschmissen! Es war fast schon stressig, die Lebensmittel einzusammeln. Als ich nach Deutschland zog, habe ich Foodsharing gemacht. Basierend auf diesen Erfahrungen hatte ich die Vision, etwas zu initiieren, das sehr einfach funktioniert und mehr Menschen motiviert, Lebensmittel zu retten. Die Meal-Saver Boxen enthalten eine Portion Essen. Die Gerichte sind schon fertig gekocht. Super easy!

Sind die Bedingungen zum Gründen in Berlin anders als in Dänemark?

Mai: Der Gedanke, Lebensmittel zu retten ist hier verbreiteter als in Dänemark. Es gibt dort beispielsweise kein Foodsharing oder keine Verbände wie Die Tafel. Wir haben mit dem Start-Up in Hamburg angefangen. Aber die Möglichkeiten in Berlin sind doch größer. Hier haben wir zum Beispiel Unterstützung vom Social Impact Lab bekommen. Aber ich muss auch zugeben, dass es mir am Anfang schwer fiel, die deutsche Bürokratie zu verstehen.

Wie gehst du mit Herausforderungen um?

Mai: Das Gute ist, dass ich grundsätzlich positiv eingestellt bin. Ich denke immer: Es geht, es geht, es geht! Gerade sind wir auf der Suche nach Investoren und natürlich mache ich mir Gedanken. Aber ich glaube, andere Leute würden im Vergleich große Angst haben.

Du bist Umweltingenieurin und hättest in der Industrie bestimmt einen sicheren und gut bezahlten Job bekommen können. Warum hast du ein Start-Up gegründet? Hattest du keine Angst vor dem Risiko?

Mai: Ich habe in Dänemark schon einmal ein erfolgreiches Start-Up im Bildungsbereich gegründet und es war eine sehr gute Erfahrung. Für mich ist es sehr, sehr spannend, selbstständig zu sein. Ja, manchmal bin ich ein bisschen nervös. Als Gründerin trage ich nicht nur die Verantwortung für mich, sondern für alle im Team. Und ja, ich arbeite sehr viel. Manchmal 80 Stunden pro Woche. Für mich wirkt es aber nicht immer wie Arbeit, es ist vielmehr ein Lifestyle. Meiner Meinung nach muss Arbeit nicht langweilig und strikt von anderen Lebensbereichen getrennt sein. Sie muss auch nicht hierarchisch organisiert sein. Ich mache das, was ich liebe und meine Mitarbeiter sind wie meine Freunde oder Familienmitglieder. Abwechselnd kocht im Büro jemand für das Team, wir gehen zusammen aus oder mal ein Bier trinken. Wenn ich doch einmal komplett abschalten muss, dann gehe ich zum Tanzen oder zum Yoga.

Wie sieht die bisherige Bilanz von Meal-Saver aus?

Mai: Ich habe das Gefühl, dass die Zeit für die Idee genau richtig ist. Die Menschen sind sehr offen für das Thema Nachhaltigkeit. Wir haben die App im November 2016 freigeschaltet und sind seitdem wahnsinnig gewachsen – als Team, aber auch, was unser Angebot angeht. Um in konkreten Zahlen zu sprechen (Stand Januar 2017): Wir haben allein in Berlin über 150 Restaurants mit an Bord. Bisher konnten wir 2 540 Kilogramm Essen retten und 5 842 Kilogramm an CO2-Äquivalent einsparen. Wenn es so weitergeht, dann werden wir dieses Jahr etwa 100 000 Kilo Essen retten!

Du sprichst es schon an – die Zukunft. Wie soll es mit Meal-Saver weitergehen?

Mai: Ich wünsche mir, dass es in spätestens zwei Jahren Meal-Saver überall in Deutschland gibt. Bisher sind wir nur Hamburg und Berlin. Aber viele Gastronomen rufen uns an und fragen, ob sie mitmachen können. In den nächsten zwei Monaten wird es Meal-Saver auch in Köln, Bochum, Düsseldorf, München, Frankfurt, Stuttgart und Leipzig geben. Vielleicht werden wir auch in andere Länder expandieren.

Was ist eigentlich dein Lieblingsessen?

Mai: Ich esse sehr gerne vietnamesisch. Aber ich experimentiere zur Zeit auch viel mit veganem und vegetarischem Essen. Ich bin ganz erstaunt, wie viel man da machen kann. Früher hätte ich nicht gedacht, dass man die Frikadelle weglassen oder eben eine vegetarische Frikadelle essen kann. Ich komme aus einer Familie, in der jeden Tag Fleisch gegessen wurde. In Dänemark essen wir noch ein bisschen wie die Wikinger – ohne Fleisch geht es nicht.

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